Matthias Elmer, CEO Aepli AG
„Wir sind eine Mischung aus Industrie und Handwerk!“Aepli Metallbau in Gossau hat in den vergangenen Jahren kräftig investiert: in einen neuen Standort, automatisierte Fertigung, Energiemanagement und digitale Prozesse. Die Belegschaft zählt inzwischen 250 Mitarbeitende, ca. 60 % davon sind im Metallbau ausgebildet. Im Gespräch mit Chefredakteurin Stefanie Manger erläutert CEO Matthias Elmer, warum sich anspruchsvolle Gebäudehüllen trotz moderner Fertigung nicht vollständig standardisieren lassen, weshalb die Aepli AG ausschließlich auf den Schweizer Markt setzt und wo er Potenziale von KI sieht.
metallbau: Sie haben Ihre Karriere im Metallbau begonnen und sind mit Ihren 40 Jahren ganz schön weit gekommen ...
Matthias Elmer: Ich habe ursprünglich Metallbauer gelernt, anschließend als Konstrukteur gearbeitet und danach verschiedene Weiterbildungen bis hin zu Meister- und Technikerprüfungen absolviert. An der Universität St. Gallen habe ich ein Diplom im KMU-Management absolviert. Bei der Aepli AG bin ich seit 2012 tätig, einige Jahre als Projektleiter, im Anschluss als Teamleiter Fassadenbau.
metallbau: Sie sind in der vierten Generation der erste CEO, der nicht der Familie angehört. Die Unternehmensführung wurde neu organisiert?
Elmer: Das Unternehmen ist weiterhin in Familienhand. Die vierte Generation arbeitet im Betrieb und ist in der Projektleitung tätig. Die operative Führung ist jedoch auf eine Geschäftsleitung verteilt, deren fünf Mitglieder nicht zur Familie gehören. Ich bin seit 2021 als CEO tätig und bin wie auch die anderen vier Mitglieder der Geschäftsleitung – CSO, CTO, COO und CFO – seit vielen Jahren für die Aepli AG tätig. Darüber hinaus gibt es den Verwaltungsrat. Roman Aepli, Präsident des Verwaltungsrats, ist in unserem Fall zugleich Inhaber des Unternehmens. Er kümmert sich in erster Linie um die strategische Ausrichtung des Unternehmens.
metallbau: Was hat sich durch den Wechsel von einer inhabergeführten Struktur zu einem breit aufgestellten operativen Management verändert?
Elmer: Die Aufgaben und Verantwortlichkeiten verteilen sich heute auf mehrere Schultern. Gleichzeitig ist entscheidend, dass die Verantwortlichkeiten klar geregelt sind und die Mitarbeitenden viel Eigenverantwortung besitzen – insbesondere in den Projekten. Als CEO kann und muss ich nicht jedes Detail kennen. Meine Aufgabe besteht darin, sicherzustellen, dass die richtigen Personen Verantwortung übernehmen können und auch dürfen. Die Projekte sollen von den dafür verantwortlichen Leitern gesteuert werden. Diese Selbstverantwortung ist für uns ein sehr wichtiger Aspekt.
metallbau: Der Fassadenbau ist der größte Geschäftsbereich?
Elmer: Ja, der Fassadenbau ist unser Kerngeschäft. Daneben haben wir weitere Bereiche, die stark wachsen – beispielsweise den klassischen Metallbau, Türen, Service und Wartung sowie die Lohnfertigung.
metallbau: Wer sind die Kunden von der Aepli AG?
Elmer: Aufgrund unseres Projektgeschäfts stammt der überwiegende Teil der Aufträge von institutionellen, gewerblichen und professionellen Bauherren. Im Privatsektor sind wir praktisch nicht tätig.
metallbau: Wo positionieren Sie das Unternehmen im Schweizer Fassadenbau?
Elmer: Es gibt eine Handvoll Unternehmen, die sich in einer vergleichbaren Größenordnung bewegen. Wer davon die Nummer eins ist, spielt für uns keine Rolle. Uns ist wichtiger, komplexe und anspruchsvolle Projekte in guter Qualität realisieren zu können und dabei wirtschaftlich erfolgreich zu sein.
metallbau: Die Aepli AG war früher international aktiv. Ist ein stärkerer Fokus Richtung Ausland wieder denkbar?
Elmer: Wir haben in der Vergangenheit Projekte in verschiedenen Ländern realisiert, unter anderem in Deutschland, Schweden und Kuwait. Momentan erzielen wir jedoch 100 Prozent unseres Umsatzes mit Projekten in der Schweiz. Wir sehen in diesem Markt ausreichend Potenzial, um weiter zu wachsen – sowohl im Fassadenbau als auch in unseren anderen Geschäftsbereichen. Auslandsprojekte stehen daher derzeit nicht oben auf der Prioritätenliste. Hinzu kommt die Währungssituation, die einen Export nicht unbedingt begünstigt.
metallbau: Im Metallbau stehen viele kleinere Unternehmen vor einem Nachfolgeproblem. Ist Wachstum durch Übernahmen für die Aepli AG eine willkommene Option?
Elmer: Im Fassadenbau läuft bereits die Konsolidierung. Sie erfolgt allerdings hauptsächlich dadurch, dass einzelne Unternehmen ihre Marktposition ausbauen und organisch wachsen. Markante Zukäufe sind eher selten. Im klassischen Metallbau sieht es etwas anders aus. Dort gibt es sehr viele kleinere Betriebe, fast jeder Ort hat seinen Metallbauer. Bei vielen wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten die Nachfolge ein Thema. Ob wir Unternehmen übernehmen werden, ist aber offen.
Bei einer Übernahme übernimmt man schließlich nicht nur die positiven Seiten eines Unternehmens, sondern auch dessen Risiken. Bislang sind wir mit organischem Wachstum gut gefahren. Einen passenden Zukauf für die Zukunft würde ich nicht ausschließen, er steht aber nicht oben auf unserer Prioritätenliste.
Was ich bei diesem Thema viel bedauerlicher finde: Viele Kollegen haben ihre Betriebe mit viel Herzblut aufgebaut, sind Branchenexperten und müssen dann schließen, weil sie keine Nachfolge finden. Das empfinde ich schmerzhafter, als dass ich mich über mögliche zusätzliche Marktanteile freue.
metallbau: Im Jahr 2023 hat die Aepli AG den Neubau in Gossau bezogen. Dort sind die Fertigungslinien in der Produktion, wo ca. 90 Personen arbeiten, deutlich weiterentwickelt worden. Wie industrieorientiert ist das Unternehmen aufgestellt?
Elmer: Auf der Maschinenseite haben wir einen großen Schritt gemacht – beispielsweise bei der Profilbearbeitung, der Blechfertigung mit Laserschneidanlagen und automatisierten Zuführungen. Hinzu kommen zwei Hochregallager, über die Material bis an die Fertigungsorte bereitgestellt wird. Verbunden ist das mit digitaler Planung, digitaler Datenaufbereitung sowohl für die Maschinen als auch für den Zusammenbau. Eine umfassende Arbeitsvorbereitung beschleunigt die Fertigung. Wir sind heute eine Mischung aus Industrieunternehmen und klassischem Handwerksbetrieb. Die meisten Fassaden sind Unikate. Für ihre Umsetzung braucht es weiterhin viel Fachwissen und handwerkliches Geschick.
metallbau: Welche Rolle spielt BIM dabei?
Elmer: BIM ist ein Teil davon. Ebenso wichtig sind unsere internen IT-Systeme und die ERP-Lösung, die uns die Datengrundlage für eine effiziente Produktion liefern. Die Komplexität darf man dabei nicht unterschätzen: Viele unserer Bauteile sind Einzelstücke, ganze Fassaden beziehungsweise Gebäudehüllen sind als Unikate zu verstehen.
Über die notwendige Planungstiefe entscheiden wir projektbezogen. Bei einer einfachen Fassade reichen unter Umständen wenige Schnitte in 2D, um die Komplexität vollständig abzubilden. Bei einem anspruchsvollen Projekt benötigen wir dagegen ein durchgängiges 3D-Modell, aus dem die Daten für die Produktion abgeleitet werden. Wir beherrschen beide Wege – die herkömmliche Planung ebenso wie die hochdigitalisierte 3D-Planung mit direkter Übergabe an die Fertigung. Nicht jedes Projekt benötigt jedoch den maximalen Digitalisierungsgrad.
metallbau: Übernehmen Sie auch das Engineering einer Fassade – also konkret die Fassadenplanung?
Elmer: Ja. Wir haben intern praktisch alle notwendigen Disziplinen vertreten. Wir erstellen nicht nur Werkstatt- und Montagepläne, sondern übernehmen auch Engineering, Konstruktion, Systementwicklung und Statik. Dabei arbeiten wir einerseits mit Systemlieferanten wie Schüco oder Wicona zusammen, andererseits entwickeln wir selbst Systeme. Teilweise kombinieren wir beides. Wir suchen für jedes Projekt die technisch und wirtschaftlich passende Lösung.
metallbau: Könnte der Bauherr dank Ihres Personals auf einen eigens beauftragten Fassadenplaner verzichten?
Elmer: Grundsätzlich gibt es beide Modelle; wir kooperieren mit Fassadenplanern oder wir übernehmen die Fassadenplanung selbst. Unsere Kunden sind häufig institutionelle Bauherren sowie General- und Totalunternehmer. Bei mehr als 80 Prozent unserer Aufträge läuft die Vergabe weiterhin über das klassische Ausschreibungsmodell: Ein Fachplaner für die Fassade erstellt die Planung und Ausschreibung, anschließend erfolgt die Submission. Wenn wir den Auftrag erhalten, übernehmen wir ab diesem Zeitpunkt die technische Ausarbeitung und die Detailplanung. Daneben gibt es Bauherren, die eine frühere Direktbeauftragung des produzierenden Unternehmens bevorzugen. In diesen Fällen leisten wir die Fassadenplanung.
metallbau: In Großbritannien werden ausführende Fassadenunternehmen häufig früher in die Planung eingebunden und agieren auch als Fassadenplaner. Warum setzt sich dieses Modell in der Schweiz und in Deutschland nicht stärker durch? Es wird doch immer hervorgehoben, dass bei dieser Arbeitsweise im Vergleich zum herkömmlichen Modell Zeit und Geld gespart wird.
Elmer: Das herkömmliche Modell hat inhaltliche Vorteile. Eine Fassade mit allen Schnittstellen zu den angrenzenden Gewerken sauber zu entwickeln, erfordert viel Know-how und ein tiefes Verständnis des Bauens. Zudem handelt es sich um einen eingespielten Prozess. Ein weiterer Vorteil ist die Vergleichbarkeit der Angebote: Wenn alle auf derselben Grundlage kalkulieren, lassen sich die Offerten monetär gut miteinander vergleichen.
Gleichzeitig beobachten wir in der Schweiz ein zunehmendes Interesse an Direktvergaben und sogenannten Werkgruppen. Dabei bindet beispielsweise ein General- oder Totalunternehmer die ausführenden Unternehmen bereits sehr früh ein, und man entwickelt ein Projekt beziehungsweise gewinnt einen Wettbewerb gemeinsam. Dieses Modell gewinnt an Bedeutung.
metallbau: Was spricht für die frühzeitige Einbindung der ausführenden Unternehmen?
Elmer: In der Vorplanungsphase verstreicht häufig sehr viel Zeit, sodass am Ende für die Ausführung weniger Zeit bleibt. Je früher die ausführenden Unternehmen am Tisch sitzen, desto früher können konkrete Lösungen entwickelt werden. Dadurch kann das Gebäude schneller fertiggestellt werden. Ich möchte dabei aber die Rolle der Fachplanung nicht kleinreden. Gerade bei der Qualitätskontrolle und beim Wettbewerb technischer Lösungen kann sie sehr wertvoll sein.
metallbau: Welche Fassadentypen sind derzeit besonders gefragt?
Elmer: Wir beobachten momentan einen Trend weg von der über viele Geschosse hochgezogenen Ganzglas-Elementfassade. Eine größere Nachfrage gibt es hingegen beispielsweise bei Fensterbändern, Pfosten-Riegel- oder Elementfassaden in Kombination mit Brüstungen und opaken Bauteilen. Diese opaken Flächen werden zunehmend technisch aktiviert, derzeit insbesondere mit Solarpanels. Wir sehen also tendenziell weniger Nachfrage nach reinen Ganzglas-Fassaden und mehr nach Kombinationen aus Fensterbändern und hinterlüfteten Konstruktionen.
metallbau: Und aus welchem Land spürt der Schweizer Fassadenbau den stärksten Wettbewerbsdruck?
Elmer: Tendenziell würde ich Deutschland nennen.
metallbau: Können Effizienzgewinne durch Künstliche Intelligenz künftig wieder für lukrativere Margen im Metall- und Fassadenbau sorgen?
Elmer: Momentan beobachten wir eher eine gegenläufige Bewegung: Der Kostendruck steigt. Bauherren und Investoren achten wieder stärker auf die Kosten, es wird günstiger geplant und intensiver verglichen. Mittelfristig oder langfristig könnte eine Konsolidierung im Fassaden- und Metallbau dazu beitragen, dass der Preisdruck nachlässt. Kurzfristig erwarte ich das aber nicht. Das Auftragsvolumen in der Schweiz ist konstant. Damit stehen wir besser da als viele andere Länder.
Effizienzgewinne sind ein zweiter Faktor für höhere Margen. Ein Unternehmen kann sie entweder für sich behalten oder über niedrigere Preise an den Markt weitergeben, um weitere Aufträge zu gewinnen. Gerade Unternehmen, die stark unter Auslastungsdruck stehen, agieren teilweise mit erheblichem Kostendruck. Zusätzlich verschärfen Wettbewerber aus dem Ausland die Marktbedingungen.
metallbau: Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz inzwischen bei der Aepli AG?
Elmer: Wir haben verschiedene Berührungspunkte mit KI und intern Teams gebildet, die sich mit Automatisierungslösungen beschäftigen. Der Einstieg erfolgt bei einfacheren administrativen Tätigkeiten, bei denen KI unterstützen oder einzelne Arbeitsschritte übernehmen kann. Mittlerweile entwickeln wir auch Anwendungen für die Kalkulation, die Projektabwicklung, die Arbeitsvorbereitung und die Schnittstelle zwischen Büro und Produktion. Auch KI-unterstütztes Wissensmanagement ist ein wichtiges Thema.
metallbau: Haben Sie dafür eigens KI-Spezialisten eingestellt?
Elmer: Es ist eine Kombination aus internen Mitarbeitenden und neu hinzugekommenen Experten. Interessant ist gerade bei KI, dass sich motivierte Mitarbeitende viele Fähigkeiten selbst aneignen können. Man muss dafür nicht zwingend ein ausgewiesener IT-Experte sein.
metallbau: Ihr neuer Unternehmensstandort wurde intensiv publiziert. Was wollten Sie mit der technisch außergewöhnlichen und augenfälligen Architektur des Betriebsgebäudes abbilden, welche Referenz für den Fassadenbau ist Ihnen wichtig?
Elmer: Wir haben drei Baukörper realisiert: ein Bürogebäude und zwei große Produktionshallen. Die Hallen sind durch ein großes Glasdach miteinander verbunden; der dazwischenliegende Bereich dient als Logistikzone.
Beim Bürogebäude haben wir unter anderem von uns entwickelte Bauteile wie unsere Aepli-Air-Control-Fassade eingesetzt. Besonders wichtig war uns aber die Verbindung von Gebäudegeometrie, Gebäudehülle und Energie. Mit einfachen architektonischen Maßnahmen konnten wir den Energieeintrag in das Gebäude deutlich reduzieren. Die Geschosse werden nach oben jeweils etwas größer, außerdem gibt es Auskragungen im Brüstungsbereich von etwa 25 bis 40 Zentimetern. Durch diese Geometrie lässt sich der solare Energieeintrag reduzieren. Hinzu kommen große Oberlichter sowie Photovoltaikflächen sowohl an vertikalen Fassadenflächen als auch auf dem Dach. Aktuell ergänzen wir die Anlage noch um einen großen Batteriespeicher.
metallbau: Wie sieht die Energiebilanz der Aepli AG aus?
Elmer: Unsere Photovoltaikanlage erzeugt, über das Jahr betrachtet, mehr Energie, als wir am Standort selbst benötigen. Von der produzierten Energie benötigen wir nur rund 35 Prozent fürs Unternehmen; der übrige Anteil wird als Überschuss ins Netz eingespeist.
metallbau: Und weshalb investieren Sie nun noch in einen Batteriespeicher?
Elmer: Es stellt sich zunehmend die Frage, zu welchem Zeitpunkt welche Vergütung für eingespeisten Strom erzielt wird. Gerade um die Mittagszeit kann viel Energie vorhanden sein. Mit dem Speicher können wir Energie zunächst speichern und sie später ins Netz einspeisen, wenn der Bedarf und die Vergütung höher sind. Die Installation des Speichers wird in diesem Jahr abgeschlossen.
metallbau: Die neue EU-Bauproduktenverordnung sorgt in der Branche für Diskussionen. Wie beurteilen Sie die Entwicklung?
Elmer: Wir wissen, dass die Anforderungen schrittweise und abhängig von den jeweiligen Produktgruppen eingeführt werden und dass damit erheblich mehr Aufwand für Dokumentation und Nachweise verbunden sein wird.
Aus der Schweiz schauen wir zwar mit etwas Distanz darauf, zurücklehnen können wir uns aber nicht. Bei einzelnen Projekten erfüllen wir bereits heute Anforderungen, die in eine ähnliche Richtung gehen – beispielsweise, wenn die Herkunft von Materialien für bestimmte Bauherren lückenlos nachgewiesen werden müssen. Grundsätzlich halte ich es für sinnvoll, ein Produkt und die Herkunft seiner Materialien zu kennen. Kritisch sehe ich allerdings die Frage der Verhältnismäßigkeit: Wie viel zusätzliche Bürokratie entsteht und welcher tatsächliche Nutzen steht dem gegenüber?
metallbau: Arbeiten Sie bereits mit digitalen Produkt- oder Materialpässen?
Elmer: Bei einzelnen Produkten können wir Materialien bereits digital nachweisen. Für komplette Systeme haben wir momentan noch keine durchgängigen digitalen Produktpässe. Wir berücksichtigen das Thema allerdings bereits bei der Weiterentwicklung unserer IT-Systeme. Ich bin überzeugt: Unabhängig davon, wie man die Entwicklung bewertet – diese Anforderungen werden kommen.
metallbau: Und wie beurteilen Sie den Wettbewerb zwischen Holz und Metall, insbesondere vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeitsdiskussion?
Elmer: Es gibt für Stahl, Aluminium und Holz jeweils sinnvolle Anwendungsbereiche. In der Schweiz gibt es derzeit Verordnungen und weitere Bestrebungen, die den Einsatz von Holz in bestimmten Bereichen fördern.
Gleichzeitig rückt bei metallischen Werkstoffen stärker ins Bewusstsein, dass sie sehr gut in Kreisläufen geführt werden können. Stahl oder Aluminium werden über eine lange Lebensdauer genutzt, anschließend zurückgebaut und im Idealfall wieder in den Materialkreislauf eingespeist. Es können daraus erneut Profile für Fenster und Fassaden entstehen.
Auch Materialdatenbanken und Urban Mining werden wichtiger. Wenn wir künftig genau wissen, welche Materialien in einem Gebäude verbaut sind, können sie nach dem Rückbau gezielter in Kreisläufe zurückgeführt werden. Diese Entwicklung kommt dem Metallbau zugute.
Ich sehe Holz und Metall nicht grundsätzlich im Wettbewerb, beide haben ihre Berechtigung. Entscheidend sollte sein, welches Material an welcher Stelle ressourcenschonend eingesetzt werden kann, eine lange Lebensdauer erreicht und sich am Ende möglichst gut demontieren und wieder in einen Kreislauf zurückführen lässt.
metallbau: Verarbeitet die Aepli AG auch Holz?
Elmer: Ja. Wir haben beispielsweise Projekte mit Holz-Elementfassaden beziehungsweise Fassaden mit Bauteilen in Holzausführung realisiert. Teilweise arbeiten wir dabei mit Lieferanten oder Subunternehmen zusammen, teilweise werden Holzelemente bei uns in der Fertigung produziert und vorkonfektioniert. Nur weil ein Betrieb in erster Linie Projekte mit Metall umsetzt, bedeutet das nicht, dass er nicht auch mit Holz arbeiten kann.
metallbau: Kann eine differenziertere Nachhaltigkeitsbewertung die Position von Metall künftig stärken?
Elmer: Die Bewertungsgrundlagen dafür, was als nachhaltig gilt, sind derzeit teilweise unausgewogen – insbesondere hinsichtlich der Lebensdauern, die für Berechnungen angesetzt werden. Durch Aufklärungsarbeit, aber auch durch realistischere Lebensdauerwerte gemäß wissenschaftlichen Studien wird sich aus meiner Sicht in der Bewertung noch einiges verändern. Das dürfte tendenziell positiv für Metall sein.
metallbau: Mit wie vielen Mitarbeitenden sind Ihre Unternehmensbereiche Büro, Produktion und Baustelle besetzt?
Elmer: Von unseren 250 Mitarbeitenden sind knapp 100 im Büro tätig, etwa 90 in der Produktion und rund 60 auf den Baustellen. Aktuell erreichen wir eine Ausbildungsquote von ca. 9 %, unser Ziel liegt bei 15 %. Der handwerklich ausgebildete Nachwuchs für den Metallbau ist uns sehr wichtig. Das Handwerk zu stärken und in eine gute Ausbildung junger Menschen zu investieren, halte ich für sehr wichtig. Gerade administrative und klassische Bürotätigkeiten werden sich durch KI stark verändern. Handwerkliche Fähigkeiten werden dagegen auch in Zukunft benötigt. Deshalb muss diese Berufssparte gesellschaftlich mehr wertgeschätzt werden.
metallbau: In welchen Berufen bilden Sie aus?
Elmer: Wir bilden Metallbauer (EFZ), Metallbaupraktiker sowie Konstrukteure (EFZ) aus. Weil wir unsere Ausbildungsquote deutlich steigern möchten, werben wir aktuell auf diversen Kanälen um Nachwuchs. Je bedeutsamer KI für die Wirtschaft wird, umso besser werden die Chancen für das Handwerk.
metallbau: Warum fällt es der Branche so schwer, genügend Nachwuchs für eine handwerkliche Ausbildung zu gewinnen?
Elmer: Es geht um die Attraktivität und Wahrnehmung dieser Berufe – und das ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Wir müssen handwerkliche Berufe stärker sichtbar machen und zeigen, welches Potenzial und welche Zukunftsaussichten darin liegen. Daran sollten sich aus meiner Sicht sowohl die Unternehmen und die Schulen als auch jeder Einzelne beteiligen. Berufswahl entsteht schließlich häufig durch Gespräche mit den Eltern, mit Freunden oder in der Schule.
