Schieflagen …

gibt es viele im Bauwesen, eine beispiellose Schieflage war das Planungs- und Baustellenchaos am Flughafen Berlin Brandenburg. Die Eröffnung ist nun im Oktober 2020 geplant. Der ehemalige BER-Technikchef Jörg Marks, unter dessen Leitung das Chaos zu einem Großteil (Sommer 2014 bis Ende 2017) bewältigt wurde, berichtet über seine Arbeit. Er betont, die Ursache für die Malaise lag in erster Linie an der Komplexität des Objekts. Doch wie lässt sich die Fehlerquelle Komplexität in den Griff bekommen? Marks plädiert für eine einfachere Architektur; des Weiteren gelte es wegen der zunehmenden Anforderungen an die Dokumentation, die für die Inbetriebnahme von Gebäuden nötig ist, fortlaufend auf diese zu achten; drittens sollte mehr Zeit für die Planung sein – vor allem für das Brandschutzkonzept. Auch Bauingenieure wie Ausführende monieren, dass immer häufiger Planung und Ausführung über weite Teile parallel laufen, und wünschen zugunsten mehr Qualität ein größeres Zeitfenster für ihre Planungen. Angesichts hemmungsloser Kalkulationen der Investoren wird dieser Ruf bestimmt ein frommer Wunsch bleiben!

Mit der Arbeitsweise in BIM können sicherlich einige Probleme des Bauwesens gelöst werden, beispielsweise sollten sich Kollisionen der Technik in den Werks- und Montageplanungen der diversen Gewerke vermeiden lassen, von denen auch Marks berichtete. Aber einmal abgesehen von den langwierigen Entwicklungen, die die BIM-Arbeitsweise vor sich hat, ist heute schon klar, dass BIM nicht alle Probleme lösen kann.

Hilfreich für ein Management der Komplexität wäre auch eine Überarbeitung des Vergaberechts. Die ausführenden Gewerke sollten frühzeitiger in professioneller Weise in die Definition der Schnittstellen einbezogen werden. Dafür spricht sich Dr.-Ing. Werner Jager aus, einer der drei Wicona Geschäftsführer. Ich habe den Experten für Technik und Forschung und den Vorstand der Geschäftsführung, Ralf Seufert, nach ihren Zielen für den Ulmer Systempartner gefragt.

Bleibt abschließend die Frage: Wann entlastet der Deutsche Vergabe- und Vertragsausschuss für Bauleistungen (DVA) die Architekten und Planer, die ohne Rückgriff auf das Know-how der Ausführenden immer häufiger die nötigen Anforderungen an eine Ausschreibung nicht mehr erfüllen können?

Ein spannendes Heft!

Stefanie Manger
Chefredakteurin

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