Niebuhr Stahlglastechnik

Bilanz und Ausblick von Michael Niebuhr

Niebuhr Stahlglastechnik in Gardelegen beschäftigt 95 Mitarbeiter. Zum Portfolio gehören im Schwerpunkt Stahl-Glas-Brandschutztüren und Fassaden, die Kunden sind ausschließlich öffentliche Auftraggeber.

„Die Ausschreibungen der öffentlichen Hand sind generell rückläufig; der ausschlaggebende Grund dafür sind meiner Ansicht nach aber nicht die Preissteigerungen. Ich habe den Eindruck, dass neben der gedrosselten Geschwindigkeit der Projektabläufe in der Verwaltung, bei den Architekten sowie Bauleitern dies vor allen Dingen an der erzwungenen Trägheit durch Lieferengpässe und ganzheitlichen Firmenausfällen liegt. Auch die Vielzahl an Krankheitsausfällen bremst, die Verlagerung der Mitarbeiter ins Homeoffice verlangsamt die Projektabläufe. Es wäre eine wirtschaftliche Katastrophe für alle Firmen, wenn die öffentlichen Investitionen nun stagnieren oder sogar zurückgehen. Ich prophezeie, dass viele Firmen sich der Situation nicht stellen können oder wollen. Die dann (zwangsweise) geschlossenen Betriebe werden nicht mehr in der alten Form zurückkehren, da viele Kollegen keinen Handwerksbetrieb übernehmen oder gar gründen wollen. Es sind ernsthaft Existenzen in Gefahr! Jetzt wäre das ein oder andere Budget besser in Bauprojekte investiert als in fragwürdige Sicherungsmaßnahmen für Unternehmen, die schon vor Corona gekränkelt haben.

Preise & Lieferengpässe

Der Wettbewerb um öffentliche Aufträge wird erschwert von einem unterschwelligen Preiskampf. Dadurch, dass in den letzten Monaten die Preise in Gänze von fast jedem Lieferanten um ca. 5-19% erhöht wurden, fällt es schwer, die ehemals kalkulierten unternehmerischen, respektive finanziellen Auftragsziele auf Basis der bereits vereinbarten Verträge durchzusetzen. Es fällt auf, dass insbesondere wegen der mehr oder weniger ‚durchgereichten‘ Materialpreiserhöhung sehr viel Unsicherheit bei den öffentlichen Bauherren herrscht. Neben rechtlich diffusen Gemengelagen lähmt bei der öffentlichen Hand oftmals die Angst vor Entscheidungen den Fortgang der Baustelle. Mir ist unklar, wie es manche Kollegen schaffen, die ersten Plätze bei den Submissionen zu belegen, wenn gleichzeitig die erhöhten Materialpreise für eine offenkundige Unterdeckung des Projektes sorgen. Wir vereinbaren ständig unterschiedliche Vertragsmodelle für die Materialpreiserhöhungen, da es keine gelebte Grundlage gibt, auf die wir uns beziehen können. Die Stoff- und Lohngleitklauseln sind hierbei nicht praktikabel und haben sich nach meinem Dafürhalten nicht bei Verträgen mit KMUs etabliert. Trotzdem sind wir dankbar, dass wir für die öffentliche Hand arbeiten können/dürfen, da sich die Zahlungsmoral deutlich verbessert hat und die Aufträge vergleichsweise sehr gut abgewickelt werden können.

Beim Dauerthema Lieferengpässe haben wir Glück. Beim Werkstoff Stahl sind wir nahezu nicht betroffen. Qualitätsbedingt stammt ein Großteil der Komponenten unserer Türen und Fassaden aus Deutschland oder dem europäischen Umland.  Schlussendlich werben wir damit, dass wir unsere Elemente binnen fünf Wochen produzieren, was wir meistens auch schaffen.

Die Pandemie

Was Corona betrifft, achten wir stets auf die Hygienemaßnahmen und die auferlegten Pflichten. Dennoch mussten wir im Dezember unser zweites Produktionswerk aufgrund von 13 positiven Fällen für zwei Wochen schließen. Diese Situation hat einen Produktivitätsausfall erzeugt, den wir kompensieren müssen. Insofern ist das Resümee durchwachsen. Wir sind froh, dass unsere Kollegen die Digitalisierung so gut annehmen und im Homeoffice diszipliniert und lösungsorientiert arbeiten.

Ausblick

Im Jahr 2022 zielen wir auf eine Produktions- und Projektauslastung von min. 80% ab. Im vergangenen Jahr war dies nicht der Fall: Wir mussten zuschauen, wie sich ca. 75% unserer Aufträge um mindestens fünf Monate geschoben haben. Aktuell ist deshalb der theoretische Auftragsvorlauf weniger belastbar und zugleich verzögern sich Projekte durch Materialengpässe.

www.stahlglastechnik.de

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