Interview

ISM H. Schulz in Stade

Flagge für den Nachwuchs

ISM H. Schulz bietet Stahlbauservices im Einzugsgebiet Stade und in der Region Hamburg, beispielsweise Treppen, Geländer, Hallen und allgemeine Stahlbau-arbeiten. Der Betrieb beschäftigt 68 Mitarbeiter und achtet auf einen vernetzten Maschinenpark. In diesem Jahr hat der Geschäftsführer Patrick Schulz in drei Maschinen investiert: In einen CNC PeddiWriter 1250, eine CNC Winkelstanz- und Scherenanlage und eine Doppelgehrungsbandsäge MEBAeco 335 DGA-600. Dem Fachkräftemangel tritt der Unternehmer mit Förderung des Nachwuchses entgegen. Wir haben mit dem Geschäftsführer und Thorsten Leichter, Technischer Betriebsleiter, gesprochen.

metallbau: Was sind typische Vorbehalte gegenüber der Ausbildung im Metall- und Stahlbau?

Thorsten Leichter: Leider halten sich Vorurteile bekanntlich hartnäckig, so auch zur Arbeit im Metallbau. In Gesprächen mit potenziellen Auszubildenden erfahren wir, dass sie vor angeblich zu schwerer und schmutziger Arbeit zurückschrecken. Dabei sorgen gerade unsere modernen Fertigungsabläufe für eine deutliche Erleichterung unseres täglichen Geschäfts. Die Technik unterstützt uns und das wird in Zukunft auch weiterhin so bleiben beziehungsweise sogar noch verstärkt. Aber wie gesagt halten sich die Vorurteile weiterhin und schrecken leider vor allem den weiblichen Nachwuchs ab.

metallbau: Welche Eigenschaften zeichnen einen frischgeba-ckenen Metallbau-Gesellen aus?

Patrick Schulz: Die Auszubildenden, die ihren Abschluss machen und frisch gebackene Metallbau-Gesellen sind, bringen ein breites Portfolio an Kompetenzen mit. Die vielen unterschiedlichen Bereiche, die sie während ihrer Ausbildung durchlaufen, bereiten sie auf die Zukunft vor. Sie sind vielseitig einsetzbar, sowohl in der Fertigung als auch in der Montage, und verfügen über ein enormes Fachwissen.

metallbau: Wie sind die Verdienstchancen nach der Ausbildung zum Metallbauer, Metallbautechniker und -meister? Haben sich die Löhne in den vergangenen drei Jahren verbessert?

Schulz: Die Verdienstchancen sind heute viel besser als noch vor einigen Jahren. Aber nicht nur die Löhne haben sich deutlich erhöht, auch die Benefits sind gestiegen. So stellen wir beispielsweise Fördermittel für die Meisterschule bereit oder ermöglichen Fortbildungsmaßnahmen, um sich etwa zum Schweißfachingenieur weiterbilden zu lassen.

metallbau: In welchen Berufen bilden Sie Ihre sechs Auszubildenden aus?

Leichter:  Alle unsere Auszubildenden wollen den Beruf des Metallbauers mit Fachrichtung Konstruktionstechnik erlernen. Acht Metallbauer haben wir bereits ausgebildet und auch direkt übernommen. Es ist immer unser Ziel, unsere Azubis zu behalten, und es freut uns, dass sie auch bleiben möchten.

metallbau: Setzen Sie ein Ausbildungskonzept ein?

Leichter:  Gerade im Hinblick auf die Arbeitssicherheit ist das schrittweise und gründliche Heranführen der Auszubildenden an die Tätigkeiten des Metallbauers essenziell. Deshalb sammeln sie im ersten und zweiten Lehrjahr Erfahrungen in unserer Werkstatt. Ab dem dritten Lehrjahr führen sie dann auch Montagetätigkeiten durch. Natürlich immer unter den wachen Blicken unserer Kollegen und mir als Ausbildungsbeauftragtem.

metallbau: In welchen Leistungsbereichen z.B. Hallen- oder Treppenbau werden die Azubis in welchen Lehrjahren eingesetzt?

Leichter: Es ist uns enorm wichtig, dass unsere Auszubildenden den umfangreichen Beruf des Metallbauers aus möglichst vielen Perspektiven kennenlernen. Deshalb werden sie in allen anfallenden Leistungsbereichen, die wir bei ISM Stahlbau abdecken, eingesetzt und lernen sämtliche Facetten des Stahlbaus ausführlich kennen.

metallbau: Inwiefern werden die Azubis gefördert, mit digitalisierten Betriebsabläufen von der Arbeitsvorbereitung bis hin zur Montage umzugehen?

Schulz: Die Digitalisierung ist längst auch ein wichtiges Thema in der metallverarbeitenden Branche – gerade, wenn wir für junge Nachwuchskräfte attraktiv bleiben wollen. So verwenden wir seit Dezember 2018 eine speziell für unser Unternehmen entwickelte Sicherheits-App. Die App erfasst sämtliche Maßnahmen hinsichtlich des Arbeitsschutzes und wertet diese aus, sodass ein sicherer Arbeitsablauf gewährleistet wird. Die Checkliste in Papierform ist dadurch überflüssig geworden. Außerdem erleichtern unsere modernen Fertigungsabläufe die tägliche Arbeit und wirken dem Klischee des körperlich zu anstrengenden Berufs entgegen. Auch Fertigungsterminals gehören bei uns längst zum Standard.

metallbau:  Welche Zusatzausbildungen sollten Metallbau-Azubis heute während ihrer Ausbildung absolvieren?

Schulz: In erster Linie ist hier die Sicherheit zu nennen. Viele unserer Azubis befürworten die hohen Sicherheitsstandards in unserem Unternehmen. Erste-Hilfe-Kurse und Schulungen zur Arbeitssicherheit haben oberste Priorität. Darüber hinaus sollten sie die fahrbaren Geräte, die bei uns täglich zum Einsatz kommen, bedienen können. Also machen sie einen Kranschein, einen Hubarbeitsbühnenschein und einen Staplerschein.

metallbau: Welche Chancen bieten Sie Azubis, ihr Fachenglisch zu verbessern?

Leichter:  Wir bieten in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Auslandsreisen für unsere Auszubildenden an. Sie können in fremden Ländern ihre Englischkenntnisse verbessern, neue Kulturen kennenlernen und viele wichtige Eindrücke gewinnen. Jüngst waren unsere Azubis in Frankreich.

metallbau:  Wie bewerten Sie die Möglichkeiten, nach einer Ausbildung mit Schwerpunkt Hallen- und Treppenbau in den Berufsbereich Fenster- und Fassadenbau zu wechseln?

Leichter: Die Ausbildung zum Metallbauer hat den großen Vorteil, dass der Beruf viele Sparten abdeckt. Von daher besteht immer die Möglichkeit, seinen Schwerpunkt zu wechseln. Das ist für viele Auszubildenden ein großer Reiz, da ihnen viele Türen offenstehen.

metallbau: Welche Möglichkeiten der Ausbildung im Metall- und Stahlbau werden Ihrer Erfahrung nach zu wenig kommuniziert, wären aber hilfreich für das Personalrecruiting?

Schulz: Es gab selten eine bessere Zeit, um ins Handwerk einzusteigen, als jetzt. An jeder Ecke werden Auszubildende gebraucht, die mit ihren Händen arbeiten wollen. So hat jeder neue Azubi die besten Chancen auf einen sicheren Job am Ort seiner Wahl. Der Nachwuchsmangel führt auch zu besserer Bezahlung und mehr Benefits. Außerdem ist die Arbeit heute anders als früher. Technische Hilfsmittel wie Kräne oder CNC-Maschinen, die sogar automatisch arbeiten, machen unseren Alltag einfacher.

metallbau: Wie gestalten sich Kooperationen mit Berufsschulen und wo wird um die Azubis geworben?

Leichter:  Uns ist vor allem der direkte Kontakt zu den potenziellen Azubis wichtig. Wir stehen deshalb im Gespräch mit Berufsschulen, um Schulklassen besuchen zu können. Hier wollen wir über den Beruf des Metallbauers aufklären und Vorurteile beseitigen. Außerdem sind wir auf Ausbildungsmessen vertreten und unterhalten uns mit Interessierten.

metallbau: Muskelkraft ist sicher von Vorteil, inwiefern ist durch Technik, die den Krafteinsatz reduziert, die Ausbildung für Frauen interessanter geworden?

Leichter: Heutzutage ist Muskelkraft zwar weiterhin vorteilhaft, aber in einem anderen Maßstab als früher. Anpacken ist natürlich Teil des Berufes und für unsere Auszubildenden auch einer der Gründe, weshalb sie hier sind. Aber die vielen technischen Hilfsmittel wie unsere Kräne, Stapler oder eben die CNC-Maschinen reduzieren die körperliche Anstrengung auf ein Minimum. Frauen sollten also keineswegs vor der Ausbildung zurückschrecken. Wir freuen uns über jeden Interessierten.

metallbau:  Wofür hat Ihr Unternehmen im Jahr 2018 einen Sicherheitspreis erhalten?

Schulz: Wir haben den Sicherheitspreis bei einem unserer Großkunden aus der Chemie für verschiedene Aspekte erhalten. Unter anderem für knapp 30 Jahre unfallfreies Arbeiten, durch Fachvorträge und die Teilnahme an Arbeitsschutzausschuss-Sitzungen sowie das Einbringen von Fachbeiträgen.

Autor: Stefanie Manger

Info & Kontakte

ISM H. Schulz GmbH - Stahlbau

Am Brerehmen 3

21714 Hammah

Tel. 04144 69810-0

info@schulz-stahlbau.de
www.schulz-stahlbau.de

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