Keine Mehrkosten …
… lautet oft die Bedingung, wenn es um nachhaltiges Bauen geht. Wie nah Anspruch und Wirtschaftlichkeit beieinanderliegen können, zeigt die Sanierung und Aufstockung der Industriehalle K.118 in Winterthur. Durch die Wiederverwendung von Bauteilen wurden über 50 Prozent Treibhausgasemissionen und 500 Tonnen Primärmaterial eingespart. Laut der in unserem Fachartikel vorgestellten Studienarbeit von der Hochschule Zürich lagen die Kosten des Pilotprojekts nur etwa 2,5 Prozent über der ursprünglichen Schätzung für einen konventionellen Bauablauf.
Wie aufwendig die Beschaffung von Re-Use Materialien und Bauteilen ist, veranschaulicht die Bauteilkarte auf Seite 39. Digitale Produktpässe und BIM-Modelle könnten hier künftig viel Arbeit ersparen. Auch an diesem Punkt setzt die EU-Bauproduktenverordnung (BauPVO) an. Sie sieht mehr digitale Produktinformationen vor. Doch die Chancen haben eine Kehrseite: Neue Nachweis-, Dokumentations- und Normungsanforderungen verursachen einen schier enormen Aufwand.
Erhöhte Anforderungen zur falschen Zeit?
Was nützt der Digitale Produktpass, wenn seine Bereitstellung mehr kostet, als seine Nutzung einspart? Jede Transformation braucht Investitionen, verlässliche Regeln und Zeit. Wer Betriebe mit immer neuen Pflichten überfordert, gefährdet nicht nur wirtschaftlich sinnvolle Innovationen, sondern verspielt auch die Akzeptanz für notwendige Veränderungen. Aus Überforderung wird Widerstand. Am Ende droht der Klimaschutz auf der Strecke zu bleiben. Nachhaltigkeit muss im betrieblichen Alltag funktionieren und sich rechnen.
Frust & Widerstand
Wie groß die Sorge vor einer Überregulierung ist, zeigt der Appell von 14 Branchenverbänden und -institutionen. Sie haben im August Bundesbauministerin Verena Hubertz aufgefordert, dem geplanten EU-Normungsauftrag für Fenster, Türen u.a. in seiner bisherigen Form nicht zuzustimmen und sich für eine grundlegende Überarbeitung einzusetzen. Ihre Warnung: Zusätzliche Prüf- und Dokumentationspflichten könnten die am Bau beteiligten Betriebe überfordern und zudem das Bauen weiter verteuern. Bei den ift-Fenstertagen stellte VFF-Präsident Anton Gugelfuss nochmals klar: „Der Zeitpunkt für eine Umstrukturierung der Branche, wie sie der aktuelle Normentwurf fordert, ist falsch gewählt!“ Gerade für das Handwerk, das mit so vielen Insolvenzen wie seit zehn Jahren nicht mehr zu kämpfen hat, wären diese zusätzlichen Belastungen fatal. Nach bisherigem Zeitplan sind die neuen Normanforderungen nach Ablauf der Koexistenzphase im ersten Quartal 2031 gültig.
