Interview

Frank Lange, VFF-Geschäftsführer

„Ob BIM für kleine Handwerksbetriebe kommt?“

Frank Lange hat als Prokurist die Geschäfte der Niederlassung Leinefelde innerhalb der Unternehmensgruppe Seufert-Niklaus geführt. In der Niederlassung sind 60 Mitarbeiter tätig. Das Portfolio umfasst Fenster, Türen und Fassaden aus Aluminium und Holz-Aluminium. Zum 1. März hat der Dipl.-Ing. Wirtschaftsingenieur die Geschäfte des Verbandes der Hersteller Fenster & Fassade (VFF) in Frankfurt übernommen.

metallbau: Herr Lange, weil vor wenigen Wochen EU-Wahl war, wie bewerten Sie den Ausgang?

Frank Lange: Nach dem Ausgang der Wahl ist zu erwarten, dass ökologische Themen und die Klimapolitik in der künftigen Europapolitik eine höhere Bedeutung haben. Unsere Branche kann jedenfalls mit ihren Produkten und ihren technischen Lösungen zum Klimaschutz einen erheblichen Beitrag leisten. Und hoffentlich geht es mit der Umsetzung der nötigen Maßnahmen nun vorwärts – sowohl auf nationaler wie auch auf europäischer Ebene.

metallbau: Inwiefern sind die Klimaschutzziele ein Wirtschaftsfaktor für die Branche? Wie bewerten Sie Maßnahmen in den Bereichen Beratung, Förderung und Ordnungsrecht?

Lange: Den Dreiklang Beratung, Förderung und Ordnungsrecht, zu dem Andreas Kuhlmann, Geschäftsführer der dena, beim VFF-Kongress referiert hat, sehen wir auch so. Wir vom VFF sind stark in der Beratung tätig. Sicher ist es Aufgabe der Verbände, den Kunden die Möglichkeiten energetischer Sanierungsmaßnahmen und energieeffiziente Innovationen im Neubau zu zeigen. Hierbei sind technische Überzeugungsarbeit, aber auch Emotionalität für transparente Wohnqualität gefragt. Allerdings: Ohne finanzielle Anreize wird es nicht funktionieren.

metallbau:  Welche Ideen fallen Ihnen zu den Anreizen ein?

Lange: Es braucht die Angebote der KfW sowie steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für energetische Modernisierungen, wie derzeit diskutiert und auch im Koalitionsvertrag vereinbart. Für gewerbliche und private Investoren müssen gezielt differenzierte Maßnahmen gesetzt werden. Und schließlich wird auch das Ordnungsrecht immer wichtiger werden zur Erreichung der Klimaziele. Eine sozial ausgewogene CO2 Bepreisung könnte beispielsweise eine ordnungsrechtliche Maßnahme sein. Dabei sollten sich aber die Baukosten nicht erhöhen. Eine weitere Möglichkeit wäre die Verpflichtung, Einscheibenglas in Fenstern zu tauschen. Dass Klimaschutzmaßnahmen sozial ausgewogen sind, dafür ist letztlich die Politik zuständig.

metallbau: Herr Lange, nun zu Ihrem Wechsel von der Unternehmens- zur Verbandsführung. Welche Umstellungen von Seufert-Niklaus auf den VFF waren am gravierendsten?

Lange: Bei einem Unternehmen, das im Projektgeschäft tätig ist, bestimmen das Tagesgeschäft und der dort herrschende Termindruck den Arbeitsalltag. Dazu kommen immer wieder gestörte Bauabläufe. Und es geht darum, dass das Material da ist, die Mitarbeiter und die Logistik. Es müssen also fast täglich möglichst schnell Probleme gelöst werden. Ich bin in der Früh an meinen Schreibtisch gekommen, und dann ging es los mit den Herausforderungen. Im Vergleich dazu handelt es sich in der Geschäftsstelle des VFF in Frankfurt um ein wesentlich strategischeres Arbeiten, bei dem sich auch langfristige Visionen umsetzen lassen.

metallbau: Kannten Sie den VFF bereits?

Lange: Ich habe mit dem VFF schon zusammengearbeitet, als ich bis 2010 die Geschäfte des elterlichen Betriebs Lanco Lange Fenster- und Fassadenbau in Göttingen geführt habe. In dieser Funktion war ich auch Präsidiumsmitglied und unser Unternehmen Gründungsmitglied der Gütegemeinschaft. Ich kenne also die Strukturen des Verbandes und auch die Vorteile, die eine Verbandsmitgliedschaft für einen Branchenbetrieb bringen.

metallbau: Wie bilanzieren Sie nun die vergangenen Monate als Geschäftsführer des VFF?

Lange: Ich bin jetzt knapp sechs Monate aktiv im Dienst, seit März trage ich gemeinsam mit Frank Koos die formale Verantwortung. Die Einführung hat gut funktioniert und auch Spaß gemacht. Natürlich gab es die eine oder andere Herausforderung zu meistern, weil ich mich in diverse für mich neue Themen einarbeiten musste, verbunden mit einer umfassenden Reisetätigkeit. Zudem waren die beiden Strategietagungen für VFF und die Gütegemeinschaft in der Anfangsphase angesetzt, wo es jeweils um die Kernthemen der beiden Verbände für die nächsten zwei, drei Jahre ging; weiter gehörten auch die Vorbereitungen des VFF-Kongresses mit der Mitgliederversammlung zum Start.

metallbau: Was sind denn die künftigen Kernthermen für die Gütegemeinschaft und den VFF?

Lange: Für die Gütesicherung ist es wichtig, den Mehrwert sowohl für den Verarbeiter als auch für den Endkunden in Form von Marketingkampagnen stärker zu kommunizieren. Wer sich für ein gütegesichertes Produkt entscheidet, hat auch effektive Vorteile durch die hohe Qualität. Hierfür gibt es Instrumente wie beispielsweise den Leitfaden zur Montage, mit dem wir die gütegesicherte Montage stärken wollen. Im VFF geht es darum, dass wir neben den ohnehin schon laufenden technischen Dienstleistungsangeboten die Präsenz unseres Netzwerks „Gebäudehülle“ weiter ausbauen. Das hat Uli Tschorn schon sehr gut angefangen. Wir wollen das Verbändenetzwerk „Transparente Gebäudehülle“ weiterentwickeln, um unsere Themen sowohl technisch als auch politisch stärker zu positionieren.

metallbau: Befindet sich das Netzwerk Gebäudehülle nicht bereits auf einem hohen Level?

Lange: Vielfach geht es hierbei auch um persönliche Kontakte, die sich von Ulrich Tschorn auf mich nicht in jedem Fall eins zu eins übertragen lassen. So ein Wechsel erfordert, persönliche Kontakte wieder neu zu finden, zu halten und aufzubauen. Immer wieder notwendig ist die Abstimmung zwischen den Verbänden, da hat jeder Verband so seinen eigenen Schwerpunkt. Es ist nicht so einfach, vier, fünf Verbände zu finden, die im Sinne einer einheitlichen Botschaft an die Berliner Politik an einem Strang ziehen. Hier ist es unsere Aufgabe, unsere Positionen fokussiert in die Politik einzubringen.

metallbau: Gibt es etwas, was Sie bei der Übernahme der Geschäfte überrascht hat?

Lange: Die Vielseitigkeit der Strukturen von 30 bis 40 Verbänden, die alle mit einer eigenen Meinung positioniert sind, das hat mich schon ein bisschen überrascht. Das breite Panorama fordert natürlich heraus und bietet reizvolle Aufgaben.

metallbau: Was läuft aus Ihrer Sicht in der Verbandsarbeit sehr gut, wo sehen Sie für die nächsten Jahre Bedarf nachzujustieren?

Lange: Es ist sehr schön, dass wir mit Ulrich Tschorn schon einen Branchenkenner und Praktiker am Ruder hatten und mit der Unterstützung des Präsidiums gut aufgestellt sind. Es kann also an bereits richtig gestellten Weichen nachjustiert werden, beispielsweise am Außenauftritt des Verbandes. So wird sich unser Auftritt in den Sozialen Medien in den nächsten Jahren deutlich modernisieren, weiter geht es um einen Generationenwechsel in der Geschäftsstelle des Verbandes, der einige Schlüsselstellen betreffen wird. Ein weiteres zentrales Thema wird der Ausbau der politischen Präsenz in Berlin sein.

metallbau: Wie entwickeln sich die Mitgliederzahlen des VFF?

Lange: Gut, wir haben kontinuierlich guten Zulauf; mit ca. 370 Mitgliedern decken wir ca. 60 Prozent des Marktes ab. Die Materialien sind gleichberechtigt vertreten. Jede Rahmenmaterialgruppe hat ihre Vorteile. Den größten Marktanteil hat nach wie vor Kunststoff. Holz-Aluminium hat heute rund 10 Prozent Marktanteil – das hat sich deutlich verbessert, vor allem im Objektbereich. Holz wird mittlerweile etwas weniger eingesetzt, hat aber zum Beispiel für das Einfamilienhaus und bei ausgesuchten Projekten weiter hohe Bedeutung. Wir merken, dass es einen Trend zu Mischkonstruktionen gibt – z.B. Holz-Aluminium, Kunststoff-Aluminium, Stahl-Aluminium – es wird also versucht, die Vorteile der unterschiedlichen Materialien zu kombinieren.

metallbau: Inwiefern hat die enge Kooperation mit anderen Branchenverbänden die Schlagkraft der Verbände gestärkt?

Lange: Die Arbeit mit dem Bundesverband Flachglas (BF) ist traditionell gut; wir arbeiten vertrauensvoll zusammen, sowohl was die technische Abstimmung als auch die politische Kommunikation betrifft. Wir vertreten den BF bei der geea in Berlin mit, und andererseits ist der BF für uns beim BDI tätig. Sicherlich ist dies bislang unsere engste Kooperation, insbesondere wenn es darum geht, unsere Kernbotschaften zu bündeln und in Richtung Berlin zu kommunizieren. Dass wir uns in dieser Hinsicht noch mit weiteren Verbänden abstimmen und so unsere politische Stimme stärken, ist unser Ziel. In diesem Sinn wollen wir auch das Netzwerk „Transparente Gebäudehülle“ ausbauen. Mit welchen Verbänden wir eine engere Kooperation anstreben, darüber gibt es derzeit strategische Überlegungen. Unsere technischen Verbandskooperationen im Rahmen des Technischen Ausschusses und seiner Arbeitsgruppe ist hingegen sehr breit und verbändeübergreifend entwickelt.

metallbau: Welche Rolle spielt das Thema BIM beim VFF?

Lange: Wir haben das Thema seit Langem schon auf der Tagesordnung. Ich halte es für eine immense Herausforderung, gerade für Mitgliedsunternehmen, die im Projektgeschäft tätig sind. Etwa 50 Prozent unserer Unternehmen im Projektgeschäft haben bereits mit BIM zu tun. Das heißt nicht unbedingt, dass sie die BIM-Arbeitsweise durchgängig anwenden. BIM fordert andere Abläufe im Vertrags-, Ablauf- und Haftungsgefüge. Deswegen erarbeiten wir derzeit ein Merkblatt dazu, das demnächst erscheint. Ich glaube, für kleine Unternehmen und das Handwerk wird der Umstellungsprozess noch länger dauern, wenn es denn überhaupt dazu kommt. Im Projektgeschäft wird BIM, wie es im Moment aussieht, unausweichlich kommen.

metallbau: Wie schätzen Sie die Internationalisierung der Fenster- und Fassadenbranche ein?

Lange: Der Trend zur Internationalisierung des Marktes hat dort seine Grenzen, wo es beispielsweise um Regionalisierung im Sinne von Nachhaltigkeit geht. Der Markt ist zweigeteilt in stark international tätige und eher regional aufgestellte Unternehmen. Unsere technischen Veröffentlichungen werden aufgrund dieser Entwicklungen teilweise auch in Englisch publiziert.

metallbau: Bitte nehmen Sie Stellung zu folgenden drei Themen: Konjunkturhimmel, Fachkräftemangel und Digitalisierung.

Lange: Die Konjunkturaussichten unserer Branche sind langfristig positiv, ich würde sagen für die nächsten fünf Jahre sicherlich. Angesicht der CO2 Ziele bis 2050 und der Vision klimaneutraler Gebäude kann der Fenster- und Fassadenbau auf Jahrzehnte hinaus zur Realisierung dieser Vorstellungen einen starken Beitrag leisten. Allerdings haben wir, was die Umsetzung energetischer Zielvorgaben betrifft, sowohl auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene einen enormen Nachholbedarf. Darin liegen, wenn man die aktuelle Diskussion verfolgt, große Chancen für unsere Unternehmen.

Auf den Fachkräftemangel haben wir begonnen, mit Recruiting- und Imagekampagnen zu reagieren. Auch Ausbildungsprogramme für den europäischen Nachwuchs sind eine Möglichkeit, in Deutschland Abhilfe zu schaffen. Für eine gelungene Integration in Deutschland erfordert es jedoch immer das Erlernen der Landessprache.

Die Digitalisierung ist eine Chance für planbare und sichere Arbeitsprozesse. Auch der Fachkräftemangel kann durch Roboter und Automatisierung teilweise ausgeglichen werden und zugleich das Image der Branche positiv ändern. Mit der Digitalisierung gehen Investitionen einher, die sich jedoch langfristig auszahlen.

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