Marktübersicht

Gläser für Sonnenschutz

Sonnenschutzgläser werden vorwiegend für großflächige Verglasungen im Objektbereich eingesetzt. Mit innovativen Beschichtungstechnologien können die strahlungsphysikalischen Parameter derart konfiguriert werden, dass hochwertige und individuell auf die klimatischen Anforderungen abgestimmte Verglasungen machbar sind. Die Marktübersicht stellt acht Hersteller mit 36 Gläsern vor. Die Tabelle finden Sie in der Printausgabe vom November und im digitalen Archiv.

„Visionäre Architektur setzt Hightech-Gläser voraus, die die stetig steigenden energetischen und ästhetischen Anforderungen an die Gebäudehülle erfüllen. Dies gilt besonders für den transparenten Sonnenschutz: Denn im Sommer drohen enorme Kühl-, im Winter hohe Heizkosten“, fasst Marketingleiter Marc Everling von Interpane die aktuelle Situation des Marktes für Sonnenschutzglas zusammen. Lösungen bieten moderne Beschichtungstechnologien, mit denen komplexe Schichtsysteme auf die Glasoberflächen appliziert werden. Erst das veredelte Glas erweist sich als multifunktionales Spitzenprodukt, das die Überhitzung im Gebäude mindert und Heizenergie spart.

Trend: Hochselektive Gläser

Sonnenschutzgläser werden vornehmlich in öffentlichen und in Zweckgebäuden mit großen Glasflächen bzw. reinen Glasfassaden eingesetzt. Für Wohngebäude wären diese Gläser zu teuer, da sie in niedrigen Auflagen nicht wirtschaftlich produziert werden können. Hier greift man sinnvollerweise zum sogenannten Klimaglas.

Sonnenschutzgläser können unterschiedlichste lichttechnische und strahlungsphysikalische Eigenschaften nach EN 410 besitzen, die durch die Art und die Position der Beschichtung beeinflusst werden. Individuell wählbar sind beispielsweise der Gesamtenergiedurchlassgrad, der Lichttransmissionsgrad, der Strahlungstransmissionsgrad, der Lichtreflexionsgrad, der Strahlungsreflexionsgrad, der UV-Transmissionsgrad und die Farbe. Maßgebend für die spezifische Konfiguration sind aber auch regionale Unterschiede. In den USA dominiert die Privatsphäre. Hier werden deshalb auch bei Zweckbauten häufig platinfarbene oder spiegelnde Verglasungen verwendet. In Europa hingegen werden gern neutrale Verglasungen eingesetzt, die eine gute Farbwiedergabe haben und hoch transparent sind. Sie vermitteln Offenheit und Toleranz. Marc Everling berichtet: „Beliebt sind hier hochselektive Gläser mit Beschichtungen, die möglichst viel Tageslicht durchlassen und einen relativ hohen Sonnenschutz haben.“

Nischenprodukt: Elektrochromes Glas

Im Allgemeinen werden vorwiegend Standardprodukte mit Fixwerten eingesetzt. Zunehmend im Trend liegt jedoch der individuell skalierbare Sonnenschutz, der sich mit individuellen Beschichtungen nach kundenspezifischen Parametern im Coating-on-Demand-Prozess (CoD) oder auch mit elektrochromen Gläsern erreichen lässt. Mittels CoD können für Projekte ganz eigene Gläser konfiguriert und beschichtet werden.

„Darüber hinaus bieten wir im Bereich elektrochromes Glas mit Helio ein technologisch ausgefeiltes Produkt an, das sich mit Strom dimmen lässt“, so Everling. Im ausgeschalteten Zustand sieht es wie normales Fensterglas aus, mit 60 Prozent Tageslichttransmission. Seine spezielle Beschichtung färbt sich unter Anlegen einer geringen Gleichspannung fließend von grau bis schwarz ein. Elektrochrome Gläser erfordern eine spezielle Schalttechnik und sind teurer als normale Sonnenschutzgläser. „Von besonderem Vorteil ist, dass man sie an die Gebäudeleittechnik anschließen kann“, erläutert Everling. Zu den sogenannten intelligenten Sonnenschutzgläsern zählen neben den elektrochromen auch thermochrome Gläser, die ihre Lichtabsorption in Abhängigkeit von der einwirkenden Temperatur ändern.

Wärmedämm-, Klima- oder Sonnenschutzglas?

Wärmedämmgläser schirmen das Spektrum der Heizwärmewellen von innen nach außen ab, das heißt sie reflektieren die Wärme zurück in den Raum. Der Wärmeverlust ist gering. Klimaglas ist ein Begriff aus dem Endverbraucherbereich. Als solche werden günstige Isolierverglasungen mit Wärmedämm- und Sonnenschutzeffekt bezeichnet, die sowohl auf der Nord- als auch auf der Südseite eines Hauses eingesetzt werden können. Der notwendige Sonnenschutz wird meist durch zusätzliche, außenliegende Verschattungen unterstützt.

Sonnenschutzgläser hingegen haben die Aufgabe, das Wärme erzeugende Infrarotspektrum des Tageslichtes von außen abzuschirmen und zu reflektieren. „Sonnenschutzglas ist notwendig, ja sogar obligatorisch, wenn die Glasflächen groß sind und das Gebäude eine Klimaanlage benötigt“, erklärt Marc Everling. „Und je extremer das Klima, desto stärker wird man die Sonnenschutzbeschichtung einstellen.“ Wichtige Parameter sind der Wärmedurchgangskoeffizient, der Lichttransmissionsgrad und der Lichtreflexionsgrad, die entsprechend stufenlos skaliert werden können. In Regionen mit besonders starker Sonneneinstrahlung wird es sogar sinnvoll sein, das Glas zusätzlich einzufärben, um die Wärmestrahlung weitestgehend auszugrenzen. Eine Wärmedämmung durch Reflexion nach innen ist hier nicht sinnvoll.

Der Zeitgeschmack

Der anspruchsvolle Glasherstellprozess und die möglichen Varianzen der zahlreichen Parameter erklären, warum sehr spezielle Gläser teuer sind und auf große und besondere Architekturprojekte beschränkt bleiben. Die hauchdünnen, lichtdurchlässigen Beschichtungen werden entweder als Hard Coatings in die Scheibe pyrolytisch eingebrannt oder als Soft Coatings aufgedampft. Hard Coatings sind für die äußere Scheibe bestimmt, sind wetterfest und resistent gegen Putzmittel. Soft Coatings werden auf die Innenseiten, also die Scheibenzwischenräume, aufgebracht. Interpane verfügt, wie einige andere große Glashersteller auch, über eine Hochvakuum-Magnetron-Beschichtungsanlage für Soft Coatings. Hier werden einseitig und nacheinander mehrere Metall- oder Metalloxidschichten aufgetragen (gesputtert).

Über die Beschichtungsmaterialien ist auch die Ästhetik des Glases beeinflussbar. Heute sind Farbverfälschungen von innen nach außen unerwünscht, weshalb die Schichten möglichst neutral sind. Lediglich die Außenwirkung richtet sich nach den ästhetischen Vorgaben des Architekten. Aktuell liegen Platin- und Grautöne im Trend.

Den Wunsch nach individuellem Glas beantwortet Isolar Solarlux mit seiner Glasserie A auf eine neue Art und Weise. Trotz unterschiedlicher Werte in der Lichttransmission und im Gesamtenergiedurchlass sind die Gläser der Serie A farblich perfekt aufeinander abgestimmt und optisch einheitlich miteinander kombinierbar. Vorteil: Die vier Varianten sind innerhalb eines Gebäudes bedarfsgerecht einsetzbar. „Das macht Funktionalität und Gestaltung in bisher nicht gekannter Weise vereinbar“, stellt Hannes Spiß, Geschäftsführer der Isolar Glas Beratung, heraus. Gläser der D-Serie können außerdem optional vorgespannt werden.

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