Kreislaufwirtschaft

Startpunkt sind Planung und Ausschreibung

Wer erst beim Rückbau eines Gebäudes über Kreislaufwirtschaft nachdenkt, setzt zu spät an. Bereits bei Planung, Konstruktion und Ausschreibung wird entschieden, ob Bauteile Jahrzehnte später demontiert, Materialien getrennt und hochwertige Rohstoffe in geschlossene Kreisläufe zurückgeführt werden können. Metallbauer C. W. Dallwig Nachf. Grimm veranstaltete dazu ein Seminar in Kassel.

Die Erkenntnis, dass Planung und Ausschreibung Startpunkt für Kreislaufwirtschaft sind, war bei der Fachveranstaltung mit dem Titel „Rolle der Materialität in der Kreislaufwirtschaft zentral“ zentral. Mit Prof. Dr.-Ing. Sabine Flamme von der FH Münster und Thomas Lauritzen, Vorstandsvorsitzender des A|U|F e.V., trafen wissenschaftliche Erkenntnisse auf praktische Erfahrungen.

Prof. Flamme verdeutlichte die hohe Ressourcenrelevanz der Bauwirtschaft. Gebäude sind nicht nur Immobilien, sondern zugleich langfristige Rohstofflager. Entsprechend wichtig wird die Frage, wie die darin gebundenen Materialien nach Jahrzehnten der Nutzung zurückgewonnen und erneut eingesetzt werden können. Die Voraussetzungen dafür müssen früh geschaffen werden. Zu den Ansatzpunkten zählen demontagefreundlichere Konstruktionen, eine verbesserte Materialtrennung, Materialpässe sowie konkrete Anforderungen an Demontage und Rücknahme in Ausschreibungen und Leistungsverzeichnissen.
Am Beispiel von Aluminium zeigte Lauritzen, dass geschlossene Materialkreisläufe bereits praktisch umgesetzt werden. Über das System des A|U|F e.V. werden Aluminiumschrotte aus dem Fenster-, Türen- und Fassadenbau erfasst, aufbereitet und wieder hochwertigen Aluminiumanwendungen zugeführt. Allerdings besteht weiteres Potenzial, Materialströme aus Metall-, Fenster- und Fassadenbau sowie von Abbruch-, Entkernungs- und Demontageunternehmen in bestehende Rücknahmesysteme einzubinden. Ein entscheidender Ansatzpunkt  liegt in der Ausschreibung. Kreislaufwirtschaft sollte nicht lediglich über die Recyclingfähigkeit eines Bauproduktes beschrieben werden. Bereits im Leistungsverzeichnis kann festgelegt werden, wie mit ausgebauten Bauteilen umzugehen ist, welche Anforderungen an Materialtrennung bestehen und wie Rohstoffe in geschlossene Kreisläufe zurückgeführt werden sollen.
Zirkuläres Bauen beginnt mit einer möglichst langen Nutzungsdauer. Wartung, Reparatur und der Austausch einzelner Komponenten können dazu beitragen, bestehende Fenster, Türen und Fassaden lange funktionsfähig zu halten und Ressourcen zu schonen. Erst danach folgen Demontage, Trennung und Recycling.

Fazit

Die technische Recyclingfähigkeit eines Werkstoffs allein schafft noch keine Kreislaufwirtschaft. Erst wenn Planung, Ausschreibung, Konstruktion, Nutzung, Rückbau und Rücknahme zusammengedacht werden, kann aus einem alten Bauteil tatsächlich der Rohstoff für ein neues werden.

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