Interview

Werner Bartholomeus, Unternehmer

„Wir können mit allen Profilen kalkulieren“

Bartholomeus Metallbau verarbeitet zu 80% Systemprofile von Schüco, nichtsdestotrotz ist der Betrieb im Jahr 2015 von der Kalkulationssoftware SchüCal auf LogiKal gewechselt. Wir waren am Betriebsstandort Bergen und haben Werner Bartholomeus nach den Vorteilen gefragt. Der Metallbauer beschäftigt derzeit 65 Mitarbeiter und würde ab sofort zehn weitere Fachkräfte einstellen.

metallbau: Aus welchen Gründen sind Sie von SchüCal und JANIsoft auf LogiKal umgestiegen?

Werner Bartholomeus: Wir haben in den 1990-er Jahren fast ausschließlich Aluprofile von Schüco und Stahlprofile von Jansen verarbeitet und dafür die herstellereigenen Softwareprogramme genutzt. Zunächst haben wir zwei Lizenzen für LogiKal angeschafft, weil wir mit einem Architekten kooperiert haben, der den Bauherren zu einem anderen System beraten hat.

 

metallbau: Sie hätten doch den Architekten auch vom Wechsel zu Systemprofilen von Schüco überzeugen können?!

Bartholomeus: Wenn Architekt und Systemhaus bereits kooperieren, bevor der Metallbauer ins Boot geholt wird, ist es meist effizienter auch in dem System auszuführen, das in den bereits vorliegenden Plänen berücksichtigt wurde. Ansonsten muss der Metallbauer eine Mehrarbeit leisten, die ihm meist nicht bezahlt wird. Machen wir das dennoch, dann muss es dafür einen klaren technischen oder kostenspezifischen Grund geben.  

 

metallbau: Weil Sie also ihre Konstruktionen systemunabhängig  anbieten wollten, haben Sie vorübergehend drei Kalkulationsprogramme eingesetzt.

Bartholomeus: Ja, und das war uns auf Dauer zu umständlich und kostenfrei sind die herstellereigenen Programme auch nicht. Also haben wir uns dann für LogiKal entschieden und zusätzlich die einzelnen Lizenzen für die Datenbanken der Profilhersteller gemietet. Ein weiterer Grund war, dass wir ERPlus von T.A. Project implementiert hatten und dadurch zwei verschiedene Datensätze von Schüco in ERPlus hatten, was zu diversen Problemen geführt hat.

 

metallbau: Welche Probleme gab es damals?

Bartholomeus: Beim Importieren von Daten aus LogiKal kam es in ERPlus zu falschen Bestellungen, da in ERPlus die Stammdaten aus SchüCal eingepflegt waren. Neben der herstellerübergreifenden Kalkulation war das ein weiterer Grund für den Wechsel zu LogiKal.

metallbau: Mit wie vielen LogiKal-Lizenzen arbeiten Sie heute?

Bartholomeus: Aktuell haben wir zehn Lizenzen, für die wir monatlich insgesamt zwischen 5.000 – 6.000 Euro an Orgadata zahlen. Hinzukommen die Lizenzgebühren für die Datenbanken der Profilhersteller.

 

metallbau: Wie schnell können Sie diese Plugins von den Systemlieferanten generieren und wieder stilllegen?

Bartholomeus: In der Regel können wir innerhalb von zwei Tagen mit den Datenbanken der Systemlieferanten in LogiKal arbeiten.

 

metallbau: Für welche Systemlieferanten nutzen Sie aktuell LogiKal?

Bartholomeus: Für Schüco, Jansen, RP Technik, Raico, Hueck und Wicona. Die Daten werden angefangen bei der Kalkulation über die Arbeitsvorbereitung bis hin zur Einspeisung in die Maschinen genutzt. Diese Lizenzen kosten je System ca. 20 Euro im Monat. Brauchen wir sie nicht mehr, werden sie stillgelegt.

 

metallbau: Und nun sind Sie mit dieser Zusammenstellung der Software zufrieden?

Bartholomeus: Ja, dass wir herstellerübergreifend Profile verarbeiten können, ist ein Vorteil ebenso wie es durch diese Betriebsabläufe auch möglich ist, Beschlagskomponenten von unterschiedlichen Zulieferern in der Kalkulation zu berücksichtigen. Mit diesem speziellen Angebot können wir uns im Markt sehr gut positionieren.

 

metallbau: Haben Sie dafür ein Beispiel?

Bartholomeus: Möchte ein Bauherr oder Architekt eine Vergleichskalkulation mit einem anderen Systemprofil, ist es für uns ein Leichtes, einen baulichen Entwurf einfach mit einem anderen System zu checken. Auch für die betrieblichen Arbeitsabläufe ist es günstiger, wenn sich die Mitarbeiter nur in das jeweilige System neu eindenken müssen und die Programmabläufe der Software herstellerübergreifend immer die gleichen sind.

metallbau: Geht es auch um Kosteneinsparungen?

Bartholomeus: Im Segment Brandschutz gibt es schon signifikante Preisunterschiede, für den sich ein Kalkulationsvergleich mit unterschiedlichen Profilen lohnen kann; ansonsten eher nicht. Prinzipiell liegt der Anteil der Materialkosten, die wir ans Systemhaus zahlen in Bezug auf den Auftragswert bei 20 bis 25 %. Der Kostenunterschied, ob wir mit dem einen oder anderen Systemhaus zusammenarbeiten, fällt auftragsbezogen nicht größer als 1 - 2% aus. Es gilt: Am Einkaufspreis des Systems entscheidet sich nicht, ob der Auftrag gut läuft.

 

metallbau: Hätten Sie dann ein Beispiel, bei dem der technische Vorteil deutlich wird?

Bartholomeus: Wir führen derzeit bei einem gewerblichen Gebäude die Fassade mit Systemprofilen von Schüco aus und das Lichtdach mit Profilen von Raico – in der Ausschreibung waren ursprünglich Systemlichtdächer vorgeschlagen. Das ist eben der entscheidende Pluspunkt an LogiKal. Wir können für den spezifischen Anwendungsfall herstellerübergreifend das beste Produkt empfehlen.

 

metallbau: Wie ist das mit der Produktwahl, welchen Einfluss haben Metallbauer darauf in der Praxis?

Bartholomeus: Bei öffentlichen Ausschreibungen sind wir zu 100 % in der Wahl unserer Produkte frei, bei gewerblichen etwa zu 20 %. Prinzipiell bin ich mir jedoch sicher, schlagen wir ein Produkt vor, mit dem die technischen und optischen Wünsche des Architekten bzw. Bauherren im vorgegebenen Budgetrahmen umgesetzt werden, dann wird unser Vorschlag zu 99 % bestätigt — unabhängig davon, ob und was in der Ausschreibung empfohlen wird. Anderseits lassen wir Metallbauer uns von der Vorplanung beeinflussen, vor allem, weil eine alternative Umsetzung meist unbezahlte Mehrarbeit bedeutet.

 

metallbau:  Wie bewerten Sie die aktuelle Lage für Metallbaubetriebe?

Bartholomeus: Es hat schon schlechtere Zeiten für unser Gewerk gegeben; im öffentlichen und gewerblichen Bau haben wir eine normale Konjunktur, der private Bau boomt.

 

metallbau: Was ist mit den Folgen von Corona?

Bartholomeus: Das Covid-19 Virus hat für jedes Unternehmen extreme Kosten verursacht. Bei uns fallen seit Wochen schon regelmäßig zwei bis drei Mitarbeiter für 14 Tage aus. Das belastet und kostet. Auch die neue Infrastruktur, alle Arbeitsplätze parallel im Home-Office zur Verfügung zu haben, war eine ungeplante Investition. Viele Unternehmerkollegen haben im vergangenen Jahr von Panik getrieben mit schlecht kalkulierten Aufträgen und ohne Preisgleitklausel Zuschläge ergattert und müssen diese jetzt oft bis ins Jahr 2023 ohne Mehrvergütungsansprüche für gestiegene Einkaufspreise ausführen. Ein weiteres Problem ist, dass es vermehrt zu Bauverzögerungen kommt und dann Betriebe sich kurzfristig Aufträge zur Auslastung ihrer Personalkapazitäten ins Haus holen müssen. Das sind Probleme, die sich zwangsläufig auf die Ertragslage auswirken. Deshalb fürchte ich, dass im Laufe der nächsten zwei Jahre sich der Markt verändern wird. Die Anforderungen und Produktvielfalt wird immer komplexer und wir verkaufen unsere Leistungen viel zu günstig!

www.metallbau-bartholomeus.de

LogiKal Version 12

Neu findet sich in der 12er-Version LogiKal von Orgadata beispielsweise das Projektcenter – der Bereich in der Software, in dem alle Projekte angelegt werden. „Darüber hinaus haben wir in der Elementeingabe eine neue Ansicht, die 3D-Ansicht, eingeführt, das Bedienkonzept weiter verbessert und vieles mehr“, berichtet Sebastian Bode von Orgadata, und weist auf die überarbeitete Optik hin: „Wir haben die Optik und das Bedienkonzept an aktuelle Office-Produkte von Microsoft angepasst, um die Navigation so einfach und klar wie möglich zu machen. Mit der Arbeitsweise der Office-Lösungen kennen sich die Benutzer schon aus“, erläutert Bode. Er versichert, dass es keine größere Umgewöhnung geben wird, weil in der 12er-Version alles noch schneller und intuitiver bedienbar ist. Und alle Funktionen lassen sich auch in der neuen Umgebung direkt wiederfinden. „Wer die Version 11 bedienen konnte, kann auch sehr schnell die 12er bedienen. Die Logik hinter beiden Versionen ist die gleiche, auch wenn es künftig anders aussieht.“

Das neue BIM-Modul in LogiKal präsentiert Orgadata während der digitalBau vom 31. Mai bis zum 2. Juni 2022 in Köln. Damit wird die Arbeitsmethode BIM für den Fenster-, Türen- und Fassadenbau vorteilhaft anwendbar.

Orgadata auf digitalBAU: Halle H1. 103A

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