Tillmann Delp

Metallbauer im Maschinenbau

Am Anfang stand für Tillmann Delp das Schmieden, dann der typische konstruktive Metallbau, heute generiert er 80 Prozent seines Umsatzes im Maschinenbau. Ätzmaschinen und Flachdruckmaschinen mit über zehn Meter Drucklänge nimmt er in Auftrag. „Kaum einer baut größere“, sagt der 59-Jährige.

Mit dem drei Meter langen Gestell, das auf dem Hof vor der Werkstatt in Krefeld steht, haust Tillmann Delp einen Trommelscanner ein, in der Halle stehen die fertigen Seitenteile für das Gehäuse einer Phönix Druckmaschine von Heidelberg.

Mit Aufträgen über Gestelle, -gehäuse und Sicherheitseinrichtungen für Maschinen generiert der Metallbaumeister im Schwerpunkt den Umsatz. Seine Belegschaft, ein sechsköpfiges Team, sind allesamt Metallbauer. Delp hat sie zu Gesellen Richtung Konstruktionstechnik ausgebildet.

Nachfolge geklärt

Aktuell hat er einen 36-jährigen Azubi. „Nachdem er sechs Wochen lang bei uns als Praktikant gearbeitet hat, habe ich ihn in die Ausbildung übernommen“, erzählt er. Der Unternehmer gibt gerne Migranten eine Chance, auch sein Werkstattmeister Sergei Fuga startete einst mit einem Praktikum, ist inzwischen mit der Meisterprüfung qualifiziert und als Nachfolger für den Betrieb gesetzt. „Im Jahr 2000 hat er als Russland-Deutscher angefangen in Krefeld, eine Existenz aufzubauen“, sagt Delp. „Ich kann mich noch erinnern, wie er am Anfang mit einem Sprachkurs beschäftigt war.“
Im Jahr 1982 ist Delp als Unternehmer zunächst mit der Fertigung von Schmiedehandwerk gestartet. „Erst im vergangenen Jahr habe ich unser Schmiedefeuer aus der Werkstatt geräumt, heute nutze ich zum Schmieden einen Gasofen.“

Vom Schmied zum Maschinenbauer

Vom Schmiedehandwerk ist er in den Bereich Ladenbau und Innenausbau gewechselt. „Nach 15 Jahren hat sich die Marktsituation ungünstig entwickelt und wir haben uns auf den Maschinenbau spezialisiert“, sagt Delp. Märkte verändern sich fortlaufend, Unternehmer sollten flexibel sein. „Der laufende Wandel gehört dazu.“ Die Herstellung von Maschinengehäusen nach Maß liegt ihm, seine Gestellkonstruktion für eine Rotationsdruckmaschine kann er in Serie fertigen. Inzwischen zählt diese 198 Stück.

Anders als beim Bau von Elementen für Gebäude sind die Kalkulationen der Maschinengestelle sehr realitätsnah, der Arbeitsplatz in der Werkstatt ist wetterunabhängig. Viele der Maschinen werden von Kunden aus dem Ausland bestellt. Seine letzte Flachdruckmaschine wurde Anfang des Jahres in die USA verschifft.
Hin und wieder reist er für die Montage der Maschinen nach China oder in die USA. Siebenmal war er in den vergangenen drei Jahren in China.

Ein erster Schritt Richtung Maschinenbau war die Weiterbildung zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten und Schulungen für die Montage und Wartung von kraftbetätigten Toren. Regional arbeiten die Metallbauer zudem als Sachkundige für Kranabnahmen, für die Wartung kraftbetriebener Tore, Feuerschutzanlagen sowie Rauch- und Wärmeabzugsanlagen. „Unser Fachwissen ist mit den Aufgaben gewachsen“, sagt Delp.

Handzeichnungen statt CAD

Obwohl eine Menge Erfindergeist in seinen Konstruktionen steckt, als ein Tüftler sieht er sich nicht — eher als Problemlöser. „Unsere Kunden definieren, was die Maschinen können sollen, wie groß sie gebaut werden sollen, und wir setzen das um.“ Der Unternehmer holt ein DIN A4-Heft mit händischen Zeichnungen hervor. Für die Planung der Konstruktionen wird bei Delp Papier und Stift genutzt. „AutoCAD brauchen wir nicht, hin und wieder stellt uns ein Kunde eine CAD-Zeichnung zur Verfügung.“ Ob der Genauigkeit, die der Maschinenbau abverlangt, liefert Delp Präzisionshandwerk ohne Hightech-Maschinen. Die CNC-Stanzmaschine wird an der Steuerung programmiert.
Seitdem er das Marktsegment Maschinenbau bedient, kooperiert er eng mit Feinwerkmechanikern und Ingenieuren, die die elektronischen Steuerungen bauen. „Unser Schwerpunkt sind meist mechanische Teile, nur Ätzmaschinen bauen wir komplett inklusive Elektrotechnik“, berichtet er. Dass ist schon ein bisschen besonders, wenn sich ein Metallbauer auf den Bau von Ätzmaschinen spezialisiert, mit denen sich beispielsweise Gravuren auf Leder auftragen oder Oberflächenstrukturen für Möbel herstellen lassen. Aber Delp ist zufällig damit aufgewachsen, bei einem Schülerpraktikum im Betrieb seines Vaters hatte er erstmals mit dem Bau von Ätzmaschinen zu tun.

Ausblick

Tillmann Delp hat sich mit der Sonderanfertigung von Maschinengestellen und dem Bau von Ätzmaschinen einen Nischenmarkt erarbeitet, für den es „so gut wie keine Mitbewerber“ gibt. Dieses Alleinstellungsmerkmal für einen Betrieb, der mit der Ausbildung seiner Gesellen einschlägig für den konstruktiven Metallbau qualifiziert ist, ermöglicht in der Handhabe des Unternehmensmanagements Freiheiten und einen eigenen Stil der Betriebsführung. Die Nachfolge hat der Unternehmer von langer Hand geklärt, das Wohnmobil kürzlich bestellt. „Schritt für Schritt werden meine Frau und ich nun unseren Schwerpunkt weg von der Arbeit ins Freizeitleben verlagern – da freuen wir uns drauf“, sagt Delp.⇥

Info & Kontakte

Tillmann Delp
Krützpoort 21
47804 Krefeld
Tel. 02151 777814

www.schlosserei-delp.de

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