Tobias Heine, Herrmann Selecta

„Die Marktbereinigung mildert den Auftragsrückgang ab“

Unternehmer Tobias Heine ist seit Oktober 2024 Geschäftsführer von Herrmann Selecta in Bitterfeld. Den Betrieb, der auf Wintergärten, Terrassendächer, Haustüren und Fenster spezialisiert ist, hat er im Jahr 2024 im Zuge einer Nachfolgeregelung gekauft. Gegründet wurde das Unternehmen 1991.

Das Umsatzjahr 2025 ist das erste, für das Tobias Heine eine Bilanz in seiner neuen Position als Geschäftsführer und Inhaber zieht. Heine beschäftigt zehn Mitarbeitende. Als Ingenieur M.sc. hat er sich im vergangenen Jahr über das Urteil des Landgerichts Bremen vom 10.7.2025 gefreut, das bestätigt: Der Bau von Wintergärten aus Glas und Carports erfordert eine Eintragung in die Handwerksrolle, weil es sich um das Kernarbeitsfeld des Metallbauer- und Glaserhandwerks handelt. In dem Urteil heißt es: „Die Werbung mit wesentlichen Tätigkeiten eines zulassungspflichtigen Handwerks ohne die notwendige Eintragung verstößt gegen die Handwerksordnung.“ Zudem sei die Werbung irreführend, weil Verbraucher fälschlicherweise von einer Berechtigung zur Ausübung der beworbenen Tätigkeiten ausgehen. Die Gerichtsentscheidung unterstützt damit, dass Fachbetriebe ihren Qualitätsanspruch zu adäquaten Preisen gewährleisten können.

Heine freut sich über eine erste positive Bilanz. Für das Jahr  2025 verzeichnet er ein zehnprozentiges Umsatzplus. Allerdings liegt der Gewinn unter dem Vorjahresniveau. Der Unternehmer erklärt diese Entwicklung so: „Weil Projektzeiten gelegentlich länger gedauert haben, als wir geplant hatten, haben wir oftmals zu Preisen kalkuliert, die im Nachgang um bis zu 5 % erhöht wurden. Gleichzeitig fällt es schwer, diese Preissteigerungen vorsorglich einzupreisen. Außerdem hatten wir infolge der Unternehmensnachfolge im Jahr 2024 hohe einmalige Kosten für Beratung, Vertragswerke etc., die erst im Jahr 2025 zu Buche schlugen.“

Das Umsatzplus betraf sowohl den Fenster- als auch den Wintergarten- sowie den Terrassenüberdachungsbau. Der Unternehmer führt dies auch auf die Messepräsenz bei der „Haus-Garten und Freizeit“ in Leipzig zurück, wo das Unternehmen auch 2026 Anfang Februar wieder mit dabei war. Diese Vertriebsinitiative hilft die allgemein schwierige Auftragslage abzufedern. „Auch saisonbedingt sinkt in den Wintermonaten die Auftragslage“, so Heine. Aber unabhängig davon sei die Konsumlust durch äußere, zum Teil politische Umstände, niedrig – zumindest im höherpreisigen Segment.

Sein erstes Jahr in der Geschäftsführung war vom Einarbeiten und Kennenlernen geprägt. Für 2026 ist geplant, eine neue ERP- sowie technische Planungssoftware einzuführen. „Wir haben bereits 2025 einen KI-Agenten als Chatbot auf unserer Website implementiert, der einfache Aufgaben im Kundenkontakt auf der Website übernimmt und überwiegend auf unsere Anfrageformulare verweist“, erzählt Heine.

Als wesentliche Herausforderung des Jahres 2025 nennt er die Suche nach Mitarbeitern. „Wir haben insgesamt drei Monteure eingestellt, die innerhalb kürzester Zeit wieder gekündigt wurden, weil keine Einsatzbereitschaft da war. Steigende Preise sind eine weitere Hürde, sowohl beim Material, den Nebenkosten und den Personalkosten.“ Ein Abbau von Bürokratie oder eine optimierte Digitalisierung der Behörden ist für den Bitterfelder Wintergartenbauer im Alltag nicht bemerkbar. Stolz berichtet er von seinen Fortschritten in Sachen Betriebsprozesse und Planung. „Wir können heute durchschnittlich 2,5 Monate im Voraus sagen und planen, welche Aufträge wir wann und wie bearbeiten.“ Weitere Prozess- und Planungsoptimierungen sind für 2026 vorgesehen.

Fazit

Auf seiner Website kann Heine für 2025 fünf Google-Bewertungen mit jeweils fünf Sternen nachweisen. „Ich bin sehr zufrieden mit der Auftragsplanung 2025. Wir gehen neue Wege im Marketing, die teilweise schon fruchten. Die Marktchancen sind eher kleiner geworden als gewachsen. Allerdings höre ich von den Lieferanten immer wieder, dass Mitbewerber vom Markt verschwinden, weil sie z.T. keinen Nachfolger finden oder die Auftragslage im Stammgeschäft so schlecht ist, dass sie schließen müssen. Insgesamt verspreche ich mir dadurch mittelfristig eine Stärkung des Marktes: Die zurzeit sinkende Nachfrage teilt sich durch weniger Betriebe.“ Das Thema Sonnenschutz für Fenster und Wintergärten bleibt weiter Zukunftsthema, befeuert durch den Klimawandel. „Es gibt immer mehr Sommertage in Deutschland und die Anzahl der Tage mit extremen Temperaturen nimmt zu.“                          www.selecta-wintergarten.de

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