Interview

Lara Marwinski-Eich, GF von Norma

„Die Potenziale von S355 werden nicht erkannt.“

Über das Marktpotenzial Hallenbau sprach die Redaktion metallbau mit der Geschäftsführerin Lara Marwinski-Eich von Norma Stahlbau aus dem nordrhein-westfälischen Geldern. Der nach DIN EN 1090 zertifizierte Betrieb deckt mit der Materialbeschaffung, der Fertigung und der Montage das gesamte Spektrum eines Stahlbauunternehmens ab.

metallbau: Frau Marwinski-Eich, welche aktuellen Entwicklungen im Hallenbau-Markt können Sie erkennen?

Lara Marwinski-Eich: Unserer Erfahrung nach ist der Trend der Vergabe von Leistungspaketen, insbesondere in der Fertigung, in das osteuropäische Ausland rückläufig. Die Hintergründe dazu sind sicherlich individuell zu sehen, jedoch spielen sich angleichende Lohnkosten, zusätzliche Aufwendungen für Logistik und die Sicherstellung der Qualitätsanforderungen eine nicht unerhebliche Rolle. Hinsichtlich der Größen und Bauweisen der Hallen lassen sich aufgrund der individuellen Anforderungen der Bauherren keine echten Trends erkennen. Baukastensysteme sind natürlich wünschenswert und bringen Kostenvorteile, jedoch lässt sich dies aufgrund der hohen Individualität des jeweiligen Bauvorhabens nicht immer umsetzen. Mit Blick in die Details der Konstruktionen ist bei Kleinteilen in den letzten Jahren ein Trend, hin zu Brennteilen anstatt der Nutzung von Standarddimensionen von Flacheisen zu erkennen. Wo in der Vergangenheit auf das nächst- größere Standardprofil zurückgegriffen wurde, werden heute die errechneten Maße übernommen.

metallbau: Was ist der Grund dafür?

Marwinski-Eich: Als Hintergrund lässt sich hier sicherlich der demografische Wandel im Bereich der verantwortlichen Konstrukteure, sowie die zunehmende Nutzung von automatisierten CNC-Fertigungsmaschinen in der Kleinteilproduktion nennen. Im Hinblick auf die geltende Gesetzgebung stellen wir noch immer fest, dass noch lange nicht flächendeckend die gültige DIN EN 1090 zur Anwendung kommt. Hier besteht sowohl im Hinblick auf die Umsetzung der Richtlinie in den Betrieben als auch bei der Etablierung einer entsprechenden Kontrollinstanz bspw. in Bauämtern, aber auch auf Kundenseite, Nachholbedarf.

metallbau: Sehen Sie eine Zunahme des Einsatzes der Stahlsorte S355 im Vergleich zu S235?

Marwinski-Eich: Eine echte Trendwende lässt sich aus unserer Sicht nicht erkennen. Die Nutzung von S235 überwiegt in unserer Fertigung. Im Hinblick auf den Anteil von S355 bewegen wir uns in einem kleinen, zweistelligen Prozentbereich, bezogen auf die verarbeiteten Tonnagen in unserem Haus. Der Hintergrund des nur geringen Anteils ist schwer zu qualifizieren. Etwaige wirtschaftliche Vorteile werden entweder aus Zeitgründen nicht betrachtet, oder entsprechende Potenziale werden nicht erkannt.

metallbau: Wie wichtig sind BIM-basierte Planungsmethoden?

Marwinski-Eich: Neben den klassischen CAD-Anwendungen findet sich BIM selbstverständlich auch im Stahlbau wieder. Werden die Tools richtig genutzt, kann auch der Stahlbau an dieser Stelle profitieren. Eine gute Ausbildung der Konstrukteure an den jeweiligen Tools, gepaart mit der entsprechenden Erfahrung im Umgang ist hier jedoch entscheidend.

metallbau: Welche Voraussetzungen muss ein Stahlbaubetrieb erfüllen, um im Hallenbau erfolgreich zu sein?

Marwinski-Eich: Flexibilität, kurzfristige Reaktionszeiten auf Kundenanforderungen, Verlässlichkeit, Termintreue, Qualität und Ehrlichkeit sind aus meiner Sicht die wesentlichen Kernthemen. Wenn diese nachhaltig erfüllt werden, ergeben sich dauerhafte Partnerschaften mit Auftraggebern, auf die auch wir stolz sein dürfen. Das Ganze gepaart mit einem motivierten, engagierten Team, welches insbesondere in einer Zeit, in der das Handwerk wieder an Bedeutung und Ansehen gewinnt, stolz auf seine Arbeit sein kann und auch ist, verschafft einem die besten Chancen, sich an guten Zeiten zu erfreuen sowie herausfordernde Zeiten zu meistern. Gerade auf mein Team bin ich besonders stolz und möchte mich auf diesem Weg auch noch mal öffentlich für den Einsatz bedanken.

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