Besser spät als nie!

Ein Stoppschild zeigen der Bundesverband Metall (BVM) und der Verband Fenster + Fassade (VFF) mit zwölf weiteren Branchenverbänden dem Bundesbauministerium. In einem gemeinsamen Schreiben fordern sie Bundesbauministerin Verena Hubertz auf, dem vorgesehenen EU-Normungsauftrag für Fenster und Türen nicht zuzustimmen, sondern eine grundlegende Überarbeitung auf europäischer Ebene einzufordern.

Die Verbände befürchten, dass mit der Umsetzung der neuen Bauproduktenverordnung (EU) 2024/3110 und den daraus entstehenden Produktnormen zusätzliche Prüf-, Dokumentations- und Zertifizierungspflichten auf Hersteller und ausführende Betriebe zukommen. Das könnte insbesondere kleine und mittlere Handwerksunternehmen mit zusätzlichen Kosten und Verwaltungsaufwand belasten. Der VFF warnt ausdrücklich vor einem „Bürokratie- und Kostenschub“.

Die Handwerksinsolvenzen haben 2025 ein 10-Jahres-Hoch erreicht. Angesichts von täglich rund 60 Unternehmensinsolvenzen seit etwa zwei Jahren und der Tatsache, dass laut Creditreform rund 61 Prozent der Handwerksinsolvenzen auf das Bau- und Ausbauhandwerk entfallen, sollte der Handlungsbedarf klar sein.

Der Konflikt um den aktuellen Normungsauftrag reicht allerdings einige Jahre zurück. Er ist eine Folge der neuen europäischen Bauproduktenverordnung. Die BauPVO wurde Ende 2024 verabschiedet, ihre Umsetzung in harmonisierte technische Spezifikationen erfolgt nun schrittweise über Normungsaufträge. Deshalb stellt sich die Frage: Warum konnten die praktischen Interessen der Handwerksbetriebe im europäischen Gesetzgebungs- und Normungsprozess nicht früher so verankert werden, dass ein solch schriller Notruf heute überflüssig wäre? Das verstehe ich nicht.

Marktpotenziale

Die Modernisierung der Schieneninfrastruktur führt Vertreter der Deutschen Bahn und der Stahlbauverbände an einen Tisch, um Planungs-, Regelwerks-, Vergabe- und Bauprozesse enger aufeinander abzustimmen. Laut bauforumstahl können zertifizierte Unternehmen in Deutschland jährlich zwischen 226.000 und 399.500 Tonnen Stahlbau für Verkehrsbrücken herstellen. Das entspricht dem 2,2- bis 4-Fachen der 2024 tatsächlich verbauten 100.524 Tonnen.

Das inzwischen geltende Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) ist für den konstruktiven Metall- und Fassadenbau vor allem mittel- bis langfristig interessant. Es setzt u. a. die Anforderungen der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) an bestehende Nichtwohngebäude in deutsches Recht um. Der aktuelle Entwurf sieht vor, die schlechtesten 16 Prozent, rund 294.000 Gebäude, bis 2030 und bis 2033 weitere rund 185.000 Gebäude energetisch sanieren zu lassen. Die Gesamtzahl von ca. 479.000 Gebäude wird sich reduzieren – u.a. durch bessere Primärenergiefaktoren bei Strom und Fernwärme sowie durch laufende Modernisierungen. Wie groß der Markt für die Branche wird, hängt auch am Nationalen Gebäuderenovierungsplan (NBRP), der final bis Ende 2026 ausgestaltet sein muss.


Es grüßt Sie


Stefanie Manger

Chefredakteurin


x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 06/2025

Warten auf den Bauturbo ...

... So lässt sich die Stimmung der Branche wohl am besten zusammenfassen. Der Start des „Turbos“ wie ihn der CDU-MdB Ralph Brinkhaus beim VFF-Jahreskongress Ende Mai gefordert hat, hängt noch von...

mehr
Ausgabe 05/2025

Die Insolvenzen …

… steigen wie prognostiziert. Die Investorensuche für das Wittlicher Fensterbauunternehmen Helmut Meeth mit 90 Mitarbeitenden blieb erfolglos; bis Ende April werden die restlichen Aufträge...

mehr
Ausgabe 1-2/2025

Zusammenrücken …

… ist ein typisches Verhalten, um Krisenzeiten zu meistern. Ob Fusion oder Kooperation – die Branche ist in Bewegung. Die Übernahme von Hueck durch Hydro Building Systems im Jahr 2023 wurde auf der...

mehr
Ausgabe 03/2021 Teil 1

Verbände im Metallbau

BVM und VFF/Gütegemeinschaft

Im Bereich der fachlich-technischen Unterstützung hat der BVM die Beratungskapazitäten personell verstärkt. Zudem hat der BVM vor zwei Jahren seine Aktivitäten neu gebündelt und organisatorisch...

mehr

Die GHM meldet über 91.000 IHM-Besucher

Über 800 Aussteller und 7% mehr Besucher auf der IHM in München

Über 800 Aussteller in fünf Messehallen lockten vom 4.-8.3.2026 über 91.000 Besucher nach München Riem auf die Internationale Handwerksmesse. In den Messehallen traf mit über 60 Gewerken...

mehr