Interview

André Langer, Husemann & Hücking

„Hochwasserschutz ist Markt für Metallbauer!“

Hochwasserschutz ist ein Thema mit Zukunft. André Langer, verantwortlich für Vertrieb und Marketing bei Husemann & Hücking in Iserlohn, ist überzeugt, dass dem Metallbauer ein einträgliches Geschäft mit Alleinstellungsmerkmalen winkt. Vor allem, weil es wenige Schutzsysteme aus Stahl gibt und diese aus den kaltgewalzten Spezialprofilen individuell gefertigt werden können.

metallbau: WP WASTO heißt Ihr Hochwasserschutzsystem für Gebäude. Was ist das Besondere daran?

André Langer: Es ist aus bandverzinktem Stahl, hat filigrane Profile, besteht nur aus wenigen Systembauteilen, ist sehr stabil und zudem preiswert. Wir haben das System unter dem Eindruck des Hochwassers an der Elbe im Jahr 2002 entwickelt und waren damals gefühlt der einzige Hersteller weltweit mit einem Schutzsystem aus Stahl für Gebäude.

metallbau: Ich nehme mal an, dass dies heute anders ist?

Langer: Heute gibt es einige mehr, ich schätze die Zahl der Systemanbieter weltweit auf sieben bis acht. Der Markt hat sich weiterentwickelt und das Thema Hochwasserschutz kommt immer mehr ins Bewusstsein. Es gibt ja auch bereits Fachmessen wie die Acqua Alta in Essen.

metallbau: Das klingt trotzdem nach Nischendasein.

Langer: Also es gibt weitaus mehr als acht Hersteller für Hochwasserschutzsysteme. Man unterscheidet zwischen reinem Gebäudeschutz und sogenannten Dammbalkensystemen z.B. für Flussufer. Die meisten Systeme für den Gebäudeschutz sind aus Aluminium. Wir kommen aber aus dem Kaltwalzbereich und verarbeiten Stahlbänder mit Dicken bis zu 8 Millimeter. Das heißt, wir sind ein klassischer Industriebetrieb, beschäftigen rund 60 Mitarbeiter und machen ca. 32 Millionen Euro Umsatz mit unterschiedlichsten Profilen und Rohren sowie einem Türsystem. Und das erklärt Ihre Frage. Für Stahlprodukte benötigt man große Fertigungslose, denn die Grundinvestitionen in Maschinen und Werkzeuge sind hoch und man muss ganze Coils einkaufen. Alu-Presslinge kann man schon in Losgrößen von 500 Kilogramm strangpressen. Und so sind die meisten Mitbewerber im Aluminiumbereich unterwegs, und zwar mehr aus der Not geboren.

 

metallbau: Worin bestehen also die Vorzüge eines Stahlsystems gegenüber einem Alusystem?

Langer: Wie gesagt, es ist sehr stabil und dadurch können auch die Profile filigraner ausgearbeitet werden als bei Aluminium. Vorteilhaft ist das vor allem für die seitlichen Aufnahmeprofile der Lamellen, die sehr schlank sein können. Bei uns sind das Zahnschienen. Und somit ist das WP WASTO-System auch für Häuser im Denkmalschutzbereich interessant oder wenn die Hochwasserschutzsysteme am Gebäude nicht immer vollständig abmontiert werden sollen. Denn wer in der Nähe von Gewässern wohnt, richtet sich in der Regel auf die ständig drohende Gefahr ein.

metallbau: Für welche Gebäudeöffnungen ist WP WASTO ausgelegt?

Langer: Es können bis zu 4 Meter in der Breite bei einer maximalen Wasserhöhe bis 60 Zentimeter abgedichtet werden. Bei höherem Wasserpegel werden Zwischenpfosten gesetzt. Das heißt, für Wasserhöhen bis 1,20 Meter verbaut man dann 2 x 2 Meter.

metallbau: Wie berechnen Sie, ob die Schutzwände dem Druck der Wassermassen standhalten werden? Gibt es Normen oder Vorgaben für die Dimensionierung?

Langer: Mir sind keine speziellen Prüfnormen in der EU bekannt. Wir haben WP WASTO deshalb sowohl bei der Universität Siegen als auch beim Prüfzentrum für Bauelemente pfb Rosenheim testen lassen. Es ging um die Profilstabilität bei einem bestimmten Wasserdruck und um Resttropfmengen. Denn kein System ist zu 100 % dicht, es gibt immer eine minimale Leckmenge. Bauelemente für den Hochwasserschutz können niemals für eine kommende Naturkatastrophe dimensioniert werden. Man operiert da mit Erfahrungswerten und Abschätzungen. In einem solchen Verteidigungsfall kennt man vorab weder die Fließgeschwindigkeiten noch die Materialien und Gegenstände, die durch das Wasser gegen die Absperrungen geschleudert werden. Von daher ist es schwierig.

metallbau: Wer haftet dann, wenn ein vom Metallbauer installiertes Hochwasserschutzsystem im Einsatz versagt?

Langer: Hier muss man einiges auseinanderhalten, nämlich das System an sich, die Befestigungstechnik und die Gegebenheiten am Gebäude. Für den Metallbauer gibt es dazu in unserer Montageanleitung ausführliche Aussagen, worauf er zu achten hat und dass man gegebenenfalls einen Statiker hinzuziehen muss. Die Befestigungsart ist beispielsweise nach dem Mauerwerk, der Isolierung und dem Ort auszuwählen. Bei Naturkatastrophen haftet grundsätzlich der Eigentümer oder seine Versicherung. Durch vorbeugende Maßnahmen am Gebäude kann er den Schutz seines Eigentums aber erhöhen. Wichtig zu wissen: Der Metallbauer ist rein rechtlich gesehen im Katastrophenfall nicht haftbar zu machen.

metallbau: Was empfehlen Sie dem Metallbauer, wenn er sich im Segment Hochwasserschutz positionieren will?

Langer: Generell frage ich mich, warum meistens erst während oder nach einer Katastrophe reagiert wird und nicht bereits vorbeugend. Für Metallbauer gibt es hier die Möglichkeit, ein langfristig gutes Geschäft anzukurbeln, was sowieso in seinen Kompetenzbereich fällt. Es verschafft ihm Alleinstellungsmerkmale und gibt gleichzeitig Synergien. Unser System kann er fertig konfektioniert beziehen. In der Regel kauft er aber die WP WASTO-Profile und sämtliches Zubehör über Stahlgroßhändler wie Carl Spaeter, Klöckner Stahlhandel oder Drösser Stahlhandel ein, fertigt individuell in der Werkstatt und montiert das System beim Kunden. Das ist am wirtschaftlichsten.

www.husemannhuecking.de

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