Fassadenbau

Musée du Débarquement, Normandie

Architektur des Erinnerns in Arromanches-les-Bains

An einem der symbolträchtigsten Orte der Normandie, an dem die Überreste des künstlichen Hafens „Mulberry B“ bis heute von der Landung der Alliierten im Jahr 1944 zeugen, hat das Pariser Büro Projectiles einen neuen Gedenkort geschaffen. Das Musée du Débarquement in Arromanches-les-Bains ersetzt den Ursprungsbau aus den 1950er-Jahren durch eine Architektur, die den Dialog mit der Landschaft sucht. Der Neubau fasst die historische Bedeutung des Ortes in eine klare Form und macht die Küstenlinie selbst zum Teil der Ausstellung. Die Stahlprofilsysteme ermöglichen die grossflächige Transparenz der Fassade und bringen die architektonische Vision zur Geltung.

„Wenn die Relikte verschwunden sein werden, bleibt das Museum“ – mit diesem Leitgedanken entwickelten die Architekten von Projectiles einen Bau, der die Erinnerung über den physischen Bestand hinaus bewahrt. Der Entwurf folgt der Idee eines Landschaftsmuseums. Eine klar strukturierte Fassade aus hellem Beton umschliesst den Baukörper im sensiblen Kontext zwischen Dorf und Küste.

Geografie & Gebäude im Dialog

Acht Meter hohe Stützen, ein weit auskragendes Vordach und Unterzüge mit Spannweiten von bis zu zwölf Metern definieren die konstruktive Ordnung des Gebäudes. Sie ermöglichen grosszügige, stützenfreie Ausstellungsflächen und lassen sich direkt im Fassadenraster ablesen. Die Anmutung erinnert an die Phoenix-Wellenbrecher, die zur Anlandung der Alliierten als gewaltige Beton Senkkästen ins Meer eingelassen wurden. Zwischen den Betonstützen öffnen grossformatige Verglasungen den Blick auf die Küstenlinie – die Architektur fungiert hier als präzise gefasstes Passepartout für die Erinnerung.

Beständigkeit am Meer

Die unmittelbare Lage an der Gezeitengrenze stellte das Projektteam vor besondere Herausforderungen. Um der salzhaltigen Gischt dauerhaft zu begegnen, wurde eine differenzierte Materialstrategie entwickelt. So konnten die grossformatigen Scheiben mit Höhen von bis zu viereinhalb Metern mit äusserst schlanken Profilen kombiniert und die filigrane Ästhetik des Entwurfes übernommen werden, ohne das Fassadenraster visuell zu dominieren. An der bewitterten Aussenseite der Pfosten-Riegel-Fassade mit forster thermfix vario gewährleisten Deckschalen aus Edelstahl (Inox) eine hohe Korrosionsbeständigkeit. Diese Hybridlösung vereint Korrosionsschutz und strukturelle Leistungsfähigkeit in einem präzise abgestimmten System – eine konsequente Antwort auf das maritime Umfeld.

Materialkontinuität und Sicherheit

Im Bereich der Zugänge setzt sich die materialtechnische Logik fort. In die Fassadenebene sind zweiflügelige Eingangstüren und Notausgänge mit dem System forster unico integriert. Die thermisch getrennten Profile fügen sich nahtlos in die grossflächige Pfosten-Riegel-Konstruktion ein und übernehmen zugleich sicherheitsrelevante Funktionen innerhalb der transparenten Gebäudehülle.

Im Inneren kommen Brandschutztüren der Serie forster fuego light EI60 zum Einsatz. Sie strukturieren die Übergänge zwischen den Ausstellungsbereichen und gewährleisten die geforderte Feuerwiderstandsdauer, ohne die offene Raumwirkung zu beeinträchtigen. Dank der schlanken Stahlprofile bleibt hier die architektonische Kontinuität gewahrt. So ist ein Museumsbau entstanden, dessen technische Präzision nicht Selbstzweck ist, sondern die Grundlage für eine Architektur bildet, die Landschaft und Geschichte gleichermassen rahmt und Erinnerung in eine dauerhafte konstruktive Ordnung übersetzt.

www.renouard-sa.fr

www.forstersystems.com

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