Neue BEG-Förderrichtlinie
VFF kritisiert Folgen für Fensterbranche 22.07.2026 |
Frank Lange.
Foto: VFF
Ein nicht ausreichend abgestimmtes Verfahren und ein falsches konjunktur- und klimapolitisches Signal – so der Kern der Kritik des Verbands Fenster + Fassade (VFF) an den zum 21. Juli 2026 in Kraft tretenden neuen Förderrichtlinien der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Ohne jede Berücksichtigung wichtiger Vorschläge aus der Branche bringen die neuen Richtlinien deutliche Verschlechterungen für die energetische Sanierung mit Fenstern und Türen und schwächen mit den im Zuge der Haushaltskonsolidierung vorgenommenen Begrenzungen die Investitionsanreize. Zugleich machen sie das Förderverfahren komplizierter.
Wichtige Vorschläge bleiben ungehört
Der VFF kritisiert nicht nur das Ergebnis, sondern ebenso auch das Verfahren. Die wesentlichen haushaltspolitischen Weichen wurden nach Wahrnehmung des Verbands gestellt, ohne die betroffenen Spitzenverbände und Stakeholder frühzeitig in einen ergebnisoffenen Prozess einzubeziehen. Der VFF hatte sich mit Schreiben an den Haushaltsausschuss und an das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) sowie in den Fachgesprächen dafür eingesetzt, zumindest einzelne praxisnahe Korrekturen vorzunehmen. Auch der Vorschlag, Fenster bei kombinierten Sanierungsmaßnahmen in den Bonus für Worst Performing Buildings (WPB) einzubeziehen, blieb unberücksichtigt. Die bereits weitgehend festgelegte Richtlinie wurde zudem auch trotz dreier Verbändeanhörungen nicht mehr substanziell geändert.
In der Sache kritisiert der VFF vor allem die erstmals vorgenommene Differenzierung verschiedener energetischer Maßnahmen innerhalb derselben Gebäudehülle. So wird der ab dem ersten Quartal 2027 vorgesehene Bonus für Worst Performing Buildings (WPB) von fünf Prozentpunkten ausschließlich für Dämmmaßnahmen gewährt. Fenster, Außentüren und Dachflächenfenster bleiben auch dann ausgeschlossen, wenn sie gemeinsam mit einer Fassaden- oder Dachdämmung als zusammenhängendes Sanierungspaket umgesetzt werden. Die Folgen sind erheblich: Bei Kombinationen aus Fassadendämmung und Fenstertausch oder aus Dachdämmung und Dachflächenfenstern müssen künftig unterschiedliche Förderanteile gebildet und gemeinsame Kosten getrennt zugeordnet werden. Gerade bei Leibungsarbeiten, Fensterbänken, Abdichtungen, Wärmebrückenanschlüssen und weiteren Umfeldmaßnahmen ist eine trennscharfe Aufteilung häufig weder technisch sinnvoll noch wirtschaftlich belastbar. Auch Energieeffizienz-Experten hatten in den Anhörungen auf Umsetzungs- und Abgrenzungsprobleme hingewiesen. „Die neue Richtlinie produziert keine Vereinfachung, sondern neue Abgrenzungs- und Nachweisfragen. Gerade bei ganzheitlichen Sanierungspaketen zwingt sie Planer, Betriebe und Energieeffizienz-Experten zu künstlichen Kostenteilungen, die mit dem tatsächlichen Bauablauf wenig zu tun haben“, so Frank Lange, der Geschäftsführer des VFF.
Falsches Signal für den Sanierungsmarkt
Mit dem Sanierungsmarkt treffen die Verschlechterungen ein für die Branche zentrales Marktsegment. Nach aktuellen VFF- und Heinze-Marktdaten entfielen 2025 rund 69 Prozent aller Fenstereinheiten auf Sanierungen und damit nur 31 Prozent auf den Neubau. Gerade in einem weiterhin schwierigen baukonjunkturellen Umfeld müsste die Förderung die Bestandssanierung deshalb stabilisieren, Investitionen auslösen und private wie institutionelle Eigentümer verlässlich orientieren. Ob die nun bereitgestellten Mittel unter den neuen Bedingungen tatsächlich ausgeschöpft werden, bleibt aus Sicht des VFF offen. Geringere Anreize und höherer Beratungsaufwand können vielmehr dazu führen, dass Sanierungsentscheidungen verschoben oder ganz aufgegeben werden.
Fazit
Angesichts des Vorgehens der Regierung und der damit erzielten Ergebnisse fällt Langes Kritik entsprechend geharnischt aus: „Die energetische Sanierung braucht Verlässlichkeit, einfache Regeln und ausreichend starke Anreize. Stattdessen werden Verbände und Fachpraxis vor vollendete Tatsachen gestellt und müssen ein Regelwerk umsetzen, das weniger attraktiv und zugleich schwerer zu erklären ist“, so Frank Lange. „Mit diesem Vorgehen gefährdet die Politik den Kontakt zu den wichtigsten Stakeholdern. Die Folgen sind Regelungen, die weit hinter den sinnvollen Möglichkeiten zurückbleiben, und ein geschwächtes Vertrauen in die politischen Entscheider bei der Erarbeitung solch wichtiger Grundlagen für die Baubranchen.“
