Konjunktur Metallhandwerk
Metallhandwerk erwartet für Q4 eine stabile Geschäftslage 28.07.2026 |BVM-Umfrage zeigt stabile Erwartungen, solide Auftragsreichweiten und zugleich erheblichen Handlungsbedarf bei Preisen und Rahmenbedingungen.
Die aktuelle Konjunkturumfrage des Bundesverbandes Metall (BVM) zeigt: Rund 78 Prozent der Betriebe erwarten für das kommende Quartal eine stabile oder bessere Geschäftslage. Gleichzeitig bewerten 31 Prozent die erzielbaren Marktpreise als unzureichend. Der Vergleich mit Q3 2025 macht deutlich, dass sich die Auftragsreichweiten breiter verteilen. Eine Entwarnung ist das jedoch nicht, wie der BVM in seiner jüngsten Pressemitteilung schreibt.
„Unsere Betriebe zeigen erneut, wie anpassungsfähig und leistungsfähig das Metallhandwerk ist. Dass fast vier von fünf Unternehmen mit einer stabilen oder besseren Entwicklung rechnen, ist ein starkes Signal. Diese Zuversicht entsteht aber nicht aus guten Rahmenbedingungen, sondern aus unternehmerischer Stärke, hoher Fachkompetenz und der Nähe zu den Kunden“, erklärt BVM-Hauptgeschäftsführer Diether Hils.
Die aktuelle Unternehmenslage wird im Durchschnitt mit der Schulnote 3,0 bewertet. 69 Prozent vergeben die Noten 1 bis 3. Bei der Erwartung für das kommende Quartal rechnen 69 Prozent mit einer gleichbleibenden und 9 Prozent mit einer verbesserten Geschäftslage; 22 Prozent erwarten eine Verschlechterung.
Der Vorjahresvergleich zeigt eine Verschiebung bei der Auftragsreichweite: Der Anteil der Betriebe mit höchstens zwei Monaten Auftragsbestand sank von 54,2 Prozent in Q3 2025 auf 43,7 Prozent in Q3 2026. Gleichzeitig stieg der zusammengefasste Anteil mit einer Reichweite von bis zu drei beziehungsweise vier Monaten von 26,5 auf 37,1 Prozent. Mehr als sechs Monate Auftragsbestand melden aktuell 8,5 Prozent nach 10,4 Prozent im Vorjahr.
„Die breitere Verteilung der Auftragsbestände sorgt in vielen Betrieben für mehr Planbarkeit. Aber wir dürfen uns von Durchschnittswerten nicht täuschen lassen: Kurze Reichweiten bleiben für einen erheblichen Teil der Unternehmen Realität. Entscheidend ist deshalb, dass aus vorhandener Arbeit auch auskömmliche Wertschöpfung entsteht“, so Hils.
Nur 11 Prozent der Befragten beurteilen die erzielbaren Marktpreise als gut, weitere 58 Prozent als auskömmlich. Fast jeder dritte Betrieb hält sie für unzureichend. Aus Sicht des BVM verschärfen hohe Energie-, Material- und Finanzierungskosten sowie hohe Lohnzusatzkosten, Bürokratie und schwache Investitionsimpulse den Druck auf die Unternehmen.
Hils: „Das Metallhandwerk braucht keine kurzfristigen Strohfeuer, sondern verlässliche Bedingungen für Investitionen, Ausbildung und Beschäftigung. Wettbewerbsfähige Energiepreise, weniger Bürokratie und schnellere Genehmigungen würden unmittelbar bei den Betrieben ankommen. Wer Wachstum will, muss diejenigen stärken, die es vor Ort erwirtschaften.“
Auch personell bleibt die Lage angespannt: In rund der Hälfte der Betriebe hat in den vergangenen zwölf Monaten mindestens eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter das Unternehmen für einen Wechsel oder eine Selbstständigkeit verlassen. Gleichzeitig berichten knapp 30 Prozent von mindestens einem vorzeitigen Ruhestand. Damit bleibt die Sicherung von Fachkräften und Nachwuchs eine zentrale Zukunftsaufgabe.
Die Auftragsreichweite im deutschen Metallhandwerk.
Quelle: BVM-Konjunkturumfragen Q3 2025 und Q3 2026.
