Das Gänseliesel - ein Göttinger Wahrzeichen
Metallbau Senge pflegt die KultfigurSeit den 50er Jahren kümmert sich der Betrieb Senge um das geschmiedete Gänseliesel auf dem Marktplatz von Göttingen. Junior- und Seniorchef gehen davon aus, dass ihre Liebe zur Brunnenfigur, ein Wahrzeichen der Stadt, die Nutzungsdauer ihrer neuen CNC-Bearbeitungsmaschine Schüco AF 500 ECO überdauern wird.
Burchard war in der Familie Senge am besten mit dem Gänseliesel vertraut. Bereits 1954/55 war er als Auszubildender bei der Firma Jünemann an der Restauration beteiligt. Laut Zeitungsberichten aus der damaligen Zeit hatte ein Student die Fahne von der Spitze des Baldachins gestohlen. Diese musste also erneuert sowie der Baldachin und Korb restauriert werden.
Weitere Arbeiten folgten 1963 am Baldachin und 1979 an der Gänselieselfigur. Seinerzeit war die Brunnenfigur von ihrem Sockel gestoßen worden, dadurch hatte sich ihr Kopf verformt und eine Gans einen Flügel verloren. Zum Glück konnten die abgebrochenen Teile im Brunnen gefunden werden, was die Reparatur vereinfachte. Im selben Zug wurden Altersrisse in der gesamten Figur ausgebessert. Die Kosten der Arbeiten beliefen sich auf 6.000 DM.
1986 war das Gänseliesel ein weiteres Mal Opfer von Vandalismus geworden. Dieses Mal hatte eine Gans Kopf und Füße verloren. Der Kopf wurde im Brunnen gefunden und konnte wieder angebracht werden. Die Füße mussten neu geformt werden.
Das Gänseliesel wird scherzhaft als meistgeküsstes Mädchen der Welt bezeichnet. Nach Göttinger Tradition fahren frischgebackene Doktorandinnen und Doktoranden mit einem Bollerwagen zum Marktplatz beim alten Rathaus, klettern auf den Brunnen und küssen das Gänseliesel. Die Tradition hat in der Vergangenheit für viel Ärger gesorgt. Wegen des Lärms gab es sogar über viele Jahre ein Verbot, das Gänseliesel zu küssen.
Im Jahr 2000 hat Burchard Senge anlässlich seines 60. Geburtstags eine Gesamtrestauration des Baldachins vorgenommen. 63 Blätter, 8 Blütenkelche und 84 Knospen waren vom Baldachin entwendet worden – vermutlich als Souvenir – und mussten neu geschmiedet werden. Die Arbeitszeit von 120 Stunden spendete er der Stadt Göttingen. An den Restaurationskosten in Höhe von 66.000 DM beteiligten sich mehrere Lieferanten der Firma Senge.
Im April 2023 musste der Baldachin nach der WM 2022 erneut gerichtet werden. Zu diesem Zweck wurde er durch die Firma Senge demontiert und im Betrieb die fehlenden Lorbeerblätter und Knospen erneuert und verstärkt. Anschließend bekam er einen Neuanstrich.
In diesem Jahr feiert das Gänseliesel den 125. Geburtstag. 1898 wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Am Ende gewann nicht der erste Platz, sondern der eigentlich Zweitplatzierte: der Entwurf „Gänseliesel“ des Bildhauers Paul Nisse und des Architekten Paul Stöckhardt. 1901 wurde die Gänsemagd über dem Brunnen auf dem Marktplatz vor dem Alten Rathaus aufgestellt. Um die Originalfigur zu schützen, steht diese inzwischen im Städtischen Museum, bei der heutigen Brunnenfigur handelt es sich um eine geschmiedete Kopie.
Metallbau Senge freut sich, dass die Kultfigur zu den Stammkunden zählt. Der Handwerksbetrieb wird heute durch Roderich und Maximilian Senge in dritter und vierter Generation geführt.
Das Unternehmen
Unter dem Namen „Kunst- und Bauschlosserei Wilhelm Senge“ gründete Wilhelm Senge den Betrieb 1937 in der Göttinger Innenstadt.1971 übernahm sein Sohn Burchard Senge die Firma und zog vier Jahre später, vor dem Hintergrund der Altstadtsanierung, an den heutigen Standort nach Weende am Lutteranger. Dort baute er 1975 eine neue Werkhalle, um den modernen Anforderungen des Handwerks gerecht zu werden. 1990 stieg mit Roderich Senge, die dritte Generation, in das Unternehmen ein. Unter seiner Führung wurde 1998 nach einem Brand das Bürogebäude erneuert und 2009 eine Halle für die Fertigung von Aluminiumkonstruktionen wie Türen und Fenstern gebaut.
Dort steht heute der Stolz der Senges: Eine CNC-Bearbeitungsmaschine Schüco AF 500 ECO, zehn Tonnen schwer und 13 Meter lang. Sie ist eine enorme Weiterentwicklung für die Fertigung von Aluminiumteilen wie Fenster, Türen und Fassaden. "Sie arbeitet mit digitaler Unterstützung, ist genauer, effizienter und nachhaltiger, auch, weil sie bisher einzelne Fertigungsgänge zusammenführt, Material spart und weniger Energie benötigt, ja sogar eine Energierückgewinnung bietet", erklärt Maximilian Senge. Der Junior in vierter Generation teilt sich heute mit seinem Vater Roderich die Geschäftsführung. Der Senior stellt fest: „Gerade in Zeiten, in denen viele Unternehmen über Veränderungen und neue Standorte nachdenken, ist es für uns ein wichtiges Signal, hier zu bleiben und zu investieren.“
