Schüco bilanziert 2025
1,68 Mrd. Euro im Kerngeschäft Metallbau 21.07.2026 |
Sandra Greiser, Pressesprecherin, und Andreas Engelhardt, persönlich haftender Gesellschafter von Schüco International.
Foto: Schüco International
Die Schüco Gruppe hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem leichten Umsatzplus abgeschlossen. Der Konzernumsatz stieg von 2,05 auf 2,06 Milliarden Euro. Laut Jahresbericht entspricht dies einem nominalen Zuwachs von 0,7 Prozent; währungsbereinigt erhöhte sich der Umsatz um 2,3 Prozent. Damit behauptete sich das Unternehmen trotz Baukrise, hoher Finanzierungskosten, steigender Materialpreise und einer anhaltend schwachen Investitionsbereitschaft im deutschen Gebäudesektor.
Entscheidend für die stabile Bilanz war die internationale Aufstellung. In Deutschland ging der Umsatz erneut um rund 2,8 Prozent auf 728 Millionen Euro zurück. Dem standen Erlöse von gut 1,3 Milliarden Euro in den Auslandsmärkten gegenüber. In den europäischen Gesellschaften außerhalb Deutschlands stieg der Umsatz um 0,7 Prozent auf 965 Millionen Euro. Noch dynamischer entwickelten sich die übrigen internationalen Märkte: Dort legten die Erlöse um 8,8 Prozent auf 371 Millionen Euro zu. Insgesamt wurden damit 65 Prozent des Konzernumsatzes international erwirtschaftet, während Deutschland auf 35 Prozent kam. Schüco ist inzwischen mit seinem Systemportfolio in mehr als 90 Ländern vertreten.
Das Kerngeschäft Metallbau erzielte weltweit einen Umsatz von 1,68 Milliarden Euro und damit rund zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Davon entfielen 594 Millionen Euro auf Deutschland, 720 Millionen Euro auf die übrigen europäischen Länder und 369 Millionen Euro auf Märkte außerhalb Europas. Das Polymer Business wuchs um etwa 4,5 Prozent auf 327 Millionen Euro. Im deutschen Polymergeschäft erhöhte sich der Umsatz um 2,6 Prozent auf rund 99 Millionen Euro, unterstützt durch eine Belebung im privaten Wohnungsneubau und in der Sanierung. Das noch junge Service Business kam auf 33 Millionen Euro und verzeichnete einen leichten Rückgang. Schüco will diesen Bereich dennoch gezielt ausbauen, insbesondere für Sanierung, Wartung und Instandhaltung.
Die Investitionen lagen mit 41,2 Millionen Euro nahezu auf Vorjahresniveau. Zugleich blieb das wirtschaftliche Eigenkapital nach Unternehmensangaben auf einem konstant hohen Niveau; die Kapitalstruktur wird als ausgewogen beschrieben. Zu den Investitionsschwerpunkten gehörten zusätzliche Produktionskapazitäten für Hochsicherheitsfassaden bei Sälzer in Marburg sowie neue Showrooms in Paris und Riad. Darüber hinaus übernahm Schüco die restlichen Anteile am indischen Fassadenbauer Alufit und beteiligte sich an der Asset Transformation GmbH, die Eigentümer und Investoren bei der wirtschaftlichen Weiterentwicklung von Bestandsgebäuden unterstützt.
Im Jahresdurchschnitt beschäftigte die Gruppe rund 6.750 Mitarbeitende, davon etwa 3.800 in Deutschland und 2.950 im Ausland. Mehr als 2.000 Beschäftigte arbeiteten am Hauptsitz Bielefeld, rund 935 am Polymerstandort Weißenfels. Hinzu kamen 206 Auszubildende in Deutschland. Auch bei der Kreislaufwirtschaft weist der Bericht eine konkrete Größenordnung aus: Das Portfolio umfasst inzwischen mehr als 95 Cradle-to-Cradle-zertifizierte Aluminiumsysteme. Parallel wurden die Rücknahme und das Recycling von Altfenstern und Fassadenelementen ausgebaut.
Vom Systemlieferanten zum Lebenszykluspartner
Schüco richtet sein Angebot auf den gesamten Lebenszyklus aus. Für die ganzheitliche Strategie und das Engagement in Richtung Klimaneutralität und Ressourcenschonung im Gebäudesektor erhielt der Konzern den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Bauindustrie. Metall- und Fassadenbauern werden mit dem Fokus Bestand zusätzliche Ertragsfelder jenseits des Neubaus eröffnet. Der Neubau schwächelt, zugleich wächst der Handlungsdruck im Gebäudebestand. Gefragt sind nicht mehr nur neue Fenster-, Tür- und Fassadensysteme, sondern Lösungen, mit denen bestehende Gebäude wirtschaftlich modernisiert, technisch nachgerüstet und langfristig betrieben werden können. Schüco hat diese Entwicklung 2025 mit der Initiative „Schüco Value Up“ aufgegriffen. Das Angebot reicht von minimalinvasiven Sanierungslösungen über Beratung und digitale Werkzeuge bis zu Service, Wartung, Rückbau und Recycling.
Sanierungen sind oft anspruchsvoller als Neubauten. Die vorhandene Konstruktion ist nicht immer vollständig dokumentiert, der Gebäudebetrieb soll möglichst wenig beeinträchtigt werden und Eigentümer erwarten belastbare Aussagen zu Kosten, Energieeffizienz und Nutzungsdauer. Werden Bestandsanalyse, Systemauswahl, Planung, Montage, Wartung und spätere Verwertung früh zusammengedacht, lassen sich Schnittstellen und Projektrisiken besser beherrschen.
Der Nutzen für Fachbetriebe liegt in einer stärkeren Position gegenüber Bauherren und Investoren. Wer nicht nur ein Bauteil anbietet, sondern eine technisch und wirtschaftlich nachvollziehbare Modernisierungsstrategie, wird früher im Projekt relevant. So können Metall- und Fassadenbauer Planungswissen einbringen und die Ausführung auf ihre Fertigungs- und Montageprozesse abstimmen. Schücos Beteiligung an der Asset Transformation GmbH ergänzt das Portfolio um Kompetenzen in Bestandsanalyse und Steuerung von Transformationsprojekten.
Digitale Bauteildaten reduzieren Reibungsverluste
Schüco will Bauprozesse möglichst durchgängig digital abbilden. Über einen QR-Code am Element soll dessen digitaler Zwilling erreichbar sein. Informationen zu Ausführung und Materialien stehen damit auch während der Nutzung zur Verfügung; Wartung, Instandhaltung und die spätere sortenreine Rückführung werden erleichtert.
Für Metall- und Fassadenbauer kann daraus ein Produktivitätsvorteil entstehen. Servicetechniker müssen Angaben nicht aus alten Projektordnern zusammensuchen, sondern können sie direkt am Bauteil abrufen. Bei Reparaturen und Nachrüstungen lässt sich schneller klären, welche Komponenten verbaut wurden. Die digitale Dokumentation vereinfacht zudem die Übergabe an Betreiber, senkt Rückfragen und verbessert die Vorbereitung von Serviceeinsätzen.
Auch künstliche Intelligenz soll die Reaktionszeiten verkürzen. Schüco beschreibt Serviceabläufe, in denen komplexe Kundenanfragen automatisiert einer passenden Lösung oder dem richtigen Ansprechpartner zugeordnet werden. Das hilft verarbeitenden Betrieben insbesondere dann, wenn in Arbeitsvorbereitung, Fertigung oder Montage schnell technische Klärung benötigt wird.
Wartung schafft wiederkehrende Umsätze
Das klassische Projektgeschäft endet häufig mit der Abnahme. Inspektionen, Wartung, Reparatur, der Austausch von Verschleißteilen sowie funktionale oder energetische Nachrüstungen können daraus eine langfristige Kundenbeziehung machen. Schüco baut den Bereich Service, Wartung und Instandhaltung deshalb weiter aus.
Metall- und Fassadenbauer können vorhandene System- und Montagekompetenz so in wiederkehrende Leistungen überführen. Das stabilisiert die Auslastung, verringert die Abhängigkeit von einzelnen Großprojekten und erhöht die Chance auf Folgeaufträge. Im Bestand können standardisierbare Maßnahmen – etwa der Austausch einzelner Elemente oder die Verbesserung von Lüftung und Sonnenschutz – zudem wirtschaftlich attraktiver sein als ein vollständiger Fassadenaustausch.
Kreislauffähigkeit wird zum Verkaufsargument
Nachhaltigkeitsanforderungen erreichen zunehmend Ausschreibung und Ausführung. Schüco hat für Aluminium und Kunststoff CO₂-reduzierte Materialklassen eingeführt, bietet die Rücknahme von Produkten an und verfügt nach eigenen Angaben über mehr als 95 Cradle-to-Cradle-zertifizierte Aluminiumsysteme. Über RE:CORE und RE:CORE Metals wird die Rücknahme von Altfenstern und Fassadenelementen ausgebaut.
Für Fachbetriebe ist das mehr als ein Umweltthema. Zertifizierte Systeme und nachvollziehbare Materialkreisläufe helfen, Anforderungen von Bauherren strukturiert zu beantworten. Zugleich entsteht ein zusätzliches Leistungsfeld: Demontage, sortenreine Trennung, Rückführung und dokumentierte Übergabe können Bestandteil des Angebots werden. Wer diese Prozesse beherrscht, hebt sich bei Sanierungen von Wettbewerbern ab, die lediglich neue Elemente einbauen.
Die 2025 vorgestellte Vision „AW Circular“ weist in dieselbe Richtung. Im Mittelpunkt stehen längere Nutzungsdauern, einfache Wartung und Reparatur, Aufbereitung, Nachrüstung, Wiederverwendung von Komponenten und hochwertiges Recycling. Konstruktionen werden damit stärker danach bewertet, wie gut sie sich anpassen, reparieren und wiederverwenden lassen. Wissen über Demontagefähigkeit, Materialtrennung und Retrofit wird zu einer marktfähigen Kompetenz.
Klimaresiliente Fassaden eröffnen neue Aufgaben
Hitze, Starkregen und andere Extremwetterereignisse erhöhen den Anpassungsbedarf im Gebäudebestand. Schüco nennt Hochwasserresistenz, Kühlung, Lüftung und außenliegenden Sonnenschutz als Funktionen, die auf Gebäudeebene und damit an der Fassade umgesetzt werden müssen.
Damit wächst die Rolle des Fassadenbauers vom Ausführenden zum technischen Berater. Eigentümer benötigen Bewertungen, welche Systeme weitergenutzt werden können, wo Nachrüstungen sinnvoll sind und welche Maßnahmen den Betrieb möglichst wenig stören. Aufträge reichen von der Zustandsaufnahme über den Austausch einzelner Komponenten bis zur Ertüchtigung kompletter Fassaden. Wärmeschutz, Lüftung, Sonnenschutz, Entwässerung, Sicherheit und Bedienkomfort sind dabei als Gesamtsystem zu betrachten.
