Ein Weg zur EN 1090

ZDH-Zert beschäftigt 20 Inspektoren

ZDH-Zert in Bonn ist eine akkreditierte und notifizierte Zertifizierungsstelle für die DIN EN 1090. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen 150 Verfahren bis dato in Bearbeitung und über 100 Metallbaubetriebe zertifiziert. Karl Deppe in Bielefeld war eines der ersten Unternehmen. metallbau hat mit dem Geschäftsführer Martin Deppe gesprochen.

Bei ZDH-Zert stecken derzeit über 20 Begutachter – sogenannte Inspektoren – bis über beide Ohren in Arbeit. Ab Juli gibt es für Metallbaubetriebe an der DIN EN 1090 kein Vorbeikommen mehr – zumindest kein offizielles. Die Schätzungen, wie viele Unternehmen trotz nahender Deadline noch nicht zertifiziert sind, fallen ganz unterschiedlich aus. Nach Ansicht von Dipl.-Ing. Andreas Otte sind bundesweit erst 10 % der betroffenen Betriebe zertifiziert. Der Leiter der Zertifizierungsstelle findet: „Den Betrieben werden zwar die Probleme im Kontext der DIN EN 1090 dargelegt, jedoch wird zu wenig auf Lösungswege hingewiesen. Mancher Geschäftsführer verfällt deshalb in eine Art Angststarre anstatt zu handeln.“ Abwarten kann allerdings nur die Devise derer sein, die sich über die Bedeutung der Zertifizierung nicht im Klaren sind.

Die Angaben über die Dauer des Prozedere reichen von vier Wochen bis über zwei Monate. „Mancher ein Betrieb ist in vier Wochen mit der Vorbereitung auf die Prüfung durch, der Andrang vor Juli wird die Abläufe sicher noch beschleunigen“, informiert Otte. Von einer Art „Fixzertifizierung“ nimmt der Leiter der Zertifizierungsstelle Abstand. „Damit würden wir gegen die Forderung der DIN EN ISO/IEC 17065 hinsichtlich der Nicht-Diskriminierung von Kunden verstoßen.“

Zertifizierung sichert Betriebsexistenz. Das Metallbauunternehmen Karl Deppe in Bielefeld hat seit August 2012 die Zertifizierung für die DIN EN 1090. Die Inspektoren von ZDH-Zert haben den Betrieb als einen der ersten für EXC2 geprüft. Geschäftsführer Dipl. Betriebswirt Martin Deppe findet nicht, dass er früh dran war. „Wir hätten die Anforderungen der öffentlichen Auftraggeber sonst nicht erfüllen können.“ Etwa ­20–30 % des Umsatzes betreffen Projekte, die nach der DIN EN 1090 ausgeführt werden sollen – vor allem Fluchttreppen, Vordächer und Dachkon-struktionen.

Die Vorgaben der Norm bieten nicht nur für die Auftraggeber Vorteile. Der Unternehmer betont: „Die Norm und ihre Umsetzung stabilisiert die betrieblichen Arbeitsprozesse, vor allem hinsichtlich eines gleichbleibend hohen Qualitätsniveaus.“ Dieses wird vor allem durch die werkseigene Produktionskontrolle gewährleistet, die Bestandteil der Norm ist. Falls dennoch ein Fehler passiert, lässt sich dieser aufgrund der durchgängigen Dokumentation schnell finden und beheben. „Dank DIN EN 1090 haben wir erstens weniger Reklamationen und zweitens bereiten sie weniger Aufwand“, so Deppe. Stabilität und Kostentransparenz sind die Vorzüge der DIN EN 1090 für die Unternehmen. „Nachverhandlungen für einen Auftrag lassen sich auf Basis dieser Unterlagen schlüssiger argumentieren und so leichter durchsetzen.“

Professionelle Unterstützer. Nach einem Vergleich kostenpflichtiger und kostenfreier Angebote hat sich Deppe für den Vorbereitungskurs der HWK Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld entschieden. Der Kurs hat mit ca. 300 Euro zu Buche geschlagen. „Die Veranstaltungen waren professionell und die Unterstützung trug konkret zur Umsetzung bei“, berichtet Deppe. Damit meint er in erster Linie die Erstellung und Anpassung eines Handbuchs abgestimmt auf das Leistungsprofil des Unternehmens. „Wer hier vorher genau arbeitet und Unrelevantes aussortiert, hat später im Arbeitsalltag viel Zeit und Nerven gespart“, weist er hin. Im Arbeitsablauf macht es einen Unterschied, ob drei Formblätter auszufüllen sind oder zunächst zwölf Papiere auf relevante Fragen hin gesichtet werden müssen. „Letztere Variante hält auf und sorgt jedes Mal neu für Unmut“, weiß Deppe. Die Integration der notwendigen Formulare ins betriebseigene Warenwirtschaftssystem hat er selbst vorgenommen. Inzwischen halten die Softwareentwickler der Branche einschlägige Updates vor. Den Zeitaufwand für die Teilnahme am Vorbereitungskurs, das Erarbeiten der Dokumentation und die Einführung der WPK beziffert Deppe mit ca. 90 Stunden. Summa summarum hat die Umsetzung zur Zertifizierung für den Geschäftsführer sechs bis acht Wochen in Anspruch genommen.

Mit der Neustrukturierung der Betriebsabläufe und der Einführung der Dokumentation ist ein wesentlicher Teil der Vorbereitung erledigt, ein weiterer Bereich betrifft die Qualifikation der Mitarbeiter. Aufsicht über die WPK und die Schweißer führt nach der DIN EN 1090 der Schweißfachmann. Diese Weiterbildung hat bei Deppe ein Metallbaumeister absolviert. Der Geschäftsführer schätzt die Kosten dafür auf ca. 7.000 Euro (Kursgebühren + Arbeitszeitausfall). Darüber hinaus hat er ca. 1.200 Euro für die Schulung zweier Schweißer gezahlt (inklusive Arbeitszeitausfall).

Fazit. Martin Deppe kann den Wirbel um die Zertifizierung nach DIN EN 1090 nicht ganz nachvollziehen. Seiner Erfahrung nach regelt die Norm „Anforderungen, die für eine sachgemäße Leistung notwendig sind und damit auch in vielen Betrieben erfüllt werden“. Auch die Überwachung, die turnusgemäß innerhalb eines Jahres stattfinden soll, hält er für machbar. Insgesamt müssen die Unternehmer dafür etwa einen Tag Zeit investieren und mit Kosten zwischen 1.000 und 1.500 Euro rechnen.⇥ma ◊

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