Interview

Michael Winterhalter, BVM-Vize

„Mit dem Nachwuchs bleibt es schwierig!“

metallbau: Herr Winterhalter, zu Beginn erstmal eine Fangfrage! Meinen Sie, dass ein Metallbaumeister Chancen hat, einen Studienplatz für Medizin zu erhalten?

Michael Winterhalter: (überlegt ...) grundsätzlich bewerben kann er sich schon.

metallbau: Der Meisterbrief ist in allen Bundesländern der Allgemeinen Hochschulreife gleichgestellt. Das heißt, bei einem 1er Durchschnitt des Meisterbriefs ist davon auszugehen, dass er den Studienplatz angesichts eines NC von 1 erhält. Das Latinum ist schon lange keine Voraussetzung mehr. Obwohl Universitäten den Bildungsweg der Meister an die Hochschulen mit zusätzlichen Seminaren unterstützen, werden diese Chancen so gut wie nicht genutzt. Ist das eine Frage des Selbstbewusstseins der Handwerker oder der Bildung, die im Praxisfall der Gleichstellung nicht standhält?

Winterhalter: Ich habe da einen anderen Ansatz! Und ich tue mir schwer nachzuvollziehen, dass ein Metallbaumeister lieber Mediziner sein möchte. Das ist schließlich eine andere Berufung beziehungsweise Identität, in Einzelfällen mag es das geben.

metallbau: Gab es während der Corona-Zeit eine höhere Durchfallerquote bei den Abschlussprüfungen der Azubis?

Winterhalter: Nein, auch wenn die Ausbildung in der Corona-Zeit wegen der vielen virtuellen Einheiten nicht so effektiv war, gab es keine höheren Durchfallerquoten als sonst. Natürlich wurde der reduzierte Unterricht bei der Aufgabenstellung jeweils berücksichtigt. Und sicher mussten wir bei den Auszubildenden und Umschülern stärker darauf achten, dass sie nicht andere Hobbies am PC entwickeln. Der Nachwuchs in den Fortbildungskursen zum Techniker oder Meister ist hochmotiviert, daran ändert die Pandemie nichts.

metallbau: Inwiefern war der Kongress 2022 auf das Thema Fachkräftemangel abgestimmt?

Winterhalter: Das Thema war in allen Vorträgen präsent. Es dominiert unsere Bildungsarbeit, weil wir nach wie vor sehr starke Rückläufe bei den Azubizahlen haben. Und es werden in den nächsten Jahren sicher mehr qualifizierte Kräfte in Rente gehen als nachkommen. Wir versuchen mit allen Mitteln, Menschen für das Metallhandwerk zu gewinnen und für unseren Beruf zu begeistern. Dazu gehört es selbstverständlich, Migranten und Flüchtlinge gezielt für unsere Branche anzusprechen.

metallbau: Gibt es für Azubis Aussicht auf bessere Verdienstchancen? Wenn die Nachfrage höher ist als das Angebot ...?

Winterhalter: Die Vergütung ist Tarifsache und fällt in den Bundesländern unterschiedlich aus.

metallbau: Unterstützt es nicht eine qualifizierte Ausbildung, wenn immer mehr Betriebe Schweiß- oder Schleifarbeiten automatisieren und Azubis nicht mehr den ganzen Tag mit dem Winkelschleifer oder der Schweißmaschine arbeiten müssen?

Winterhalter: Ein Betrieb sollte Auszubildende sowieso grundsätzlich nicht über Gebühr für stereotype Tätigkeiten einsetzen, sonst bleibt eine sinnvolle Lehre auf der Strecke. Ich gehe auch davon aus, dass dies beim Großteil der Betriebe nicht der Fall ist. Wir kämpfen schließlich darum, den Nachwuchs für unser Gewerk zu begeistern und wollen die jungen Leute nicht frustrieren.

metallbau: Was kann die Branche bei der Werbung um den Nachwuchs noch optimieren?

Winterhalter: Zum einen sind die vielfältigen Tätigkeiten des Metallhandwerks zu wenig bekannt, zum anderen gilt es die Familien und die Lehrer stärker in die Berufsorientierung einzubeziehen. Sie können die jungen Leute bei der Suche nach einem geeigneten Beruf am besten unterstützen. Für Informationsgespräche über den Beruf des Metallbauers haben wir neu das digitale Padlet entwickelt, das wir über den Weg der Innungen Lehrern zur Verfügung stellen werden. Mit dem neuen Instrument können sich Schüler auf einfache, altersgemäße und strukturierte Weise über die verschiedenen Sparten des Metallhandwerks informieren.

www.lets-play-metal.de

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