Prüflabor SIPIZ

Kontinuität unter neuer Flagge

Prüflabore sind ein wichtiger Partner für Hersteller und Händler. Seit Kurzem hat das Schweizerische Institut für Prüfung, Inspektion und Zertifizierung (SIPIZ) seinen Dienst aufgenommen. Es löst die VKF ZIP AG ab und sichert so Kontinuität. Die Hersteller sind erleichtert.

Das SIPIZ hat in seiner Funktion im Sommer die bisherige VKF ZIP AG abgelöst. Dort hatte man beschlossen, das vorhandene Empa-Brandlabor nicht weiter zu betreiben. Ende 2018 wurde das erst drei Jahre zuvor übernommene Labor geschlossen. Vor allem für herstellende Unternehmen wäre das ein herber Verlust gewesen. Um nicht riskieren zu müssen, dass in der Schweiz in Zukunft eine solche Prüfmöglichkeit fehlt, suchten die stark betroffenen Branchen Holz und Metall mit Unterstützung des Bundesamtes für Bauten und Logistik nach einer Lösung. Und sie wurde gefunden. Seit Juli gibt es nun eine Dauerlösung: das SIPIZ.

Unter dem Dach des Vereins mit Sitz in Olten im Kanton Solothurn haben sich 35 Mitglieder aus den Branchen Metall, Holz und weiteren Sektoren zusammengeschlossen. Darunter sind Branchen- und Fachverbände, Hochschulen aus Zürich und Bern, eine gute Handvoll Sponsoren sowie knapp 20 Unternehmen, vor allem mittelständische Metallverarbeiter, die auf das SIPIZ angewiesen sind.

Das Angebot umfasst wie bisher Prüfungen, Inspektion und Zertifizierung. Für Prüfungen wird in einem ersten Schritt die bestehende Prüfinfrastruktur genutzt. Der Anstoß zum weiteren Aufbau von Prüfinfrastruktur sei gemacht, heißt es in einer Mitteilung. Erste Aufträge für Prüfungen sind bereits eingegangen.

Fokus auf Brandschutz

Der Angebots-Schwerpunkt des SIPIZ liegt im Bereich Brandschutz. Dafür wird aktuell noch die Infrastruktur von Glas Trösch genutzt. Daneben sollen im SIPIZ-Tätigkeitsportfolio auch weitere Zertifizierungs- und Inspektionstätigkeiten als Dienstleistungen für Produkte der beteiligten Branchen möglich sein.

Das SIPIZ erbringt ein unabhängiges Angebot zur Prüfung, Inspektion und Zertifizierung von Bauprodukten. Geschäftsführer ist Rolf Honegger, der als ehemaliger Leiter der Türenfabrik Safenwil aufgrund seines reichen Erfahrungsschatzes hinsichtlich Zertifizierung, Prüfung und Inspektion sowie als Unternehmerpersönlichkeit beste Voraussetzungen für diese Aufgabe mitbringt. Der dreiköpfige Verwaltungsrat ist einstweilen mit den aktiven Mitgliedern des Trägervereins besetzt, er gewährleistet die zielgerichtete Weiterführung der Aufbauarbeit.

„Konstruktive Zusammenarbeit“

Der Metallbauer Martin Bachmann ist erleichtert, dass es mit dem SIPIZ eine Nachfolgelösung in der Schweiz gibt. „Wir haben eine sehr konstruktive Zusammenarbeit“, sagt der Unternehmer. Bachmann ist geschäftsführender Gesellschafter der Bafri AG aus Winikon. Das Unternehmen beschäftigt knapp 40 Mitarbeiter und ist spezialisiert auf Innentüren mit Metallzargen.

Noch in diesem Herbst steht für Bachmann ein erster Termin mit dem SIPIZ an. Dann werden die Prüfexperten bei Bafri zu Gast sein, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Ein halber Tag sei zunächst vorgesehen. Dann werde man wissen, ob man noch konkrete Hausaufgaben zu erledigen habe oder ob man sich im nächsten Schritt auf den ausführlichen Audit vorbereiten kann, so Bachmanns Einschätzung. „Es ist wichtig, dass es einheitliche Normen gibt“, sagt der Unternehmer. Und das SIPIZ stehe dafür, dass alle Beteiligten sich an dieselbe Regeln halten. Bafri ist auch im Bereich Außentüren im Bereich Brandschutz und für Fluchtwege aktiv. Um seine Produkte auf den Markt zu bringen, braucht Bafri Lizenzvereinbarungen mit Herstellern, die die Systeme überwachen.

Besonders wichtig ist laut Bachmann, dass es nun weiter eine nationale Lösung geben wird. Wäre das SIPIZ nicht gegründet worden, hätte man sich nach einer Prüflösung im Ausland umsehen müssen. „Das wäre sicher nicht optimal gewesen“, so Bachmann. Neben der räumlichen Distanz hätte auch das möglicherweise fehlende oder lückenhafte Verständnis für den Schweizer Markt ein Hindernis sein können. „Wir sind besser beraten, wenn es einen lokalen Anbieter gibt“, findet Bachmann.

Steter Kontakt zu den Prüfern

Das sieht auch Dino Rickenbach so. Er ist Inhaber und Vorsitzender der Geschäftsführung beim Türenspezialisten Riwag in Arth. Vom Firmensitz bis ins Prüflabor ist es gerade mal eine Autofahrt von einer halben Stunde. Der Unternehmer arbeitet regelmäßig mit dem SIPIZ zusammen, vor allem bei Brand- und Feuerschutzprüfungen. „Immer wenn wir an einem Produkt etwas verändern“, sagt er. So gebe es zwar immer wieder Projekte, die dann auch abgeschlossen werden. Im Grunde bestehe aber ein ständiger Kontakt zu den SIPIZ-Prüfern.

Rickenbach ist es wichtig, dass das SIPIZ sein Leistungsspektrum weiter ausbaut. Es gebe viele Funktionen, die an Türen getestet und zertifiziert werden müssen. Rauchschutz und Schlagregendichtheit nennt er als weitere Beispiele. „Es wäre besser, wenn wir dafür einen Anbieter in der Schweiz hätten“, sagt Rickenbach. Zwar lässt er schon jetzt auch Prüfungen im Ausland durchführen, dies sei jedoch stets mit zusätzlichem Aufwand verbunden. So müssten manche Türen etwa für Prüfungen nach Österreich verfrachtet werden. Nach dem Test dauert es dann immer noch ein paar Tage, bis man die Ergebnisse hat. Dies könne man durch einen Dienstleister vor der eigenen Haustüre verschlanken, hofft Rickenbach. Irrelevant sei hingegen, wohin die Türen geliefert würden, da es sich ja um europäische Normen handele.

Auch für die Werkseigene Produktionskontrolle (WPK) greift Rickenbach nun auf das SIPIZ zurück. Einmal im Jahr muss diese Qualitätsprüfung durchgeführt werden. Dann kommen die SIPIZ-Ingenieure in die Fabrik und überprüfen, ob das Unternehmen den Standard einhält, zu dem es sich per Qualitätsversprechen verpflichtet hat.

Für den Chef von 75 Mitarbeitern ist es essenziell, dass durch die neue Struktur ein Prüfinstitut in der Schweiz bestehen bleibt. „Wäre das nicht der Fall, hätten wir eine Lücke im Angebot“, sagt Rickenbach.

Kooperation mit Hochschule

Auch die Berner Fachhochschule hat sich für den Erhalt des Prüflabors starkgemacht. Dabei ist aktuell noch gar nicht klar, wie eine Zusammenarbeit zwischen dem SIPIZ und der Hochschule aussehen könnte. „Wir sind dabei, das zu klären“, sagt Hochschul-Direktor René Graf. Ist das Engagement der Hochschule also mehr ein Akt der Solidarität? „Das wäre mir zu schwach formuliert“, sagt Graf. „Wir sind aus Überzeugung dabei. Weil wir wissen, dass es notwendig ist, ein solches Dienstleistungs-Angebot in der Schweiz zu erhalten.“ Ohne dieses Angebot könnten quasi keine neuen Produktentwicklungen vorankommen.

Die Hochschule ist vor allem im Bereich Brandschutzprävention aktiv. Aktuell prüfen die Berner verschiedene Optionen, wie sie ihr Angebot noch ausweiten können, um so noch mehr vom praktischen und theoretischen Wissen des SIPIZ zu profitieren. Diese Entscheidung müsse jedoch gründlich vorbereitet werden, da sie mit erheblichen Investitionen verbunden ist, so Graf.

Die Berner Fachhochschule ist aktuell bereits in der Forschung aktiv. Dieses Segment zugunsten des Brandschutzes weiter auszubauen sei eine Möglichkeit. „Noch in diesem Herbst fällt eine Entscheidung“, verspricht Graf. Die Fachhochschule sieht sich dabei aber immer an der Seite der Wirtschaft, die sich ja an erster Stelle für das SIPIZ starkgemacht hat. „Es ist Teil unserer Aufgabe, die Wirtschaft hier aktiv zu begleiten“, sagt der Hochschul-Direktor.

Info & Kontakte

Bafri AG
Dorfstrasse 37
6235 Winikon
Schweiz
Tel. +4141 9350020
info@bafri.ch
www.bafri.ch

Riwag Türen AG
Wegscheide 12
6415 Arth
Schweiz
Tel. +4141 8590010
info@riwag.ch
www.riwag.ch

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