Vielgestaltige VHF-Fassaden

Gekantete und gewellte Paneele

Für die Bekleidung von VHF bieten Dünnbleche eine große Gestaltungsvielfalt. Dieser Beitrag soll einen Überblick über die Eigenschaften der eingesetzten Materialien geben. Als Beispiele stellen wir die Produktionshalle für eine Schuhfabrik in Haßfurt und ein Lehr- und Forschungsgebäude für das KIT in Karlsruhe vor.

Als „hinterlüftet“ wird nach DIN 18516-1 eine Außenwandkonstruktion bezeichnet, bei der die außen angebrachte Wärmedämmschicht durch eine zirkulierende Luftschicht von der davor liegenden Wetterschutzschicht getrennt ist. Zum Einsatz kommen für diese äußere Wetterschutzschicht u.a. Dünnbleche, die sich durch eine große Formen-, Farb- und Oberflächenvielfalt auszeichnen. Als Dünnbleche werden im Folgenden Bleche in Materialdicken zwischen 0,5 und 3,0 mm betrachtet. Die Stabilität von Bauteilen aus Dünnblechen im Fassadenbau wird durch Rollformung (z.B. Steckpaneele) oder individuelle Kantungen im Element (z.B. Rechteckpaneele) erreicht.

Aufgrund der guten Bearbeitbarkeit haben sich vor allem die Dünnbleche aus Aluminium, Stahl, Zink und Kupfer bewährt.

Aluminium und Zink sind weiche Baustoffe, die sich gut vor Ort bearbeiten lassen und hauptsächlich in Materialdicken ab 0,7 mm eingesetzt werden. Edelstahl und Kupfer bieten einen sehr guten Korrosionsschutz, sind dafür aber um einiges preisintensiver. Stahl (verzinkt und beschichtet) hingegen zeichnet sich durch seine hohe Tragfähigkeit aus.

Oberflächen und Beschichtungen

Aluminium, Zink und Kupfer bzw. deren Legierungen haben im Bauwesen eine lange Tradition und der Einsatz war recht zweckmäßig auf die Nutzung der sich natürlich entwickelnden Oxidschichten ausgelegt. Diese verändern sich langsam und ungleichmäßig, je nach Umgebungseinflüssen. Es wird im weiteren Verlauf eine Patina gebildet, die einen natürlichen Schutz vor abtragender Korrosion bietet. Beim Stahl muss eine zusätzliche Schutzschicht (z.B. durch Verzinkung) aufgebracht werden.
Im Fassadenbau haben sich in den vergangenen Jahren vor allem beim Aluminium und Stahl dekorative Bandbeschichtungen etabliert. Durch den industriellen Beschichtungsprozess wird eine hohe Wirtschaftlichkeit erreicht. Ab Flächen von ca. 500 m² sind vielfältige objektspezifische Farben, Oberflächendekore oder auch Effekte (z.B. Farbchangierungen) möglich. Aluminium bietet darüber hinaus noch die Möglichkeit einer Eloxaloberfläche. Diese ist − grob gesagt − die Bildung einer sehr resistenten Oxidschicht im Zeitraffer, unter kontrollierten Bedingungen. Bei der Eloxaloberfläche steht jedoch weniger der exzellente Korrosionsschutz im Vordergrund des Interesses, als vielmehr das individuelle und sehr hochwertige Erscheinungsbild. Eloxal wird vor allem bei großformatigen Kassettenelementen eingesetzt.
Generell Vorsicht walten lassen muss man bei Meerwasser- oder Industrieatmosphäre. So ist wegen der salzhaltigen Luft in Küstennähe oder der belasteten Luft, z.B. im Hamburger Raum, die Eignung eines bestimmten Materials oder einer bestimmten Beschichtung im Einzelfall vom Hersteller zu prüfen.

Anwendungsbereiche

„Bezogen auf die bandbeschichteten Aluminium- oder Stahlelemente ist in meiner täglichen Arbeit ersichtlich, dass viele Planer Stahl eher mit verzinkten Tragwerksanwendungen und weniger mit dekorativen Fassadenelementen in Verbindung bringen“, sagt Christian Weiß, Fachberater im Bereich Projekt und Anwendungstechnik von Hans Laukien. Somit komme Aluminium häufiger zum Einsatz; die Möglichkeiten der Oberflächengestaltung sind jedoch annähernd gleich. Einen Trend sieht der Fachberater aktuell im Bereich der Eloxaloberflächen des Aluminiums.
Bei der Ausführung von Dünnblechen haben sich zwei wirtschaftliche Alternativen herauskristallisiert: zum einen der Einsatz bandbeschichteter Bleche, deren Beschichtung hinsichtlich Farbe, Glanzgrad und Oberfläche einer Eloxal-Optik sehr nahe kommt, und zum anderen der Einsatz von bandeloxierten Aluminiumblechen, bei denen die Eloxalschicht in einer dünneren Schichtdicke aufgebracht ist als bei herkömmlichen Stückeloxal.
Auch sind matte Oberflächen (z.B. Laukien bauhausstil naturmatt) aktuell sehr gefragt. Die Farben wirken viel tiefer bzw. kräftiger und werden dadurch hervorgehoben. Durch die geringe Reflexion werden mögliche Unebenheiten sehr viel weniger wahrgenommen.

Kombination mit gelochten  Elementen

Ein häufiges Gestaltungsmittel ist der Einsatz gelochter bzw. teilgelochter Fassadenelemente (siehe S. 57 Bericht zur Schuhfabrik in Haßfurt). Zu Zwecken des Sonnenschutzes oder der Gestaltung können die Fassadenelemente vollflächig oder in definierten Teilbereichen gelocht werden. Der Lochanteil sollte aus Gründen der Stabilität 35 Prozent nicht überschreiten. Die Fassade erhält eine Art Vorhangeffekt; die dahinterliegenden Fenster oder Fensterbänder werden kaum wahrgenommen. Christian Weiß: „Generell ist zu sagen, dass es bei der Planung und Gestaltung individueller Metallfassaden ein Konglomerat aus Ansprüchen, Möglichkeiten, Wirtschaftlichkeit, aber auch Gestaltungsgrenzen gibt. Die genannten Punkte werden mit dem Bauherrn, dem Architekten oder dem Verarbeiter diskutiert, um im weiteren Verlauf die Spezifikationen der Fassadenbauteile exakt zu definieren. Wir begleiten das Objekt daher auf Wunsch in allen Leistungsphasen.“

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