Marktpotenzial

Brücken in der Schweiz

Das Stahlbauzentrum Schweiz informiert

Patric Fischli-Boson, Geschäftsleiter Stahlbau Zentrum Schweiz (SZS) in Zürich, gibt eine Einschätzung zum Segment Brückenbau.

„Die Schweiz hat aufgrund ihrer gebirgigen Landschaft sehr viele Brücken. Die Brücken der Bahn sind häufig eine Kombination aus genieteten Fachwerkträgern mit großen Spannweiten, die auf gemauerten Stützen gelagert sind. Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war dies die gängige Bauweise. In den 1930er Jahren kam der Stahlbetonbau auf und ist seitdem in der Schweiz vorherrschend. Das betrifft vor allem die Straßen- und die Bahnbrücken. Heutzutage sind etwa 85 % der Brücken aus Massivbau und 15 % aus Stahl oder Stahlbetonverbund. Nur in der französisch sprechenden Westschweiz gibt es eine Spezialität: Da sind sehr viel mehr Brücken aus Stahl als in der Deutschschweiz. Das hat mit der dortigen Hochschule zu tun, wo Stahlbau intensiv gelehrt wurde und die Absolventen das dann umgesetzt haben. In den letzten vier Jahren wurden ziemlich viele der Stahlfachwerkbrücken der Bahn mit einem neuen Korrosionsschutzanstrich saniert. Die über 100 Jahre alten Konstruktionen funktionieren weiterhin noch relativ gut. 

Bei Fußgänger- und Wegbrücken ist der Stahlbau ebenfalls gut vertreten, aber es ist eine Nische. Auch aus Holz wird gebaut. Früher wurden die Holzbrücken wegen der Witterung eingehaust. Bei modernen Brücken muss daher auf bestimmte Konstruktionsdetails geachtet werden, damit sie nicht so schnell verrotten. Aluminium ist bei uns als Brückenbaustoff vernachlässigbar, vielleicht wegen des Preises oder der Weichheit des Materials.

Wenn neue Brücken gebaut werden, dann überwiegend im Stahlbetonverbund, selten sind es reine Stahlbrücken. Aber der Boom der 1960er Jahre ist vorbei. Es wird viel saniert und unterhalten. Und es ist eher der Unterhalt, der das Geld bringt. Allerdings sind viele Projekte logistisch aufwendig, da man bei Brückensanierungen nicht monatelang die Straße sperren kann. Es muss also stets bei laufendem Betrieb gearbeitet werden. Und in der Schweiz sind die Zeitfenster dafür – vor allem jahreszeitlich bedingt – stark begrenzt, insbesondere in den höheren Bergregionen. Vorteilhaft ist deshalb auch immer ein hoher Vorfabrikationsanteil, was bei den Stahlbetonverbundbrücken der Fall ist. Stahlbrücken sind unter diesem Gesichtspunkt am effektivsten.

Und noch einen großen Unterschied zwischen Straße und Bahn gibt es: Straßenbrücken haben im Gegensatz zu Bahnbrücken das Problem des Chlorideintrages. Das Salzen im Winter ist Gift für die Konstruktion, ganz gleich ob Stahlbetonverbund- oder reine Betonbrücken. Die Verschleißschicht muss nach 20 bis 25 Jahren wieder ersetzt werden. Außerdem haben viele Straßenbrücken aus Beton ein Schubproblem. In diesen Fällen muss im Bereich des Auflagers verstärkt werden. Diese Problematik gibt es im Bereich der Stahlbetonverbundbrücken weniger. Ursache sind die hohen Verkehrslasten.“

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