Marktübersicht

Nachhaltige Fassadenprofile

Ressourcenschonendes und energiesparendes Bauen braucht nachhaltige Bauprodukte. Die Tabelle stellt acht Anbieter mit 14 Lösungen vor, der Uf-Wert aller Fassadenprofile beträgt maximal 0,8 W/(m²K). Viele verfügen mit einer EPD über ein Umweltzertifikat. Die tabellarische Übersicht finden Sie im Fachmagazin metallbau.

Die Bau- und Immobilienwirtschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten bei der Errichtung und dem Betrieb von Gebäuden umfangreiche Rohstoff- und Energieressourcen verbraucht. Vielfach verschwendet muss man sogar sagen, angesichts etlicher gestalterischer Attitüden von Stararchitekten und Designern oder übertriebener Anforderungen von Bauherren. Unnütze Auswüchse dieser Art werden künftig immer mehr den Aspekten von ressourcenschonendem, energieeffizientem, gesundem und nachhaltigem Bauen weichen. Doch was versteht man darunter? Werden nachhaltige Bauprodukte beispielsweise aus nachwachsenden, recyclebaren Rohstoffen und besonders energiearm hergestellt? Oder gibt es noch andere Kriterien? Der Begriff „Nachhaltigkeit“ kennt keine eindeutige Definition. Auf die Frage, was unter nachhaltigen Fassadenprofilen zu verstehen ist, antwortet Philipp Klisch-Zumtobel, Chief Marketing Officer beim Schweizer Unternehmen Forster Profilsysteme: „Charakteristisch sind lange Lebensdauer, hohe Qualität, Zeitlosigkeit und hundertprozentige Rezyklierbarkeit.“ Christoph Seehauser, stellvertretender Leiter der Abteilung Nachhaltigkeit beim ift Rosenheim formuliert: „Nachhaltige Fassadenprofile sollten während ihrer gesamten Anwendungsdauer der direkten Umgebung keinen Schaden zuführen, z.B. durch Auswaschungen oder Ausdünstungen, und nach ihrer Lebenszeit wiederverwertet oder sogar wiederverwendet werden können. Also einer Kreislaufwirtschaft zuträglich sein.“  

EPD: Grundlage für Gebäudezertifizierung

Um Gebäude und deren verwendete Baumaterialien und -produkte hinsichtlich ihrer Ökobilanz und Nachhaltigkeit beurteilen zu können, wurden weltweit anerkannte Zertifizierungssysteme wie DGNB/BNB, LEED oder BREEAM eingeführt. Eine wesentliche Grundlage bilden hierfür EPDs, die als Produktnachweis für nachhaltiges Bauen gelten. Die Environmental Product Declaration (EPD) ist eine Umweltproduktdeklaration, die für ein jegliches (Bau-)Produkt erstellt werden kann und die die Europäische Kommission als geeignetes Mittel sieht, die Umweltleistung von Bauprodukten zu kommunizieren und somit das nachhaltige und umweltschützende Bauen voranzubringen. EPD-Zertifikate sind daher in der vorliegenden Marktübersicht für nachhaltige Fassadenprofile und -systeme ein wichtiges Kriterium. „Allerdings ist es wie mit allen Zertifikaten“, entgegnet Philipp Klisch-Zumtobel, „das Zertifikat bildet gewisse Informationen ab, die verstanden und beurteilt werden müssen. Der Besitz einer EPD sagt noch nichts über die Nachhaltigkeit eines Produktes aus, zudem ist die Vergleichbarkeit von EPDs schwierig.“ Er kritisiert, dass derartige Produktnachweise regelrecht „zu einem eigenen Wirtschaftszweig mutiert sind, welche letztlich die Kosten von Produkten und Dienstleistungen steigen lassen.“ Trotzdem verfügt auch Forster Profilsysteme seit einigen Jahren über EPDs für verschiedene Produktgruppen. Denn sie bilden nun mal weltweit die Grundlage für Gebäudezertifizierungen. „Ich will aber betonen“, sagt Klisch-Zumtobel, „ressourceneffizientes und klimafreundliches Bauen hat nicht unbedingt eine EPD zur Bedingung.“

ift Rosenheim zertifiziert Bauprodukte

Das ift Rosenheim unterstützt Hersteller von Bauprodukten bei der Erstellung produktspezifischer EPDs, firmenbezogener EPDs oder EPDs für ganze Verbände. Kontakt: nachhaltigkeit@ift-rosenheim.de. Das ift Rosenheim hat für die verschiedenen Bauprodukte eigene Richtlinien — PCR (Product Category Rules) — erstellt. Diese dienen als Grundlage für eine EPD und basieren auf der DIN EN ISO 14025 sowie der EN 15804. Um entsprechende EPDs erstellen zu können, ist neben den PCRs eine Ökobilanz LCA (Life Cycle Assessment) gemäß DIN EN ISO 14040 und DIN EN ISO 14044 notwendig. Eine EPD gibt Auskunft über die Umweltwirkungen eines Produkts, etwa zum Energie- und Wasserverbrauch oder zum Treibhauspotenzial, außerdem zum Ressourceneinsatz und zu entstehenden Abfällen und Emissionen im Lebenszyklus. „Hierfür gibt es ein definiertes Set an Kennwerten, die in jeder EPD vorkommen müssen“, erläutert Christoph Seehauser. Diese Kennwerte werden in einer Lebenszyklusanalyse ermittelt, welche den Kern der EPD darstellt. Auskünfte über Inhaltsstoffe sowie Schadstoffe müssen ebenfalls gemacht werden, z.B. mittels einer REACH-Erklärung. Eine EPD ist fünf Jahre gültig. Danach muss das Dokument überarbeitet und aktualisiert werden. Nahezu jeder Europäische Mitgliedstaat hat bereits ein EPD-Programm. Die ECO-Plattform (www.eco-platform.org) bietet hierüber einen Überblick und ist die Dachorganisation europäischer EPD-Programme.

Für nachhaltige Fassadenprofile werden beispielsweise das Rahmenmaterial, die Profilabmessungen, das Gewicht pro Laufmeter und viele spezifische Details abgefragt. Bezüglich einer fertigen Fassade kommen weitere Parameter hinzu.

Im Wertstoffkreislauf: C2C-zertifiziert

„Umweltproduktdeklarationen für Bauprodukte haben eine verbindliche, allgemeingültige Basis; sie werden von Experten erstellt und von unabhängiger Seite verifiziert. Letztlich bleiben sie aber in der Verantwortung des Herstellers“, so Christoph Seehauser. Unterschieden werden dabei produktspezifische und Muster-EPDs. Eine produktspezifische, individuelle EPD ist erforderlich, wenn es für dieses Produkt keine allgemeingültige Muster-EPD gibt oder die Gebäudezertifizierung dies verlangt. Bei einer spezifischen EPD werden umfangreichere Daten ermittelt und ausgewertet.

Eine weitere Kategorisierung ist das Konzept Cradle to Cradle. Es bedeutet, dass die Materialien und Rohstoffe eines Produktes in einem nahezu endlosen Kreislauf restlos zirkulieren sollen. Die Cradle-to-Cradle-Zertifizierung (kurz: C2C-Zertifizierung) wird z.B. vom Cradle to Cradle Products Innovation Institute in San Francisco, USA, verliehen. Bewertet werden fünf Kriterien: Materialgesundheit der eingesetzten Inhaltsstoffe, Kreislauffähigkeit des Produktes im technischen oder biologischen Kreislauf, Nutzung von erneuerbaren Energien, verantwortungsvoller Umgang mit Wasser und soziale Gerechtigkeit. Im Ergebnis werden die fünf Grade Basic, Bronze, Silber, Gold und Platin verliehen. Das Siegel muss alle zwei Jahre erneuert werden. Auch das C2C-Kriterium ist Bestandteil der vorliegenden Marktübersicht Nachhaltige Fassadenprofile.

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