Lenny Soltsien, Metallbauer

Bundessieger „Die Gute Form“

Lenny Soltsien hat im Gewerk Metallbau Fachrichtung Konstruktionstechnik den Bundeswettbewerb „Die Gute Form 2025“ gewonnen – mit einem rundum durchdachten Tischgrill. Ein Gespräch über clevere Details, den richtigen Betrieb und die Frage, warum Handwerkskunst durch keine Maschine zu ersetzen ist.

metallbau: Herr Soltsien, was haben Sie als Gesellenstück gefertigt?

Lenny Soltsien: Das Thema war „Tischgrill mit regulierbarer Zuluft“. Die zentrale Anforderung: Die Zuluft sollte einstellbar sein, um Temperatur und Brennverhalten steuern zu können.

metallbau: Welche Materialien haben Sie eingesetzt – und warum?

Soltsien: Größtenteils Stahl, weil mir die Optik einfach sehr gut gefällt. Der Grillrost ist aus Edelstahl – aus hygienischen Gründen. Und die Griffe sind aus Holz, wegen der geringen Wärmeleitfähigkeit. Bei den Verbindungen habe ich bewusst kombiniert: Der Korpus ist verschweißt, damit er von außen wie aus einem Stück wirkt. Der Rest ist geschraubt – damit der Grill wartungsfreundlich bleibt und später noch erweitert oder angepasst werden kann.

metallbau: Wo lag die größte handwerkliche Herausforderung?

Soltsien: Eindeutig bei der Luftregulierung. Sie muss problemlos funktionieren – aber darf weder zu streng gehen noch klapprig wirken. Das klingt simpel, ist es aber nicht. Ich musste mir dafür einen Mechanismus überlegen, der weder das Blech vom Korpus einklemmt, noch durfte das Distanzstück zu dick sein, wodurch der Schieberegler lose herumwackeln würde.

metallbau: Wie haben Sie die vorgegebene Zeit eingeteilt?

Soltsien: Ich habe bewusst viel Zeit in die Planung investiert, um mögliche Fehler von vornherein auszuschließen. Das hat sich ausgezahlt: Die Fertigung lief dann relativ reibungslos, und die Qualitätskontrolle am Ende war entsprechend kurz.

metallbau: Was steckt im Stück, das man nicht sofort sieht?

Soltsien: Das ist wohl das integrierte Schneidebrett – es lässt sich wie eine Schublade herausziehen. Der Rahmen, auf dem es aufliegt, kann ohne das Brett problemlos eingeschoben bleiben, ohne die Funktion zu beeinträchtigen. Der Ausschnitt im Korpus ist bewusst etwas zu klein konstruiert: So rutscht das Brett beim Transport nicht heraus – und während des Betriebs kann es nicht versehentlich über die glühenden Kohlen geschoben werden. Ein kleines Detail mit großer Wirkung.

metallbau: Wie sind Sie zum Metallbau gekommen?

Soltsien: Ursprünglich wollte ich Schreiner lernen. Aber während meiner Zeit an der Fachoberschule habe ich die Arbeit mit Metall für mich entdeckt – und hab direkt gemerkt: Das ist es. Was für Fachrichtungen es im Beruf des Metallbauers gibt, wusste ich damals ehrlich gesagt noch gar nicht. Im Nachhinein war die Konstruktionstechnik genau das Richtige für mich.

metallbau: Was macht den Unterschied zwischen einer guten und einer mittelmäßigen Ausbildung?

Soltsien: Der Ausbildungsbetrieb – und die Kollegen. In der Berufsschule lernt man die theoretischen Grundlagen, aber die wirklich wichtigen handwerklichen Fähigkeiten lernt man nur im Betrieb. Wenn die Kollegen einen in die Arbeit einbinden und der Chef sich die Zeit für seine Azubis nimmt, macht das einen erheblichen Unterschied.

metallbau: Welche Rolle spielen Normen und Vorschriften im Alltag?

Soltsien: In der Berufsschule lernt man sehr viel darüber – was ich auch für wichtig halte, weil man so versteht, warum bestimmte Arbeiten auf eine bestimmte Weise ausgeführt werden müssen. In der Praxis werden Normen meist schon in der Planung berücksichtigt, sodass man als Azubi eher indirekt damit zu tun hat.

metallbau: Was hat Ihnen der Betrieb über die Schule hinaus mitgegeben?

Soltsien: Die Berufsschule legt den Grundbaustein fürs Verständnis. Aber die handwerklichen Fähigkeiten, die ich in der Werkstatt und auf der Baustelle brauche – die lernt man wirklich nur durchs Selbermachen.

metallbau: Wie lief die Zusammenarbeit mit Ihrem Chef beim Gesellenstück?

Soltsien: Sehr gut. Mein Chef hat mich bereits bei der Ideenfindung unterstützt und sich dafür Zeit genommen. Auch während des Zeichnungsprozesses konnte ich jederzeit mit Fragen zu ihm kommen. Und bei der Fertigung haben mir Kollegen wertvolle Tipps gegeben – wie ich manches einfacher lösen kann.

metallbau: Sie sind neben der Arbeit auch ehrenamtlich tätig – als Sanitäter beim Roten Kreuz. Wie passt das zusammen?

Soltsien: Erstaunlich gut, ehrlich gesagt. Durch meine Sanitätsausbildung kann ich bei Verletzungen in der Werkstatt sofort Erste Hilfe leisten. Und umgekehrt bringe ich meine handwerklichen Fähigkeiten auch im Ehrenamt ein – beim Katastrophenschutz gibt es immer Aufgaben, bei denen das hilft. Es ist eine echte Symbiose.

metallbau: Wer hat Sie auf diesem Weg begleitet?

Soltsien: Meine Familie. Egal ob während der FOS, die mich letztlich zu diesem Beruf gebracht hat, oder bei den Bewerbungen – ich konnte immer auf ihre Unterstützung zählen.

metallbau: Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Soltsien: Den Meister möchte ich auf jeden Fall machen. Ob irgendwann ein eigener Betrieb folgt – das steht noch in den Sternen.

metallbau: Die Digitalisierung verändert die Branche. Was bedeutet das für den Beruf?

Soltsien: CNC und Automatisierung sind ein klarer Trend – in großen Betrieben wird immer mehr auf computergesteuerte Maschinen gesetzt. Aber: Damit geht Handwerkskunst verloren. In kleineren Betrieben wird die händische Bedienung immer bestehen bleiben. Die Digitalisierung ist auch dort spürbar und oft sinnvoll – aber manche Abläufe bleiben analog, weil die Vorteile dort einfach überwiegen.

metallbau: Was würden Sie Jugendlichen sagen, die überlegen, diesen Beruf zu ergreifen?

Soltsien: Probiert es aus. Ich selbst habe erst ein Praktikum gemacht, um zu schauen, ob es mir gefällt. Ohne einen echten Eindruck vom Arbeitsalltag weiß man einfach nicht, ob’s einem liegt – oder nicht.

Der Blick des Ausbilders

Max Gampenrieder über seinen Bundessieger Lenny Soltsien – und darüber, was eine gute Ausbildung zum Metallbauer ausmacht.

metallbau: Was ist Ihnen an Lenny Soltsien von Anfang an aufgefallen?

Max Gampenrieder: Lenny hat eine besonders ausgeprägte Auffassungsgabe. Dadurch ist er in der Lage, schon früh komplexe Zusammenhänge zu durchblicken – was sich zwangsläufig positiv auf die Umsetzung in der Praxis auswirkt.

metallbau: Wann haben Sie gemerkt, dass das Gesellenstück außergewöhnlich wird?

Gampenrieder: Nach der Themenbekanntgabe habe ich ihm geraten, Grills im Handel zu analysieren und die wichtigen Eigenschaften für sich persönlich herauszustellen. In der Entwurfsphase habe ich zu „design follows function“ geraten – um schnörkeligen Schnickschnack zu vermeiden. Das waren die Hauptimpulse. Und dann hat Lenny sein Bestes gegeben und das kann sich sehen lassen!

metallbau: Womit hat er Sie überrascht?

Gampenrieder: Bei der Planung hat Lenny ganz auf CAD in 3D gesetzt und alle Details im 3D-Modell entwickelt und optimiert. Es ist ihm höchst professionell gelungen, eine durchgängige Planung abzuliefern, die er mit viel Freude und Hingabe in die Realität umgesetzt hat. Was will man da noch mehr?!

metallbau: Was kann ein Betrieb vermitteln, was die Berufsschule nicht leisten kann?

Gampenrieder: In unserem Betrieb wird geplant, hergestellt, montiert und gewartet. Das ist unglaublich vielseitig und erfordert viele Fertigkeiten und Verfahren, die speziell auf das Produkt abgestimmt und bei jedem Bauteil verfeinert werden. Das hat viel mit der Erfahrung langjähriger Mitarbeiter und betriebsspezifischen Vorgehensweisen zu tun – das kann keine Schule einfach so weitergeben.

metallbau: Wie finden Sie gute Azubis – und was suchen Sie bei Bewerbern?

Gampenrieder: Wenn man sie sucht, findet man sie nicht. Unsere bisherigen Azubis haben alle aus eigenem Antrieb zu uns gefunden. Dieser eigene Antrieb ist der Schlüssel zur erfolgreichen Ausbildung – man muss sich dazu berufen fühlen, dann wird es auch mal ein Beruf. Wir als Ausbilder können nur mit gutem Beispiel vorangehen, die Azubis im Auge behalten und sie mit unseren Fertigkeiten, Innovation und Fortschritt vertraut machen.

www.gampenrieder.de

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