Interview

Peter F. Rieland von Freyler

„Die Safeguard-Maßnahmen wirken.“

Fachautor Philipp Peters hat den Unternehmer Peter F. Rieland gefragt, wie die Entwicklung der Stahlpreise im Mittelstand ankommen und wie er die umstrittenen Safeguard-Maßnahmen der EU für die ausführenden Betriebe bewertet.

metallbau: Herr Rieland, wie viel Stahl hat Ihr Unternehmen im vergangenen Jahr verarbeitet?

Peter F. Rieland: Nimmt man Profil- und Blechstahl zusammen, waren es ungefähr 8.000 Tonnen.

metallbau: Und woher beziehen Sie Ihren Stahl?

Rieland: Teils von den Herstellern direkt, zum Beispiel von Salzgitter oder Arcelor Mittal. Teilweise aber auch über den regionalen und überregionalen Handel.

metallbau: Spielen dann internationale Verwerfungen, wie wir sie mit den von USA ausgelösten Sonderzöllen haben, überhaupt eine Rolle?

Rieland: Bei uns selbst nicht, weil wir ganz überwiegend in Deutschland hergestellten Stahl verarbeiten. Hin und wieder kommt es vor, dass unsere Händler den Stahl im Ausland beziehen. In diesen Fällen sind uns die Bezugspreise der Händler naturgemäß unbekannt.

metallbau: Wie haben sich die Preise also seit März 2018 entwickelt, als Trump die Strafzölle eingeführt hat?

Rieland: Stagnierend, eher mit leichten Tendenzen nach unten.

metallbau: Die Gegenmaßnahmen der EU, die Safeguard-Maßnahmen, haben für Sie also auch nichts verändert?

Rieland: Nein, überhaupt nicht. Allerdings sollen diese Maßnahmen ja auch gerade dazu dienen, trotz der Einführung des pauschalen Zolls in Höhe von 25 Prozent auf alle Stahlimporte in die USA, die dadurch befürchteten Handelsumlenkungen in den freien und ungeschützten Markt der EU abzufedern. Die Tatsache, dass wir als Verarbeiter keine Auswirkungen der Strafzölle spüren, spricht also dafür, dass die Safeguard-Maßnahmen Wirkung entfalten.

metallbau: Die Wirtschaftsvereinigung Stahl fordert ja, die Fünf-Prozent-Quote aus den Safeguard-Maßnahmen zu streichen. Die Begründung ist, dass diese den europäischen Stahlhandel gefährden würde. Können Sie das nachvollziehen?

Rieland: Aus Sicht des Stahlhandels, kann ich diese Forderung durchaus nachvollziehen. Für den Händler ist die Gefahr naheliegend, dass Stahl zu Dumpingpreisen auf den Markt kommt, wenn er aus Ländern kommt, die zum Beispiel ein anderes Lohngefüge und deutlich niedrigere Energiepreise haben als wir hier in Deutschland. Wir als Stahl verarbeitender Betrieb sehen es eher so, dass der Preisdruck, der auf den Handel entstehen könnte, sich für uns positiv auswirkt.

metallbau: Die Freyler Unternehmensgruppe ist in Baden-Württemberg zu Hause, hat aber auch Standorte in Berlin, Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und in der Schweiz. Gibt es da regionale Unterschiede, was den Stahlpreis angeht?

Rieland: Nein. In der Schweiz sind wir auch ausschließlich als Schlüsselfertigbau-Unternehmen am Markt. Stahlbau findet nur in Kenzingen, also in Baden-Württemberg, statt.

metallbau: Die Strafzölle sind medial ein großes Thema – auch wenn Sie jetzt sagen, dass es Sie gar nicht trifft. Führt das zu Vorbehalten gegenüber dem Baustoff?

Rieland: Überhaupt nicht. Freyler baut auch mit sämtlichen anderen Baustoffen, ob das nun Beton ist, Fertigteile, Holz oder eben Stahl. Wir setzen den Stahl da ein, wo es sinnvoll ist, wo es die Bauaufgabe erforderlich macht. Da gibt es andere Argumente, die in diesen Fällen für eine Stahlkonstruktion sprechen. Diese sind dann eher fachlich als preislich begründet.

metallbau: Nächstes Jahr steht in den USA die Präsidentenwahl an. Glauben Sie, dass sich dann die Möglichkeit bietet, den Handelskrieg aufzulösen, sollte es eine politische Veränderung geben?

Rieland: Ich weiß nicht, ob sich an der politischen Lage etwas ändert. Der US-Präsident wird im eigenen Land ganz anders gesehen als von Europa aus. Den Regierenden ist es durchaus gelungen, diese Maßnahmen in ihrem Land als positiv zu verkaufen, wenn sie aus unserer Sicht auch sehr unpopulär, ja in manchen Fällen auch nicht nachvollziehbar sind und meinem Wertesystem nicht entsprechen. Natürlich: Sollte ein liberaler Politiker die Wahl gewinnen, könnte das den Handelskrieg beenden, wenn man es denn einen Handelskrieg nennen will. Ob es so kommt, kann Ihnen vielleicht die Glaskugel sagen – ich nicht.

Peter F. Rieland, 49, ist einer von zwei geschäftsführenden Gesellschaftern der Freyler Unternehmensgruppe aus Kenzingen, Baden-Württemberg. 2011 hatten er und Stephan Theiß das Unternehmen übernommen. Freyler zählt zu den führenden Gewerbe- und Industriebauspezialisten im Südwesten. Neben dem Stammsitz in Südbaden gibt es  Niederlassungen in Riesa, Chemnitz, Leipzig, Berlin, Darmstadt, Karlsruhe, Stuttgart, Bergneustadt, Schwenningen und einen Standort in Olten, Schweiz. Die Unternehmensgruppe erlöst mit ihren 340 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 140 Millionen Euro.

www.freyler.de

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