Portal im Kleid aus Tombak
Famler vertraut präzisem MetallbauEin Eingangsportal ist nie nur ein Bauteil. Es ist Schnittstelle zwischen Stadt und Innenraum, zwischen Passanten und Kunden, zwischen Nutzung und Gestaltung sowie zwischen bestehender Bausubstanz und neuer technischer Lösung. Famler Einrichtungen in Salzburg hat Metalltechnik Wenger mit einem maßgeschneiderten Metallbauprojekt beauftragt. Der Salzburger Handwerksbetrieb wurde für die Umsetzung in der Kategorie „Auftragsvolumen bis 100.000 Euro“ mit dem Österreichischen Metallbaupreis ausgezeichnet.
Entstanden ist ein Geschäftseingang in der Innenstadt von Salzburg, der die Bestandsarchitektur respektiert und gleichzeitig durch Materialwahl, Fügung und Detaillierung eine eigenständige Präsenz entwickelt. „Im Vergleich zu vielen anderen Eingangstüren hebt sich das Projekt durch ein individuell entwickeltes Design, die komplexe Umsetzung im Bestand, sauber gefügte Anschlüsse und eine konsequente Materialwahl ab“, erklärt Thomas Wenger, Geschäftsführer der Schlosserei Wenger in Salzburg.
Tombak als architektonische Baubronze
Das prägende Element des Eingangbereichs ist die Verkleidung mit Tombakblech. „Tombak ist ein kupferreiches Messing, also eine Kupfer-Zink-Legierung; im architektonischen Sprachgebrauch wird es häufig als Baubronze geführt. Metallurgisch ist Tombak jedoch keine klassische Zinnbronze“, erläutert der Metallbaumeister. Genau diese Werkstoffcharakteristik macht den Reiz des Portals aus: Die Oberfläche besitzt eine warme, metallische Tiefe, wirkt hochwertig, aber nicht aufdringlich und entwickelt unter natürlicher Bewitterung eine eigene Patina. Die Oberfläche bleibt dadurch nicht statisch, sondern altert werkstofftypisch.
Die Wahl von Tombak erfolgte ausdrücklich auf Kundenwunsch. „Technisch ist das bemerkenswert, weil Tombak im klassischen Metallbaubetrieb kein alltäglicher Werkstoff ist“, so Wenger. „Die Beschaffung ist anspruchsvoller als bei Standardblechen, da geeignete Formate und Blechstärken typischerweise über Spezialhändler bezogen werden müssen.“ Auch die Verarbeitung verlangt erhöhte Aufmerksamkeit: Das Fügen durch Schweißen ist je nach Legierung, Bauteilgeometrie und Sichtflächenanforderung möglich, bei polierten Sichtflächen aber wegen Wärmeeinbringung, Verzug und Verfärbungen besonders sorgfältig zu planen. Die polierte Oberfläche ist empfindlich gegen Kratzer, Druckstellen und Verschmutzungen. Beim Zuschnitt, Biegen, bei der Handhabung und Montage musste deshalb besonders sauber und sorgfältig gearbeitet werden. Bearbeitete Flächen wurden geschliffen und poliert; eine künstliche Endbeschichtung war nicht Ziel des Konzepts. „Die natürliche Witterung soll die materialtypische Patina entstehen lassen“, betont Wenger.
3D-Aufmaß und millimetergenaue Planung
Die besondere Qualität dieses Projekts liegt nicht in der Größe, sondern in der Präzision. Entwurf, Planung und Umsetzung aus einer Hand waren vorteilhaft für ein Projekt, bei dem millimetergenau gearbeitet werden musste.
Gerade bei einem Eingangsportal im Bestand entscheidet die Genauigkeit des Aufmaßes über die vorausschauende Montagequalität. Wenger erzählt: „Unebenheiten, nicht parallele Ebenen, Toleranzen im Mauerwerk und Abweichungen der vorhandenen Geometrie können bei großformatigen Metallpaneelen schnell sichtbar werden. Deshalb wurde das Aufmaß mit einem 3D-Scanner aufgenommen.“ Auf dieser Grundlage entstand die 3D-Planung der Konstruktion.
Die digitale Bestandsaufnahme reduziert nicht nur das Risiko bei der Fertigung, sondern ermöglicht auch eine vorausschauende Einbaufolge. Anschlüsse, Fugenbilder, Befestigungspunkte und Justierbereiche können bereits in der Werkplanung definiert werden. Bei diesem Projekt wurde im Millimeterbereich gearbeitet. „Wir konnten die Tombakpaneele so vorbereiten, dass sie trotz Bestandsgeometrie passgenau anschließen und ein ruhiges, hochwertiges Gesamtbild erzeugen.“
Aluunterkonstruktion für Toleranzausgleich
Die seitlichen Paneele wurden nicht direkt auf den Baukörper gesetzt, sondern über eine Aluminium-Unterkonstruktion befestigt. Auf diese Unterkonstruktion wurden die Paneele verklebt. Entscheidend ist dabei eine dauerhafte elektrochemische Trennung zwischen Tombak und Aluminium, etwa über das Klebesystem und geeignete Trennlagen, damit bei Feuchteeinwirkung kein Kontaktkorrosionsrisiko entsteht. Diese Lösung erfüllt mehrere Anforderungen gleichzeitig, hebt Wenger hervor: „Sie schafft eine definierte Montageebene, ermöglicht konstruktiven Toleranzausgleich und vermeidet sichtbare Befestigungspunkte auf der hochwertigen Tombakoberfläche.“ Gerade bei polierten oder fein bearbeiteten Metalloberflächen ist die verdeckte Befestigung gestalterisch und technisch sinnvoll. Sichtbare Schrauben, Nieten oder Klemmpunkte hätten das ruhige Flächenbild gestört. Die Verklebung auf einer tragfähigen Aluminium-Unterkonstruktion erlaubt dagegen eine klare, plane Ansicht. Gleichzeitig kann der Unterbau so dimensioniert werden, dass die Verkleidung im täglichen Betrieb robust bleibt. Die Eingangssituation ist nutzungsintensiv: Berührungen, Anstöße, Reinigungsarbeiten und mechanische Beanspruchungen sind realistische Lastfälle. Die Dimensionierung der Unterkonstruktion hat daher wesentlich zur Gebrauchstauglichkeit beigetragen.
Tür aus Janisol-Profilen
Für die Eingangstür kamen Janisol-Türprofile von Jansen zum Einsatz. Das Schweizer Stahlprofilsystem wurde über den Handelspartner AluKönigStahl bezogen, zunächst pulverbeschichtet und anschließend im Außenbereich mit Tombakblech verkleidet. Damit verbindet die Tür zwei Ebenen: innen die technische Leistungsfähigkeit eines bewährten Stahlprofilsystems, außen die gestalterische Kontinuität der Tombakverkleidung.
Die Wahl eines schlanken Stahlprofilsystems ist naheliegend. Stahl erlaubt eine hohe Tragfähigkeit bei vergleichsweise schmalen Ansichtsbreiten. Gleichzeitig bietet ein System wie Janisol definierte Profilgeometrien, geprüfte Systemdetails und planbare Anschlüsse. Wenger erläutert: „Im Bestand ist das besonders wichtig, weil die neue Konstruktion nicht beliebig frei entwickelt werden kann, sondern mit vorhandenen Laibungen, Schwellen, Wandanschlüssen und Bewegungsfugen zusammenspielen muss.“
Die Pulverbeschichtung der Türkonstruktion sorgt für eine saubere, dauerhafte Oberfläche. Die äußere Tombakverkleidung übernimmt die gestalterische Rolle und bindet die Tür optisch in die Portalflächen ein. Dadurch entsteht kein additiv wirkendes Türblatt, sondern eine durchgängige Ansicht des Portals.
Systemgerecht im Bestand eingebaut
Die Tür wurde gemäß den Systemvorgaben des Profilherstellers und den einschlägigen Normen in den Bestand eingebaut. Bei solchen Konstruktionen ist das mehr als eine formale Aussage. Entscheidend sind dauerhafte Anschlüsse zwischen Stahlkonstruktion, Baukörper und Verkleidung. Feuchtebeanspruchung, thermische Längenänderungen und unterschiedliche Materialeigenschaften müssen konstruktiv berücksichtigt werden.
Tombak, Aluminium, Stahlprofile und der vorhandene Baukörper verhalten sich unterschiedlich. Deshalb benötigt die Konstruktion definierte Befestigungspunkte, ausreichende Justiermöglichkeiten und Anschlussdetails, die Bewegungen nicht unkontrolliert in die Oberfläche übertragen. Gerade bei der Kombination von kupferreichen Legierungen und Aluminium ist eine elektrochemisch getrennte Ausbildung konstruktiv entscheidend. Die Aluminium-Unterkonstruktion bildet dabei eine wichtige Zwischenebene. Sie erlaubt eine präzise Ausrichtung der Paneele und reduziert das Risiko, dass Unebenheiten des Bestands direkt in der sichtbaren Tombakfläche ablesbar werden.
Für Schlosser steckt hier eine zentrale Lehre, wie Wenger feststellt: „Hochwertige Metalloberflächen funktionieren nur dann dauerhaft, wenn der Unterbau mindestens ebenso sorgfältig geplant wird wie die sichtbare Schicht.“
Fertigung und Schutz der Oberfläche
Die Verarbeitung von Tombak verlangt eine saubere Werkstattlogistik. Polierte Bleche verzeihen keine grobe Behandlung. Schon beim Einlegen in Maschinen, beim Transport zwischen den Arbeitsstationen und beim Zwischenlagern können Schäden entstehen. Der Fertigungsprozess musste daher auf Oberflächenschutz, saubere Auflagen und kontrollierte Handhabung ausgelegt werden.
Die bearbeiteten Flächen wurden geschliffen und poliert. Damit blieb der Materialcharakter erhalten, ohne eine künstlich gleichförmige Oberfläche zu erzwingen. Gerade das ist bei Tombak entscheidend: Der Werkstoff gewinnt durch Alterung. „Eine zu stark versiegelte oder technisch überformte Oberfläche würde den gewünschten Patinaeffekt reduzieren. Das Portal ist damit nicht nur ein präzise gefertigtes Bauteil, sondern auch ein Bauteil mit geplanter materialtypischer Veränderung“, so Wenger.
Maximale Vorfertigung
Die Montage profitierte von der intensiven Vorbereitung. Durch die 3D-Planung und die vorab geschaffenen Justiermöglichkeiten zwischen Unterbau und Verkleidung konnte der Einbau zügig durchgeführt werden. Das ist bei laufendem Betrieb oder in sensiblem Bestand ein wesentlicher Vorteil. Je kürzer die Montagezeit vor Ort, desto geringer sind Störungen und Risiken für angrenzende Bauteile; zugleich sinkt der Bedarf an provisorischen Schutzmaßnahmen.
Die Justierbarkeit war dabei nicht als nachträgliche Korrektur gedacht, sondern als konstruktives Prinzip. Bestandsbauten verlangen Spielräume, aber diese Spielräume müssen kontrolliert sein. Das Portal zeigt, wie sich millimetergenaue Fertigung und praxisgerechte Montage verbinden lassen: präzise Vorfertigung, definierte Unterkonstruktion, saubere Anschlüsse und robust sichtbare Oberflächen.
Kleine Bauaufgabe – hohe Qualität
Das Eingangsportal des Einrichtungshauses Famler in Salzburg ist ein Beispiel dafür, wie anspruchsvoll kleine Projekte sein können. Der Umfang mag überschaubar sein, die technische Dichte ist es nicht. Tombak als Sonderwerkstoff, ein bestehender Baukörper mit geometrischen Toleranzen, eine systembasierte Stahl-Glas-Türkonstruktion, verdeckt befestigte Paneele und eine Oberfläche, die altern darf: All das musste in ein funktionierendes Ganzes gebracht werden. Wenger weist darauf hin: „Für Metallbauunternehmer ist das Projekt besonders interessant, weil es mehrere Kernkompetenzen sichtbar macht: exaktes Aufmaß, digitale Planung, werkstoffgerechte Fertigung, durchdachte Unterkonstruktion, saubere Montage und ein Gefühl für architektonische Wirkung.“ Die Lösung wirkt nicht laut, sondern selbstverständlich, als hätte das bestehende Einrichtungshaus immer so ausgesehen. Darin liegt die Qualität.
Das Portal führt Besucher in das Einrichtungshaus und setzt ein handwerkliches Statement: Metallbau kann ein Gebäude präzise ergänzen, dessen Geschichte respektieren und mit einem Material wie Tombak eine Oberfläche schaffen, deren edler Charakter mit der Zeit wächst.
