Interview

Efkemann und Pfeifer, BVM

„Wir werben Azubis aktiv in den Schulen!“

Der Bundesverband Metall (BVM) ist nach eigenen Angaben der erste und einzige Ansprechpartner von Ministerien und öffentlichen Einrichtungen, wenn es um Fragen zur beruflichen Aus- und Weiterbildung in den Berufen des Metallhandwerks geht. Unsere Autorin fragte den Geschäftsführer Öffentlichkeitsarbeit Karlheinz Efkemann und den Innungsbeauftragten Ingolf Pfeifer nach ihren Initiativen gegen den Fachkräftemangel.

metallbau: Herr Efkemann, Herr Pfeifer, was macht der BVM gegen den Fachkräftemangel?

Karlheinz Efkemann: Die Entwicklung war abzusehen. Daher haben wir für unsere Verbandsmitglieder ein auf die junge Zielgruppe ausgelegtes Werbe- und Maßnahmenportfolio für die Regionen aufgelegt, das sie in den Schulen und auf Messen nutzen können. Unser Alleinstellungsmerkmal ist aber sicherlich Herr Pfeifer, der als Innungsbeauftragter die Innungen nun schon seit sieben Jahren in der Berufsorientierung und in der Nachwuchswerbung vor Ort unterstützt.

Ingolf Pfeifer: Wir haben einerseits eine Schulung mit Theorie- und Praxisanteil, das vierstündige Berufsorientierungsbotschafter-BOB-Seminar.  Wir zeigen, wie man sich in Schulen und auf Messen präsentieren und wie man solche mitgestalten kann. Auch, wie man den Tag der offenen Tür, des Handwerks oder den Girl‘s Day organisieren kann. Außerdem erarbeiten wir einen auf die Innung maßgeschneiderten Maßnahmenkatalog.


metallbau: Kann man sich als ausführender Betrieb in Ihre Maßnahmen einklinken?

Pfeifer: Sicher. Die Schulung bietet sich auch für Kleinbetriebe ab fünf Mitarbeitern an. Bei mir laufen ja alle Informationen, die die Nachwuchswerbung betreffen, zusammen. Diese kann ich dann gezielt an die einzelnen Betriebe und Innungen weitergeben. Hinzu kommt das Learning-by-Doing vor Ort. Sofern es mein Terminkalender erlaubt, gehe ich in die Veranstaltungen und in die Schulen mit hinein.

Efkemann: Die Situationen der Innungen sind ja sehr unterschiedlich. Darauf gehen wir individuell ein. Deswegen haben wir unser Schulungsangebot vor zwei Jahren auch für Betriebe geöffnet. Wir schulen – in Abstimmung mit den örtlichen Innungen – die im Betrieb für die Ausbildung verantwortlichen Personen, aber auch Azubis, die wiederum als Ausbildungsbotschafter in die Schulen gehen. Denn der Dreh- und Angelpunkt unserer Nachwuchsförderung sind die Schulkooperationen.


metallbau: Wie sieht eine Schulkooperation aus?

Pfeifer: Man vereinbart mit der Schule mündlich oder schriftlich einige Maßnahmen wie zum Beispiel eine Hausmesse oder praktische Übungen, bei denen die Schüler beispielsweise eine Metallrose herstellen können. Wir halten Unterricht für interessierte Schüler, zeigen Filme übers Metallhandwerk und bringen einen Auszubildenden als Botschafter mit in die Klasse. Wir stellen aber fest, dass es fast schon zu spät ist, wenn man eine solche Kooperation in die Jahrgangsstufen der Betriebspraktika legt. Man sollte schon eher mit den Schulen zusammenarbeiten, möglichst in der siebten oder achten Klasse. Die Botschaft an die Schülerinnen und Schüler sollte lauten: Wir als Innung bieten euch Praktika und Ausbildungsplätze an, aber ihr zeigt uns bitte euer Potenzial!

Efkemann: Unser Beratungsangebot, unsere praktischen Tipps und Hinweise nehmen die Innungen sehr gerne an. Sie sind dankbar, weil man ihnen zeigt, welche Formalien einzuhalten sind, dass man zum Beispiel den Schulleiter nicht übergeht, was man überhaupt anbieten und wie man eine Unterrichtsstunde aufbauen kann. Macht man das konsequent, schlägt sich das auch in den Zahlen der Praktikanten und Auszubildenden nieder. Eine Messe in einer Stadthalle als Nachwuchswerbung reicht jedenfalls nicht. Man muss aktiv in die Schulen gehen.

metallbau:  Wie hoch sind die Erfolgschancen?

Pfeifer: Eine kleine Innung in der Nähe von Köln hat durch konsequente Berufsorientierung in den Schulen ihre Ausbildungszahlen innerhalb von zwei Jahren von neun auf 17 Schüler fast verdoppeln können. Bei anderen Innungen mit konsequenter Schulberatung gibt es einen Zuwachs von 30 bis 40 Prozent. Innungen, die das nicht machen, sacken weiter ab.

Efkemann:  Eine wichtige Rolle spielen unsere Berufsorientierungsbotschafter. 151 haben wir mittlerweile bundesweit aktiv. Aber man muss auch selbstkritisch sagen: Im Handwerk steht die Nachwuchswerbung oftmals nicht an erster Stelle. Es dauert etwas länger, bis man nachhaltige Effekte erzielen kann. Das, was wir jetzt schildern, ist das Ergebnis von sechs Jahren konsequenter Arbeit. Und dann ist da die Industrie, die mit höheren Gehältern und sonstigen Boni und Vergütungen lockt. Das bekommen die Betriebe immer deutlicher zu spüren.

metallbau:  Ist es absehbar, dass die Gehälter der Auszubildenden und die Anschlussgehälter steigen?

Efkemann: Das ist jetzt schon der Fall. Ganz stark zeigt sich der Trend beispielsweise im Südwesten Deutschlands, in dem die meisten Automobilzulieferer angesiedelt sind und den Handwerkern insbesondere im Metallbau die Fachkräfte abwerben.

Ausgewählte Projekte zur Nachwuchswerbung

Zur Berufsbildung beim BVM zählen die Berufsorientierung in den Regionen und die Entwicklung von Konzepten für die Berufslaufbahn, die Weiterentwicklung der Berufsbilder und Prüfungsanforderungen im Metallhandwerk sowie die Neuentwicklung von Bildungsangeboten im Netzwerk mit den Landesverbänden. Mit Stand November 2018 bilden knapp 10.000 Ausbildungsbetriebe im Metallhandwerk aus bei insgesamt rund 35.000 Betrieben im Lande.

1.)    Seminar Berufsorientierungsbotschafter (BOB) des BVM: Berufsorientierungsbotschafter (BOB) initiieren Schulkooperationen zwischen Metallinnungen, Metallbetrieben und Schulen der Region. Außerdem organisieren und beraten sie bei Ausbildungsmessen, Berufsorientierungstagen oder Tagen der offenen Tür. - Dauer der Schulung: 4 Stunden
- Termine: nach Bedarf
- Teilnehmer: ab 4 Personen
- Inhalte: Hilfen bei der Berufsorientierung für Jugendliche, Informationen zu Karrierechancen, Praxistipps und Beispiele gelungener

  Berufsorientierung, Erfahrungsaustausch mit Kolleginnen und Kollegen
- Ansprechpartner: Ingolf Pfeifer BVM Tel.:0201 8961923; E-Mail:
2.)    Die beiden Wettbewerbe des BVM: „Die Gute Form“ und der „Praktische Leistungswettbewerb des deutschen Handwerks (PLW)“. Ziel ist u.a., die Öffentlichkeit auf die Bedeutung der Ausbildungsleistungen des Metallhandwerks aufmerksam zu machen und begabte Lehrlinge in ihrer beruflichen Entwicklung weiter zu fördern. Der Wettbewerb „Die Gute Form“ richtet sich an begabte Nachwuchs-Metallgestalter aus den Landesverbänden des Metallverbands. Er genießt in der Handwerker-Öffentlichkeit ebenfalls hohes Ansehen.
In unserer Ausgabe vom Mai berichten wir über „Die Gute Form“, die Werke der Erstplatzierten werden auf der Internationalen Handwerksmesse in München ausgestellt.

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