Barrierefreie Fenstertüren

Schwellenlos von drinnen nach draußen

Die SeniorenWohngemeinschaft Haiderbach in Breitenau zeigt, selbstbestimmtes, betreutes Wohnen im Alter kann gelingen. Auch bauliche Gegebenheiten schaffen dafür Voraussetzungen. Doppelflügelige Drehkippfenstertüren mit einer flachen Schwelle ermöglichen Senioren mit Handikap den barrierefreie Zugang zum Balkon.

Selbstbestimmtes, betreutes Wohnen im Alter ist sehr gut in kleinen Gemeinschaften möglich. Aber auch Architektur und technische Ausstattung eines Gebäudes können die Selbständigkeit von Senioren unterstützen. Der Bauherr der SeniorenWohngemeinschaft Haiderbach entschied sich deshalb gegen Schiebetüren und für Fenstertüren mit Drehkippöffnung und einer barrierefreien 19 mm hohen Schwelle. Oswald Rehn: „Hebeschiebetüren empfinden die meisten Senioren als unangenehm, weil sie die Ziehbewegung zum Öffnen körperlich überfordert. Das Drehen eines Fenstergriffs und Öffnen einer Fenstertür dagegen beherrschen auch Rollstuhlfahrer und Menschen mit beginnender Demenz intuitiv.“ Und so wurde jedes Appartement für die zwölf Bewohner mit einer doppelflügeligen Drehkippfenstertür ausgestattet, über die der Mieter einen Balkon oder eine kleine Terrasse erreichen kann.

Das Unternehmen Steinen in Selters stellte die Fenster her und montierte sie barrierefrei. Metallbaumeister Burkhard Steinen entwickelte gemeinsam mit dem Profilhersteller Akotherm die optimale Beschlagkonfiguration für die Fenstertürenanlage. Er berichtet: „Wir verarbeiten seit über 30 Jahren die Profilsysteme von Akotherm. Der Support der Anwendungstechnik unterstützt uns in vielen Belangen. So werden beispielsweise Vorschläge für Bauanschlüsse erarbeitet, günstige Profilvarianten aufgezeigt und Fertigungs- und Zuschnittlisten erstellt.“ Fragen zum Beschlag klären die Mitarbeiter von Akotherm direkt. „Die Abstimmung erfolgt unmittelbar zwischen Systemhaus und Beschlaghersteller, sodass wir sicher sein können, die von uns bestellten Beschläge sind geprüft, funktionssicher und die angegeben Flügelgewichte können problemlos aufgenommen werden“, weiß Steinen. Das Projekt SeniorenWohngemeinschaft Haiderbach betreute bei Akotherm Jürgen Aschkowski und bei Roto AluVison Alexander Mohr.

Sonderlösung dank Kooperation

Die Profile und Zubehörteile stammen aus dem Standard-Programm des Profilsystems AT 740 SI. Bei den Öffnungsarten Dreh, Dreh-Kipp oder Stulp wird weitgehend der Standardbeschlag Roto AL eingesetzt: Axerband, Axerlager und DK-Schere für die obere Bandpartie, Ecklager und Eckband für die untere Bandpartie. Kipplager, Kippriegel und Schnäpper für den Rahmen unten sind für eine barrierefreie Ausführung ausgelegt. Die Handhabung der Fenstertüren erleichtert ein RotoLine Aufsatzgetriebe. Steinen erklärt: „Lediglich einzelne Zusatzteile, wie das Kipplager oder der Stulpflügelverschluss sind als Ergänzungsset der jeweiligen Öffnungsart angepasst. Das macht die Umsetzung von barrierefreien Fenstertüren in der Umsetzung sehr einfach.“ Alexander Mohr von Roto AluVision merkt an: „Da die Flachschwelle tiefer sitzt, muss für die Konstruktion mit einem sichtbaren Beschlag gearbeitet werden.“

Montage der schwellenlosen Fenstertür

Die barrierefreien Fenstertüren der SeniorenWohngemeinschaft Haiderbach werden u.a. von Menschen mit Behinderung, also z.B. mit Rollstuhl, Rollator usw., befahren. „Auf den Unterbau der Schwelle ist deshalb besonderes Augenmerk zu legen“, hebt Steinen hervor. „Aber nicht allein wegen der Statik, auch wegen der Wärmedämmung wird sehr sorgfältig geplant. Das Profilsystem bietet zu diesem Zweck KS-Unterbauprofile in verschiedenen Höhen (20–100 mm), die mittels einfacher Klipstechnik gekoppelt, beide Eigenschaften – also Stabilität und Wärmedämmung – erfüllen.“ Auch an eine Lösung für die Entwässerung muss gedacht werden: Abgesehen von der Schlagregendichtheit ist zudem nicht drückendes Wasser zu berücksichtigen. Dazu werden z.B. Bodenentwässerungsrinnen mit entsprechendem Querschnitt eingeplant, die einen einwandfreien Wasserablauf sicherstellen.

Die Montage muss genau nach Meterriss erfolgen. Aufgrund der sehr flachen Schwelle und damit einhergehend geringen Luft zwischen UK und Fensterflügel und OK muss die Toleranz aus jedem einzelnen Gewerk auf ein Minimum reduziert werden. Steinen unterstreicht: „Das Zusammenspiel zwischen den gewerkübergreifenden Unternehmen, die für den Fußbodenaufbau wie z.B. Estrichleger und Parkettleger zuständig sind, ist dafür besonders wichtig. Nur, wenn gewerkeübergreifend alle Maße genau eingehalten werden, bleibt eine funktions- und bestimmungsmäßige Nutzung gewährleistet.“ Ein zum raum-inneren hin steigender Boden, wie es z.B. im Altbau schon mal der Fall ist, könnte zu Problemen beim Öffnen der Fenstertür führen. Die Verschlussteile sind so einzustellen, dass eine einfache Handhabung möglich ist und dabei trotzdem die nachgewiesene Dichtigkeit erfüllt wird.

Fazit

Ist die Kooperation zwischen Profil- und Beschlaghersteller eingespielt und werden die Bauelemente gemäß den Anforderungen des Ausführenden aufeinander abgestimmt, kann sich der Metallbaubetrieb auf seine wesentlichen Aufgaben konzentrieren. Beim Einbau barrierefreier Türen spielen die Absprachen für den reibungslosen Ablauf eine größere Rolle. Aber barrierefreie Türen liegen im Trend, wie Metallbaumeister Steinen bestätigt: „Nicht zuletzt aufgrund des Förderprogramms der Kfw für altersgerechtes Umbauen und einem steigenden Anspruch und vorausschauender Planung im privaten Wohnungsbau sowie in gewerblichen Bauten stellen wir eine erhöhte Anfrage und Umsetzung solcher Fenstertüren fest.“⇥ma ◊

Info & Kontakte

Steinen Metallbau
Dierdorfer Landstraße 1
56242 Selters
Tel. 02626 38 0
E-mail: b.steinen@web.de

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