Fensternorm vor Abschluss
Alle Kritik scheint umsonstDie EU-Kommission allein und unabhängig vom Votum der EU-Mitgliedsländer bzw. deren Wirtschaftsministerien wird darüber entscheiden, ob der sehr umstrittene und in Deutschland von 14 Verbänden und Instituten kritisierte Produktnormentwurf für Fenster, Fassaden, Türen und Tore in Kraft tritt.
Laut Prof. Jörn P. Lass vom ift Rosenheim soll die Abstimmung der 27 EU-Wirtschaftsministerien über die im Entwurf vorliegende Norm noch im Oktober stattfinden. Doch laut dem Normexperten hat der Ausgang dieser Abstimmung offenbar keine Relevanz. Strukturell steht es der Kommission frei, unabhängig davon, ob eine Mehrheit der EU-Wirtschaftsministerien für oder gegen das Inkrafttreten des Normentwurfs gestimmt hat, diesen durchzusetzen. Unglaublich! Als ob es in Brüssel keine demokratischen Strukturen gäbe.
Bei den ift-Fenstertagen Anfang Oktober hat der VFF-Präsident Anton Gugelfuss festgestellt, dass die geplante Norm im aktuellen Entwurf wegen der überbordenden Bürokratie viele kleinere Betriebe in die Bredouille bringen wird. Bei einer Podiumsdiskussion sagte er: „Es kann nicht sein, dass ein halbes Volk aufsteht und sagt, die Vorgaben einer Norm sind nicht zu schaffen, und in Brüssel interessiert der Widerspruch niemanden.“
Konkret: Gugelfuss befürchtet, dass die Dokumentation dann für Leistungs- und Konformitätserklärungen sowie allgemeine Produktinformationen, Gebrauchs- und Sicherheitsnachweise derart ausufern wird, dass wenn aktuell ca. 15 Nachweise erforderlich sind künftig über 200 Seiten nötig werden. Zudem sind auf Wunsch des Kunden die Nachweise in gedruckter Form vorzulegen.
Prof. Jörn P. Lass betonte, dass es nicht nur auf die Menge der Dokumentation ankommt, sondern darauf, dass die Nachweise vorab durch Prüfungen zu belegen sind. Damit ist absehbar, dass die Baukosten für die Gebäudehülle weiter steigen.
Im vergangenen Jahr hatte Prof. Winfried Heusler während der ift-Fenstertage konstatiert: „Mit dem Prüfaufkommen, das dieser Normentwurf erzeugen würde, würde das ift-Rosenheim gar nicht umhinkommen.“ Bleibt festzustellen, dass es in Deutschland noch weitere Prüfinstitute gibt, die sich darüber freuen würden.
Klar ist indes, dass der Appell der 14 Verbände & Institute (u.a. VFF & ift) vom August, der an Verena Hubertz gerichtet war, falsch adressiert war, weil bei der Länderabstimmung im Oktober in Brüssel das Wirtschaftsministerium sein Votum abgibt.
Weiterhin ist durch die Info von Prof. Lass klar, dass das Votum der EU-Mitgliedsländer, selbst wenn dieses einstimmig dagegen sein sollte, nicht zwingend den Normentwurf kippen wird.
Nach vielen gescheiterten Versuchen von Normexperten am Entwurf eine Schadensbegrenzung für Hersteller/Handwerker und Bauherren zu erreichen, geht Gugelfuß davon aus, dass die Kommission das Werk, das mit der BauPVO 2024/3110 begonnen wurde, noch in diesem Jahr zu Ende bringen und verbindlich festschreiben will.
