Bundesverbandstag Metall
Normen & NachwuchsDie Ablehnung der geplanten Entlastungsprämie durch den Bundesrat am 8. Mai erfolgte just am ersten Tag des Bundesverbandstags Metall 2026. Das war ein politisch passgenauer Zeitpunkt für die Veranstaltung. Dass sich Alexander Hoffmann (CSU/MdB) im „Wirtschaftspolitischen Forum“ dennoch argumentativ hinter die Prämie stellte, konnten die Zuhörer gelassen über sich ergehen lassen. In den Pausengesprächen verhehlten die Metallbauer ihre Enttäuschung über die CSU-Politik allerdings nicht. 120 Unternehmer kamen zur zweitägigen Konferenz nach Berlin. Der Artikel greift die Diskussionen zu Nachwuchs und Normen auf.
Mit Normen wird das Gewerk Metallbau am Markt positioniert. „Leistungsverzeichnisse beschreiben Normen und setzen mit den normkonform geforderten Ausführungen Mindestanforderungen, die der Bauherr zahlen muss“, so Karsten Zimmer, der beim BVM den Bereich Technik leitet. Kurzum: Metallbau ohne Normen ist heute nicht mehr möglich. In der Podiumsdiskussion wurde aber mehrfach darauf hingewiesen, dass Betriebe bei der Erstellung von Normen mitwirken können (siehe Statement Bernhard Hahner S. 26). „Normen sind kein Schicksal und kein Gesetz“, konstatierte Alexandra Horn, Abteilungsleiterin beim Deutschen Institut für Normung e.V. in Berlin. Die Verfahrensabläufe bei der Erstellung seien transparent; Normentwürfe würden vorab veröffentlicht, jeder könne dazu begründete Stellungnahmen abgeben. Sie verwies auf den kostenfreien Normungsmonitor, über den man sich mithilfe relevanter Stichwörter über den Verfahrensstand informieren lassen kann (https://www.dinmedia.de/de/normen-produkte/digitale-services/normungs-monitor).
Alles andere als transparent finden einige der Experten allerdings die europäische Normschreibung. Als „Black-Box“ beschreibt Zimmer die Normerstellung auf EU-Ebene. Dr. Gesa Koglin, die beim ZDH das Referat Innovation und Technik leitet, betonte mehrfach, dass die Europäische Kommission die Normschreibung instrumentalisiere, um Politik zu machen. Harmonisierte Normen reduzieren für international tätige Unternehmen zweifellos Bürokratie, allerdings hätten diese zunehmend politischen statt inhaltlichen Charakter. Dr. Koglin stellte fest: „Die Zahl der Normen, die aus Brüssel kommt, sehen wir kritisch, haben aber keine Möglichkeit sie zu stoppen.“ Der ZDH mache die Kommission regelmäßig auf den Aufwand und die damit verbundene eingeschränkte Wettbewerbsfähigkeit der KMU aufmerksam. Zimmer betonte, dass die Fachverbände mit den Ansprechpartnern der Europäischen Kommission sprechen müssten und die Betriebsbedingungen der KMU gehört werden müssten, weil schließlich ca. 99 % der Unternehmen in der EU KMU mit weniger als 250 Mitarbeitenden seien. „Wir versuchen übertriebene Regelungen immer wieder zurückzuschrauben und einzudämpfen.“ (siehe Interview, S. 25) Normen vor allem als Ergebnisse der Industrielobby, die sich wenig dafür interessiert, ob Handwerksbetriebe die damit einhergehenden Forderungen erfüllen können. So erlebt Klaus Mayerhofer, Geschäftsführer von Metall-Zert, die Normerstellung der Europäischen Kommission.
Aber nicht nur die Normen bereiten den Unternehmen Sorgen, auch die Nachwuchswerbung steht ganz oben auf der Problemliste; nach wie vor gibt es an Gymnasien Vorbehalte gegenüber dem Handwerk und die Lehrer dort zeigen sich mitunter borniert, wenn es darum geht, renommierten Handwerksunternehmen Zugang zu schulischen Veranstaltungen zu ermöglichen, damit sie den Schülern ihre beruflichen Ausbildungs- und Karrierechancen vorstellen können.
In der Debatte über Auszubildende wurde immer wieder deutlich, wie wichtig die drei Aspekte Kommunikation, Kontinuität und Individualität für den Erfolg eines Ausbildungsbetriebs sind: Was Kommunikation angeht, ist zunächst entscheidend, dass überhaupt miteinander gesprochen wird – und im zweiten Schritt auch, worüber. „Unzufriedenheiten mit den Berufserfahrungen oder im Betrieb lassen sich nur im Gespräch erkennen. Nur dann kann auch Abhilfe geschaffen werden. Passiert das nicht, orientieren sich die Jugendlichen um“, stellte Katrin Rasch, stellvertretende Direktorin & Geschäftsführerin des Forschungsinstituts für Berufsbildung im Handwerk, fest. Das bestätigte Sandra Damaschke, bei Metallbau Windeck als Personal- und Marketingleiterin tätig: „Jeder Azubi braucht eine andere Ansprache. Es geht um individuellen und kontinuierlichen Kontakt zu den jungen Leuten.“
Wer bei Windeck etwa im Erstgespräch eine Meisterausbildung ankündigt, wird bei entsprechenden Leistungen später vom Betrieb dabei unterstützt, diesen Plan weiterzuverfolgen. „Wenn sich Metallbauer in Vollzeit auf den Meister vorbereiten möchten, kann z.B. ein Ruhejahr vereinbart werden. In dieser Zeit trifft sich die Personalleiterin regelmäßig mit dem Meisterschüler, um die Bindung zum Betrieb aufrechtzuerhalten“, erklärte Damaschke. Das Engagement in den Nachwuchs zahlt sich offenbar aus: „Bei Windeck sind in den vergangenen vier Monaten bereits 40 Bewerbungen für Ausbildungsstellen eingegangen“, so Damaschke.
Der Betrieb wirbt nicht nur über Social-Media-Kanäle mit Testimonials der Auszubildenden für seine offenen Stellen. Auch auf Berufsmessen wird Damaschke regelmäßig von Azubis begleitet. Diese können Interessenten authentisch und transparent schildern, was Lernende bei Windeck erwartet, wie sie die Stimmung und Kultur im Betrieb erleben und wie zufrieden sie mit ihrem Beruf und ihren Aufgaben sind.
Zudem berichtete Damaschke von Kooperationen mit allen Schularten, bei denen sie im Unterricht die Karrierechancen und beruflichen Anforderungen im Handwerk präsentiert. Einige Gymnasien täten sich ihrer Erfahrung nach jedoch schwer damit, Handwerksbetrieben Zugang zu ermöglichen. Ohne das engagierte Mitwirken der Geschäftsführung und der Schulleitung blieben die Türen verschlossen – selbst dann, wenn bereits ehemalige Abiturienten im Unternehmen tätig seien.
