Zukunft unter Druck
Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland war seit 20 Jahren nicht mehr so hoch und die Wachstumsprognose für 2026 wurde Ende April vom Wirtschaftsministerium nochmals nach unten auf 0,5% korrigiert.
Wie drastisch die Realität im Metall- und Fassadenbau inzwischen ist, beschreibt Michael Niebuhr im Interview auf Seite 4: Das Erstellen von Angebotskalkulationen gleicht aktuell einem akutem Risikomanagement.
Der Anstieg der Baugenehmigungen ist angesichts des schwachen Vorjahrs zunächst vor allem ein statistischer. Die Zahlen sprechen nicht für eine Trendwende. Wie sich beim Wohnungsbau-Tag in Berlin herausgestellt hat, greift der Bauturbo nicht und die Fortschritte, die für den Gebäudetyp-E erzielt wurden, drohen an rechtlichen Fragen zu versanden.
Wie kann sowas passieren?
Zwar plant der Bund bis 2029 Investitionen von 23,5 Mrd. Euro in den sozialen Wohnungsbau, doch gleichzeitig schrumpft der Bestand weiter: In der SZ (8.4.2026) waren folgende Zahlen zu lesen: Von einst knapp vier Millionen Sozialwohnungen bei rund 60 Millionen Einwohnern in Westdeutschland in den 1980er-Jahren ist er auf nur noch etwa 1,05 Millionen bei inzwischen rund 84 Millionen Einwohnern in der BRD im Jahr 2024 gefallen.
Das größte Volumenfeld bleibt die energetische Sanierung – ein Trend, den auch Olaf Müller im Interview auf S. 28 bestätigt: Viele Unternehmen verlagern ihre Kapazitäten gezielt. Fassaden werden zur zentralen Stellschraube für CO2-Reduktion und den Werterhalt der Immobilien.
Wie teuer Transformation ist, zeigt ein Blick über die Branche hinaus (S. 38): Selbst Bosch rutscht trotz stabilen operativen Geschäfts durch Restrukturierungskosten in die Verlustzone. Auch für Metall- und Fassadenbauer bedeutet das: Transformation ist ein Kostentreiber. Aber wer systemisch denkt und sich von neuen Anforderungen zur Entwicklung und zu Investitionen antreiben lässt, wird langfristig erfolgreich sein.
Zeitspiel
Der Engpass bleibt die Geschwindigkeit: Planungs- und Genehmigungsprozesse dauern zu lange, Projekte werden weiterhin verschoben, der Wettbewerbs- und Preisdruck steigt, Kapazitäten können nicht ausgelastet werden beziehungsweise der Auftragsvorlauf ist bei vielen Betrieben rückläufig.
Wir befinden uns in einem Transformationsmarkt. Die Nachfrage verschiebt sich, die Anforderungen steigen, größere ausführende Unternehmen verlegen ebenso wie ihre Zulieferer produzierende Arbeitsplätze in Nachbarländer mit geringeren Lohnkosten, die politischen Rahmenbedingungen bleiben volatil. Auf den nächsten Neubauzyklus zu warten und derweil nicht von der Insolvenzwelle weggespült zu werden, ist ebenfalls schwierig. Der nächste Aufschwung wird nicht durch Nachfrage entschieden, sondern durch die Geschwindigkeit in der Umsetzung.
Zum Redaktionsschluss werden einige positive Aussichten gestellt: Bei der VFF-Tagung „Statistik und Markt“ Ende April prognostiziert der Verband Fenster + Fassade optimistisch einen „robusten Markt 2026“; laut B + L Marktdaten sind im Frühjahr 2026 Bauaufträge und -genehmigungen ins zweistellige Plus gedreht und im Nichtwohnbau sollen dieses Jahr große Projekte aus 2022 und 2023 in die Ausbauphase kommen. Na, dann.
