Langer Maxus Deliver 7
Dieseltransporter im 1-Tonnen-SegmentDer Deliver 7 von Maxus – ein komfortabler Selbstzünder aus chinesischer Produktion – fällt durch seine markante Front auf: Vorne unterhalb der Scheinwerferlinie sind vier Reihen stilisierte 3D-Würfel in die Karosserie gefräst. Uns wurde das Fahrzeug zwei Wochen lang für einen Praxistest zur Verfügung gestellt.
Maxus war im Sommer 2020 als reiner Hersteller und Lieferant von E-Fahrzeugen in Europa angetreten. Die Zurückhaltung bei Stromern mit Ausnahme von Norwegen und den Niederlanden hat dazu geführt, dass es neben dem großen Deliver 9 als Dieselvariante jetzt auch im 1-Tonnen-Segment den Deliver 7 mit 2-Liter-Dieselmotor gibt. Er erfüllt die EURO-VI-E-Abgasnorm und nutzt AdBlue-Technologie zur Abgasreduzierung. Der Tankstutzen dafür sitzt direkt unter der Dieselkraftstofföffnung hinter der Klappe neben der Fahrertür. In der L2-Variante als Kastenwagen hat er 5,37 m Länge, passt mit seinen knapp 2 m Höhe in die meisten Tiefgaragen und Parkhäuser und hat einen Wendekreis von 13,4 m.
Der Redaktion stand für den Test die Dieselvariante mit 108 kW (148 PS) und einem 6-Gang-Schaltgetriebe zwei Wochen lang zur Verfügung. Der Fronttriebler ist übersichtlich, mit 375 Nm erfreulich stark und kann auf der Autobahn auch bis zu 160 km/h schnell sein. Bei dieser Geschwindigkeit verhielt sich der Transporter spurtreu und gut lenkbar. Sein 2,0 Liter Turbodiesel Common Rail Motor hat in unserem Test 8,4 Liter Diesel pro 100 Kilometer verbraucht.
Bei schneller Fahrt nehmen die Innengeräusche zu. Gefühlt war das immer noch ein vertretbares Maß und die Freisprecheinrichtung für das Smartphone war weiterhin gut nutzbar. Auch das Verbinden des Handys mit dem Auto funktionierte einfach, schnell und problemlos.
Beladen & Ziehen
Die Laderaumhöhe beträgt 1,43 m und das Laderaumvolumen ist 7,2 m³ groß. Der Laderaum ist durch eine Metalltrennwand von der Fahrerkabine getrennt. Er hat einen Riffelblechboden, der verschraubt ist. Die Schraubköpfe sind sehr augenfällig. Für eine wertigere Optik könnten sie besser versenkt sein. Die Seitenwände sind halbhoch mit leichten Hohlkammer-Kunststoffplatten verkleidet. Diese sind leichter als Sperrholz, was der Nutzlast zugute kommt. Sie beträgt branchenübliche 1.140 kg. Vier fest verschraubte und leicht versenkte Zurrösen im Boden und zwei in Bodennähe an der Trennwand zur Fahrerkabine erleichtern die Ladungssicherung.
Das Fahrzeug hat serienmäßig eine hintere Anhängekupplungsschnittstelle mit Controller zum Nachrüsten. Der Deliver 7 darf 2.000 kg gebremst und 750 kg ungebremst ziehen. Die beiden Hecktüren öffnen sich symmetrisch bis zu 180° und lassen sich deshalb etwa beim Parken in zweiter Reihe nicht an die Karosserie anklappen. Dazu wären 270° Öffnungswinkel nötig.
Die seitliche Schiebetür öffnet 990 mm weit und erlaubt so die seitliche Beladung mit einer Europalette von der schmalen Seite. Die Ladefläche kann bis zu vier Europaletten aufnehmen: vom Heck aus gesehen zwei längs hinter den Radkästen und zwei quer zwischen den Radkästen.
Mit dem Öffnen der seitlichen Schiebetür an der Beifahrerseite fährt eine stabile Trittstufe aus Leichtmetall unter der Karosserie hervor. Sie verringert die Einstiegshöhe und hilft, mit zwei kleinen Schritten statt einem größeren leichter in den Frachtraum zu steigen. Wird die Tür wieder geschlossen, fährt die Stufe automatisch unter das Fahrzeug. Steht man sehr nah am Fahrzeug, kommt es schon zu einer Berührung, aber die Ausfahrgeschwindigkeit ist so langsam, dass keine Verletzungsgefahr besteht. Die seitliche Führungsschiene der Schiebetür ist gut verkleidet, hat nur eine schmale Öffnung und bietet damit weniger Windangriffsfläche, was bei schnellerem Fahren dem Verbrauch zugutekommen dürfte.
Ausstattung
Beim ersten Start mit dem Deliver 7 sollte man sich bewusst machen, dass alles in Ordnung ist, wenn man unangeschnallt losfahren möchte und sich nichts tut. Das liegt nicht an der elektrischen Bremse, sondern an dem Sicherheitsfeature, dass man nur angeschnallt losfahren darf.
Das Testauto hatte alle Extras, darunter Rückfahrkamera, LED-Scheinwerfer, seitliche elektrische Trittstufe, Klimaautomatik, Geschwindigkeitsregelanlage und Geschwindigkeitszeichenerkennung, Multifunktionslenkrad sowie zahlreiche Assistenzsysteme.
Ein Navigationssystem ist nicht serienmäßig, aber Android Auto und Apple CarPlay lassen sich per Bluetooth oder per Kabel anschließen. Dann kann mit dem Navi des Handys auch am 12,3-Zoll-Display des Maxus-Vans die Route verfolgt werden. Nur die Metallic-Lackierung kostet 650 Euro zzgl. MwSt. Neben dem serienmäßigen Weiß ohne Aufpreis kann dafür zwischen den Farben Silbergrau, Grau, Blau und Schwarz gewählt werden.
Preis und Garantie
Der Fahrzeugpreis liegt mit 29.990 Euro zzgl. MwSt. (brutto somit 35.688,10 Euro) im unteren Mittel der vergleichbaren Fahrzeuge. Maxus gewährt 5 Jahre Herstellergarantie oder bis zu 160.000 km (das zuerst Erreichte gilt) und verweist auf die aktuellen Garantiebedingungen des Herstellers. Bisher wird Maxus in Deutschland von zwei Importeuren bedient: Die vier nördlichen Bundesländer werden aus Skandinavien (Maxus Norddeutschland) und der Rest von der spanischen Astara Gesellschaft mit deutscher Zentrale in Köln. Knapp 150 Verkaufs- und Servicestandorte gibt es aktuell in Deutschland für Maxus. Das Garantiebüchlein und die Bedienungsanleitung in unserem Testfahrzeug waren auf Englisch. Inzwischen werden aber die Fahrzeuge mit deutschen Exemplaren ausgeliefert, versichert die Maxus-Zentrale.
Die Werbebeschriftung am Testfahrzeug wies darauf hin, dass es den gleichen Transporter auch batterieelektrisch und sogar mit Allradantrieb (AWD) gibt. Dann heißt er eDeliver 7 AWD; er ist an der vorn mittig sitzenden Ladeklappe sowie am „E“ am Ende des Kennzeichens zu erkennen. Für die winterliche Zustellung in abgelegenen Bergregionen hat die Österreichische Post in diesem Sommer 100 dieser elektrischen Allradvans von Maxus geordert. Maxus war der einzige Hersteller, der an der Ausschreibung dieses Fahrzeugauftrags teilgenommen hatte!
