Bodentiefe Elemente

Anfällige Abdichtung

Die Bauschadensberichte der letzten Jahre zeigen leider einen deutlichen Anstieg der Bauschäden, bei denen mehrere Gewerke beteiligt sind. Als Hauptursachen werden Planungsdefizite, Fachkräftemangel, Zeitdruck und immer komplexer werdende Anforderungen genannt.

Der Anschluss bodentiefer Fenster- und Türelemente an den Baukörper im Fußpunktbereich ist eine wichtige, aber leider schadensanfällige gewerkeübergreifende Schnittstelle und Schlüsselstelle in der Gebäudehülle, insbesondere, wenn dieser im Einzugsbereich einer Bauwerksabdichtung bei erdberührten Bauteilen oder einer Dach- bzw. Terrassenabdichtung bei genutzten oder nicht genutzten Dächern, Balkonen und Loggien liegt. Die moderne Architektur mit konstruktiv ungeschützt, fassadenbündig eingestellten, großen, bodentief verglasten, multifunktionalen Fenster-/Türelementen mit barrierefreier Nutzbarkeit verschärft diese Problematik. Bestehende Regelwerke der betroffenen Gewerke sind nicht interdisziplinär und haben nicht diese Schnittstelle im Fokus. Sie bilden die Praxis teilweise nur unzureichend ab und führen zwangsläufig zu Zielkonflikten. Daher gilt bei dieser gewerkeübergreifenden Schnittstelle Folgendes:

1) Keine Ausführung ohne vorherige Planung!

2) Die Abstimmung und Koordination aller Beteiligten ist unerlässlich.

3) Der ausführende Fensterbaubetrieb macht keine Bauwerks-, Dach- oder Terrassenabdichtung und fordert eine Ausführungsplanung, falls diese fehlt.

Begrifflichkeiten

Für das fachgerechte Zusammenspiel der Gewerke sollen fünf Begriffe erläutert werden:

1. Regeleinbau

Wenn vom Regeleinbau gesprochen wird, dann handelt es sich um eine Ausführung der Fenster-/Türkonstruktion im Fußpunkt, die dem Abdichtungsgewerk (Bauwerks-, Dach- oder Terrassenabdichtung) einen normkonformen Abdichtungsanschluss nach DIN 18531, DIN 18533 oder Flachdachrichtlinien, analog zum Außenwandbereich ermöglicht. Gefordert wird hierbei eine Abdichtungshöhe von ≥ 150 mm bzw. ≥ 50 mm, in Verbindung mit einer geeigneten, unmittelbar davor angeordneten Entwässerungsrinne, über Oberkante Belag oder Nutzschicht. Diese Ausführungen haben aber bei öffenbaren Elementen nur wenig Praxisrelevanz, da die Nutzbarkeit solcher Fußpunktausbildungen hinsichtlich dem ungehinderten Durchgang eingeschränkt ist.

2.Vertiefter Einbau

Bei einem vertieften Einbau werden die normativ geregelten Abdichtungshöhen zugunsten einer ungehinderten oder sogar barrierefreien Passierbarkeit unterschritten (Bild 1). Dabei darf der Abdichtungsanschluss nicht mehr als 30 mm unterhalb der Oberkante der Rostabdeckung liegen. Die Regelwerke sprechen dann von einer besonderen Planungssituation, die auch eine besondere, objektspezifische Planungsleistung und Koordination erfordert. Diese Einbausituation entspricht nach vorliegenden Erfahrungen eher den Bedürfnissen der Praxis und gewünschten Nutzbarkeit.

3. Maximale Wasseranstauhöhe (max. WAH)

Um einer geplanten Schwellenausbildung bei der Entwässerungsplanung ausreichend Rechnung zu tragen und um die Anforderungen bezüglich der Wassereinwirkung abzugrenzen (siehe Stauwasserdichtheit), wurde ein neuer Begriff – maximale Wasseranstauhöhe, kurz max. WAH – von den Österreichern übernommen und eingeführt. Dies ist jene Höhe, bis zu der Wasser kurzfristig am Bodenanschluss von Fenster-/Türelementen angestaut werden kann. Max. WAH wird am bodentiefen Element konstruktiv durch den Fenster-/Türhersteller festgelegt (Bild 1). Da die Funktionsfuge zwischen Flügel und Schwelle nicht überstaut werden darf, liegt diese maximal auf Höhe Oberkante Schwelle oder darunter. In Bezug auf die Entwässerungsplanung muss max. WAH mindestens 50 mm über der Oberkante des Anstauelements der Notentwässerung liegen.

4. Stauwasserdichtheit

Die Dichtheit des Bauteils in Verbindung mit der Abdichtung ist erforderlich, um das Eindringen von kurzzeitig anstauendem Wasser am Bodenanschluss bis auf max. WAH sicher zu verhindern. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine schnittstellenspezifische Neudefinition, die aus der österreichischen Richtlinie übernommen wurde. Oberhalb max. WAH bestehen hingegen Anforderungen an eine Schlagregen- und Spritzwasserdichtheit, unterhalb des Bodenanschlusses bestehen Anforderungen an eine Wasserdichtheit, je nach objektspezifischen Einwirkungen.

5. Anschlussflansch

Am Fenster- oder Türelement in den unteren Eckenbereichen vorgerichtete und stauwasserdicht angebrachte Anschlussmöglichkeit für die Abdichtung (Folienlappen), die im Zuge der Elementmontage zum Baukörper verklebt wird, sodass ein seitlicher (optisch sichtbarer!) Abdichtungshochzug am Blendrahmen nicht erforderlich ist. Der Anschlussflansch ermöglicht auch bei Elementen mit montierten Führungsschienen für Verschattungen einen fachgerechten Abdichtungsanschluss.

Arbeitskreis erarbeitet Merkblatt

Um die Regelungslücke zur Schnittstelle zu schließen, hat sich am ift Rosenheim ein Arbeitskreis gebildet, der sich aus Vertretern der betroffenen Gewerke zusammensetzt. Der Arbeitskreis hat sich als Ziel gesetzt, ein gemeinsames, gewerkeübergreifendes Merkblatt zu erstellen. Dieses Merkblatt (derzeit im Entwurf) soll künftig unterstützen, die Schnittstelle zwischen bodentiefen Fenster- und Türelementen und der Bauwerks-, Dach- oder Terrassenabdichtung aufeinander abzustimmen, sodass eine fachgerechte Planung und Ausführung aller beteiligten Gewerke ermöglicht wird. Die bereits vorliegenden Veröffentlichungen in der Schweiz (Merkblatt) und in Österreich (Richtlinie) haben wertvolle Vorarbeit geleistet und dienen als Orientierung.

Grundlagen für die Planung und Umsetzung

Im ersten Schritt ist zu klären, ob im konkreten Bauvorhaben bei bodentiefen Elementen eine Schnittstelle mit der Bauwerksabdichtung vorhanden ist. Typischerweise sind beispielsweise bodentiefe Elemente mit absturzsichernder Funktion nicht betroffen, da der Bodenanschluss aufgrund des zu beachtenden Höhenunterschiedes zwischen Innen- und Außenbelag in aller Regel außerhalb des Einzugbereichs einer Bauwerksabdichtung liegt und daher im unteren Bereich ein „normaler“ schlagregendichter Baukörperanschluss im Zuge der Elementmontage zu erbringen ist. Anhand einer Checkliste werden der Planungsablauf, die Aufgaben und deren Zuständigkeiten aufgezeigt. Die Tabelle finden Sie unter www.metallbau-magazin.de

Für die Umsetzung der Planungsaufgaben im Rahmen der Ausführungs-, Fach- und Werkplanung werden im Merkblatt detaillierte Hinweise und Erläuterungen zu folgenden Punkten gegeben:

Örtliche klimatische Anforderungen

Barrierefreiheit

Terrassen- und Abdichtungsaufbau

Einbaulage des Elements

Abdichtung im Auflagerbereich von Fenstern- und Türen

Bauliche Kompensationsmaßnahmen

Entwässerungsplanung bei vertieftem Einbau

Festlegung der Fenster-/Türkonstruktion einschließlich An- und Zusatzbauteile

Anschlussmethoden der Abdichtung

Übergang Abdichtung – Baukörperanschluss

Fenster-/Türeneinbau

 

Nachfolgend werden zwei Punkte näher ausgeführt:

Entwässerungsplanung bei vertieftem Einbau (Bild 2)

1) Abdichtungsanschluss an die Außenwand mit Höhe ≥ 150 mm

2) max. WAH an der Schwellenkonstruktion (z.B. barrierefrei)

3) Abdichtungsgefälle zur Entwässerung ≥ 1 %

4) Hauptentwässerung

5) Notentwässerung

6) Abstand Entwässerung zur Schwellenkonstruktion ≤ 10 m

7) Abstand Oberkante Anstauelement Notentwässerung zu max. WAH ≥ 50 mm

8) Rinnen-Nennmaß b ≥ 150 mm, Öffnungsanteil Rostabdeckung ≥ 50 %

9) Dampfsperre

Festlegung der Fenster-/Türkonstruktion (Bild 3)

Um dem Abdichtungsgewerk einen fachgerechten Anschluss an die Schwellenkonstruktion zu ermöglichen, sind die genannten Grundsätze zur Schwellenausführung zu beachten.

Tabelle mit Planungsablauf & -aufgaben

Literatur

[1]Merkblatt Abdichtungsanschlüsse an Tür- und Fensterelemente:03-2018, Herausgeber: Gebäudehülle Schweiz, Verband der Schweizer Gebäudehüllen-Unternehmungen, Technische Kommission Flachdach, 9240 Uzwill

[2]Richtlinie Bauwerksabdichtung – Anschluss an bodentiefe Fenster und Türen:05-2020, Teil 1: Planung, Teil 2: Ausführung, Herausgeber: Plattform Fenster Österreich, 1037 Wien, IFB – Institut für Flachdach und Bauwerksabdichtung, 1110 Wien

[3]     ift-Fachinformation MO-06/1:02-2022, 2-stufiger Einbau von Fenstern und Türen mit Vorab-Montagezargen, Herausgeber: ift Rosenheim, 83026 Rosenheim

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