Interview

Wolfgang Kempfle, Solarteur

„Metallbauer sollten sich energieautark machen!“

Die Firma Energie Service Schwaben (ESS) Kempfle kauft Photovoltaikmodule, Unterkonstruktionen, Wechselrichter, Speicher sowie Ladestationen, berät ihre Kunden und installiert bis zu 1.800 Anlagen jährlich. Firmenchef Wolfgang Kempfle kennt den deutschen Solarmarkt wie kaum ein Zweiter. Im Interview sagt der 52-Jährige, wohin die Reise der Branche geht.

metallbau: Herr Kempfle, stellen Sie doch bitte sich und Ihr Unternehmen kurz vor.

Wolfgang Kempfle: Als Agrarbetriebswirt habe ich 2009 meinen Betrieb in Leipheim bei Augsburg für die Montage und Inbetriebnahme von Solarmodulen gegründet. Aktuell beschäftigen wir 190 Menschen und wachsen jährlich um bis zu 50 Prozent. Auch mit neuen Standorten entlang der A7 und der A8. 2022 haben wir 35 Millionen Euro umgesetzt. Dieses Jahr werden es mindestens 50 Millionen Euro sein.

metallbau: Weshalb agieren in der PV-Branche so wenige Metallbauer?

Kempfle: Wir Solarteure kaufen beim Großhandel Alu-Profile und Dachhaken für die Unterkonstruktion. Das ist Stangen- und Massenware, die teils von außerhalb der EU kommt. Dafür braucht es keine Metallbauer mit besonderem Know-how. Für Metallbauer ist PV ein Geschäftsmodell, wenn sie als Händler und Monteur agieren, sofern sie sich das Wissen über Elektrik und das Zusammenspiel von PV-Modulen, Wechselrichtern, Speichern, Wallboxen etc. aneignen.

metallbau: Metallbauern empfehlen Sie, sich energieautark zu machen. Weshalb?

Kempfle: Ja, weil die Betriebe enorm hohe Energiebedarfe haben und den selbst erzeugten Strom direkt in die CNC-Maschine, in die Batterie von Transportern und Gabelstaplern oder in ihre Werkzeug-Akkus fließen lassen können. Experten reden hier von Überschussverbrauch bzw. -laden. Ohne das Puffern der regenerativen Energie in einem Zwischenspeicher, wie er etwa in Hauskellern steht. Und auch ohne zusätzlichen Strom aus dem Netz. Das verschafft den Handwerkern Kostensicherheit.

metallbau: Wohin entwickelt sich aktuell der Markt?

Kempfle: Die Solarteure hatten bislang private und gewerbliche Kunden im Blick. Immer öfter und häufiger streben nun aber Kommunen mit ihren hohen Energieverbräuchen in ihren vielen Immobilien Klimaneutralität an. Weil aber oft das Eigenkapital fehlt, um selbst zu investieren, mieten Städte und Gemeinden zunehmend PV-Anlagen. Wir statten bspw. aktuell im bayerischen Thannhausen im Auftrag der städtischen Wohnbaugesellschaft acht Mehrfamilienhäuser mit Sonnenkraftwerken aus.

metallbau: Wie funktioniert das Geschäftsmodell?

Kempfle: Über dieses Mietmodell bleiben wir als ESS Kempfle Eigentümer der PV-Anlagen, bleiben damit dauerhaft in der Verantwortung und verkaufen den erzeugten Strom zu Preisen von unter 30 Cent/kWh an unsere Mieter – also zehn Cent günstiger als die staatliche Strompreisbremse. Über weitere Standorte dieser Art schrauben wir bis in fünf Jahren ein virtuelles Fünf-Gigawatt-Kraftwerk zusammen, das sich über ganz Süddeutschland erstreckt. Die Gesamtinvestition dafür liegt bei 50 Millionen Euro. In dieses Modell können sich auch private Investoren ab 1.000 Euro Anlagekapital einkaufen. Etliche Mitbewerber agieren ähnlich wie wir in die Tiefe und in die Breite, das heißt, es kommen Haustechnik, Finanzierung, Contracting etc. dazu.

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