Marktzahlen

Weltleitmesse BAU

Zur Lage der Bauwirtschaft

Das Bauhauptgewerbe in Deutschland beschäftigt ca. 800.000 Menschen. Nach Information von Ludwig Dorffmeister, am ifo Institut München Fachreferent für Bau- und Immobilienforschung, hat hierzulande im Jahr 2018 der Bauvolumenswert – nominal (ca. 390 Mrd. Euro) – im steten Aufwärtstrend seit 2009 den Zenit erreicht.

Unter den Fachbesuchern der BAU dominiert nach wie vor das Bau- und Ausbaugewerbe mit einem Anteil von 37 Prozent, der Handel folgt mit 30 Prozent und die Architekten und Planer mit 26 Prozent. Ein Drittel der rund 250.000 Besucher sind im Jahr 2017 aus dem Ausland zur BAU angereist.

Gute Vorzeichen

Die Vorzeichen für das Treffen der Bauwirtschaft sind günstig. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe rechnet, ähnlich wie in diesem Jahr, mit einem Umsatzwachstum von fünf bis sechs Prozent, das nach wie vor maßgeblich vom Wohnungsbau bzw. vom Mehrfamilienhausbau getrieben wird, wie Dieter Schäfer, Vorsitzender des Ausstellungsbeirats der BAU, bei der Fachpressekonferenz berichtete. Doch das positive konjunkturelle Umfeld wird überlagert von Meldungen über Wohnungsknappheit in Ballungsräumen und Großstädten, steigende Mieten trotz Mietpreisbremse, marode Schulen. Die Regierung möchte Abhilfe schaffen und hat sich in dieser Legislaturperiode das Ziel gesetzt, 1,5 Millionen Wohnungen zu schaffen, insbesondere im Geschosswohnungsbau. Merkliche Fortschritte für die Effizienz der Bauwirtschaft dürfen vom umfassenderen Einsatz digitaler Planungswerkzeuge erwartet werden: „Hier haben wir im internationalen Vergleich noch Aufholbedarf, zumindest, was die Anwendung dieser Werkzeuge beim Planen und Bauen angeht“, stellte Schäfer fest. In diesem Sinne hat die Messe München in Kooperation mit dem Bundesverband Bausoftware die „digitalBAU“ ins Leben gerufen, die im Februar 2020 erstmals in Köln stattfindet.

Zahlen aus dem ifo-Institut

Gute Nachrichten hatte auch Ludwig Dorffmeister vom ifo Institut München parat. Seit 2014 befindet sich die Bauwirtschaft in Europa (bezogen auf die 19 Länder des Euroconstruct-Netzwerks) wieder auf einem robusten Wachstumspfad. Bis 2017 hat sich die Erholung zudem immer weiter beschleunigt, der erzielte Anstieg um knapp 4 Prozent war der drittstärkste innerhalb der vergangenen 27 Jahre. Mittelfristig dürfte der Aufschwung allerdings immer weiter an Schwung verlieren. So wird für das Jahr 2020 nur noch mit einer Zunahme von 1,4 Prozent gerechnet.
In den vergangenen Jahren zählte der Wohnungsbau bzw. der Neubau von Wohn- sowie Nichtwohngebäuden zu den Wachstumstreibern. An ihre Stelle tritt nunmehr der Tiefbau, der 2018 und 2019 mit jeweils ca. 4,5 Prozent zunehmen dürfte. Im Hochbau wird der Bestandssektor, der neben Modernisierungen auch die Instandhaltung von Gebäuden umfasst, im Zeitraum 2018 bis 2020 zwischen 1 und 1,5 Prozent pro Jahr zulegen. Dies ist von Bedeutung, da auf ihn mehr als die Hälfte aller Hochbaumaßnahmen in Europa entfällt.
Der aktuelle Aufschwung im Bausektor wird maßgeblich von der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung getragen. Weitere Impulse kommen vom sehr niedrigen Zinsniveau und einer verstärkten Zu- und Binnenwanderung. Daneben spielt der seit der Finanzkrise aufgelaufene Nachholbedarf in etlichen europäischen Ländern eine wichtige Rolle. Angesichts dieser positiven Rahmenbedingungen ist auch auf mittlere Sicht von einer Ausweitung der Bauleistung auszugehen.
Bislang gingen die Zuwächse bei der Bautätigkeit maßgeblich auf die günstige Entwicklung in Nordeuropa sowie in Ländern wie beispielsweise Polen, der Schweiz oder Deutschland zurück. In diesen drei Ländern dürfte sich künftig nach Info von Dorffmeister die Baunachfrage zumeist deutlich abschwächen. Diese Entwicklung zählt zu den Hauptgründen des immer schwächer werdenden Wachstums des europäischen Bauvolumens bis zum Ende des laufenden Jahrzehnts.
Von Spanien, Italien oder der Slowakei sind in den kommenden Jahren keine großen Sprünge zu erwarten. Der portugiesische Markt scheint wieder die Kurve genommen zu haben. Eine Aufwärtsentwicklung wie in Irland ist eine Ausnahme.

In Deutschland dürfte der Bauvolumenwert für 2018 – nominal rund 390 Mrd. Euro – das Niveau von 2009 real um mehr als 15 Prozent übertreffen. In den kommenden Jahren wird nach den Prognosen des ifo-Mitarbeiters die Bautätigkeit aber nicht mehr weiter zunehmen: Erstens geht dem Wohnungsneubau so langsam die Luft aus, ohne dass jedoch mittelfristig mit erheblichen Einbußen zu rechnen ist. Gleichwohl befindet sich der Umfang der nach wie vor dominierenden Bestandsmaßnahmen schon seit mehr als zehn Jahren auf einem exorbitant hohen Niveau. Hier sind keine größeren Sprünge mehr zu erwarten – eher sogar ein (leichter) Rückgang. Darüber hinaus deutet die Entwicklung für den zweitwichtigsten Bereich, den Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern, nach unten. Dies hat insbesondere mit der Alterung der Gesellschaft und dem steigenden Angebot von Gebrauchtimmobilien zu tun. Bleibt noch der Neubau von Mehrfamiliengebäuden: Für diese besteht auch weiterhin ein großer Bedarf. Allerdings sind die aktuellen Rahmenbedingungen für eine deutliche Erhöhung der jährlichen Fertigstellungszahlen von Geschosswohnungen nicht günstig genug. Zwar stehen die Investoren Schlange, dafür sorgen etwa die niedrigen Zinsen oder auch hohe Einkommenszuwächse der Privathaushalte.
Eine rasche Realisierung von Wohnprojekten wird nach Ansicht von Dorffmeister gedämpft durch eine schleppende Ausweisung von Bauland, Kapazitätsengpässe aufseiten der Bauwirtschaft sowie die zunehmende Bürokratie und Anwohnerproteste. Wie es aussieht, markiert die Genehmigungszahl für 2016 bereits den Höhepunkt des aktuellen Wohnungsbaubooms. Daran dürften auch nachfragepolitische Maßnahmen, wie die Einführung des Baukindergeldes, nichts ändern.
Zweitens dürfte der aktuelle Aufschwung im Nichtwohnhochbau bis zum Ende des Jahrzehnts auslaufen. Zwar investieren Firmen und Kommunen derzeit stark in die Errichtung neuer Nichtwohngebäude. Dies dürfte aber nur vorübergehender Natur sein. Trotz günstiger Rahmenbedingungen weist dieser Bereich für den Zeitraum seit 2009 lediglich eine Seitwärtsbewegung auf. Unternehmen haben in den vergangenen Jahren ihre Bestandsmaßnahmen zurückgefahren. Die Zuschussprogramme des Bundes für finanzschwache Gemeinden, die gerade auf die Sanierung von Bestandsbauten abzielen, werden durch Engpässe im Handwerk konterkariert. Generell sind die hohe Auslastung des Baugewerbes und die dadurch kräftig gestiegenen Preise – nicht nur im Nichtwohnhochbau – das alles beherrschende Thema. Die hohen Preiszuwächse für Bauleistungen egalisieren einen wesentlichen Teil der wiedergewonnenen Finanzierungsspielräume der öffentlichen Hand. Die Kommunen klagen zudem immer häufiger über eine mangelnde Beteiligung an öffentlichen Ausschreibungen.
Drittens ist die Investitionsoffensive des Bundes im Tiefbausektor 2018 schon fast abgeschlossen. So hat der Bund seine Haushaltsausgaben für die überregionalen Verkehrsnetze in den letzten Jahren erheblich ausgeweitet. Die Mittel für die Bundesschienenwege gehen 2018 nominal schon wieder zurück, während bei den Bundesfernstraßen im nächsten Jahr eine weitere Aufstockung erfolgt. Gerade im Tiefbau nehmen die Preise derzeit besonders stark zu. Darüber hinaus dürften von den anderen Tiefbausegmenten, wie etwa dem Energiesektor, zukünftig kaum nennenswerte Impulse ausgehen.⇥ sm ◊

Die neuen Hallen C5 & C6

Über den Eingang Ost gelangen Besucher am schnellsten in die neuen Hallen: In C5 finden sich IT-Lösungen –  beispielsweise der Gemeinschaftsstand von Orgadata, CAD-Plan, T.A. Project und KKP Soft-Ing.team. In Halle C6 mit den Ausstellern der Bauwerkzeuge ist der „Treffpunkt Handwerk“ angesiedelt. Dort können am Handwerker-Architekten-Stammtisch Baubeteiligte auf Augenhöhe ins Gespräch kommen.