Fachgerecht Fugen abdichten (1)

Fenster- und Türsysteme aus Aluminium

Die Energieeinsparverordnung hat die Luftdichtheit der Gebäudehülle in den Fokus gerückt. Die Abdichtung der Fugen hat an Bedeutung gewonnen. Dipl.-Ing. Andreas Lange berichtet in einer dreiteiligen Serie über fachgerechtes Abdichten. Der Fachautor leitet bei Iso-Chemie in Aalen die Abteilung Technik & Training.

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) weist in §6 ausdrücklich auf diese Vorgabe hin. „Zu errichtende Gebäude sind so auszuführen, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig entsprechend den anerkannten Regeln der Technik abgedichtet ist.“ 

Der Fugendurchlasskoeffizient

Der entsprechende Materialkennwert dazu ist der a-Wert (Fugendurchlasskoeffizient). Dieser gibt jeweils an, welche Luftmenge pro Stunde durch die Einbaufuge strömen darf. Je kleiner der Wert, desto weniger Energie und Wärme geht verloren, je größer der Wert, desto höher steigen dann auch die Heizkosten an. Der a-Wert ist somit eine wichtige und mitentscheidende Stellschraube, beim Erreichen der vorgegebenen Energiegrenzwerte des Gebäudes.
Neben dem a-Wert, der die Luftströmung beeinflusst, ist im Weiteren der sd-Wert zu beachten. Der sd-Wert beschreibt die Barriere gegen Feuchtigkeitsströmung, die sogenannte Wasserdampfdiffusion. Je höher der sd-Wert, der als Schichtdicke in Metern angegeben wird, desto funktionsfähiger ist die dampfbremsende Wirkung dieser Sperrschicht. Der sd-Wert ist unabhängig vom a-Wert und wird rein durch die Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl (µ) des Materials beeinflusst.
Auf dem sd-Wert basiert der wichtige Grundsatz „innen dichter als außen“ für die Abdichtung von Fensteranschlussfugen. Je höher der sd-Wert innen, desto größer ist die Reduzierung der Feuchtigkeitsinfiltration in die Einbaufuge. Je niedriger der sd-Wert außen, desto einfacher der Feuchtigkeitsabtransport aus der Fuge: Die Fuge bleibt trocken und die Wärmedämmung dauerhaft funktionsfähig.

Schlagregendichtheit und UV-Stabilität

Schlagregendichtheit und UV-Stabilität sind die Hauptfaktoren, die auf der Außenseite der Baufugenabdichtung zu erbringen sind. Dabei wird in Bezug auf Schlagregendichtheit meist von zwei unterschiedlichen Grenzwerten gesprochen. 300 Pascal (Pa) und 600 Pascal (Pa) Schlagregendichtheit werden je nach Gebäudehöhe und zu erwartenden Belastungen gefordert. Für viele Materialien ist aber meist ein Wert von bis zu 1.050 Pa erreichbar. Je nach Einbauhöhe der Bauelemente über Grund und abhängig davon, wo das Gebäude steht, nehmen die Belastungen zu.
Eine Berechnung der Anforderungen ist analog zur ift Richtlinie FE 05/2 Einsatzempfehlung für Fenster und Außentüren (Tabelle 3) möglich. Dadurch wird neben der Windlastzone und Geländekategorie auch die Einbauhöhe über Grund berücksichtigt. Bis ca. 50 m Einbauhöhe über Grund reichen nach dieser Tabelle meist 600 Pa als Mindestabdichtungswert gegen Schlagregen aus. Nur in den Küstenrandzonen und auf den Inseln sollte man nachrechnen. Jedoch nehmen die Wind- und Wetterbelastungen in den letzten Jahren zu, und da viele Abdichtungsprodukte Schlagregendichtheitswerte bis 1.050 Pa erreichen, sollte man auf diese zugreifen.

Aus dem RAL-Leitfaden

Der RAL-Leitfaden zur Planung und Ausführung der Montage von Fenstern und Haustüren für Neubau und Renovierung (März 2014) gibt für die Baufugenabdichtung drei Ebenen vor.
Die innere Abdichtungsebene, zur Trennung von Raum und Außenklima, im Weiteren Ebene 1 benannt; die mittlere Ebene, als Funktionsebene und damit zuständig für Wärmedämmung und Schallschutz, im Weiteren als Ebene 2 benannt, und die äußere Abdichtungsebene als Wetterschutzebene, im Weiteren als Ebene 3 benannt.

In einer Tabelle  ->zur Übersicht  sind die vom ift-Rosenheim geprüften und zugelassenen Produkte von Iso-Chemie zusammengestellt — die Materialkennwerte und in welcher Ebene diese verwendet werden dürfen.

Wie bereits beschrieben, muss der sd-Wert innen höher als außen sein, nur so sind dauerhaft trockene Einbaufugen sicherzustellen. Ein sd-Wert-Gefälle ab einem Verhältnis von 10:1 wird dabei als ausreichend angesehen. Zudem soll der sd-Wert der inneren Abdichtung auf dem vergleichbaren sd-Wert-Niveau des umgebenden Mauerwerks liegen.
Eine Ausnahme stellt die Abdichtung im Schwellenbereich dar. Die aktuell noch gültige DIN 18195 (Übergabe in DIN 18531 geplant) macht zur Materialauswahl und zur Abdichtung selbst klare Vorgaben. So sind Details zur Materialdicke über des Materialtyps bis hin zu genauen Angaben der mechanischen Befestigung der Folien in sog. Los-Festflansch-Konstruktionen (DIN 18195-9) beschrieben.

Materialunverträglichkeiten

Vorsicht beim Einsatz der Materialien selbst und den beschriebenen Kombinationen — es sind bekannte Materialunverträglichkeiten zu beachten:

1. Bituminöse Anstriche oder Abdichtungsebenen, bzw. -Folien der Bauwerksabdichtung geben eine besondere Prüfvorgabe für angrenzende Baufugenabdichtungen. Hier können z.B. EPDM-Folien nur mit speziell freigegebenen und geprüften Klebern auf MS-Polymeren oder Hybrid-Polymerbasis verwendet werden.

2. Die Vorgaben zur Verwendung von Primern wird nach wie vor wenig beachtet, doch jeder Kleber hält nur so gut wie der Untergrund es ermöglicht. Sandige Untergründe müssen meist mit einem Voranstrich (Primer) vorbehandelt werden. Auch wenn der Kleber oder die mit einer Klebeschicht versehene Folie zunächst eine gute Haftung vermittelt, ist der Untergrund oft nicht stabil genug, und  die Oberflächenschicht löst sich wieder. Ein Primer, der in die Oberfläche einsinken kann, verdichtet diese, und die Haftung wird deutlich erhöht. Vor allem auch bei spritzbaren Dichtstoffen wie Silikonen oder Acrylaten ist die Verwendung von Primern eine Grundvoraussetzung für eine dauerhaft funktionierende Abdichtungsebene.

3. Auf abgetrockneten Silikonen oder Polymeren hält keine zweite Schicht. Ist ein Fugendichtstoff erstmal abgetrocknet, ist es vorbei. Wenn Schichtaufbauten nötig sind, da mit größeren Schichtstärken geplant wurde, müssen diese in den vom Hersteller vorgegebenen Zeitabständen aufgetragen werden. Nur dann ist sichergestellt, dass sich die Materialschichten auch verbinden. Alte, zu reparierende Schichten müssen immer vollständig entfernt werden.

4. Auch in den Wintermonaten wird heutzutage fast durchgängig weiter- gebaut. Winterschäume und speziell auf die kalten Temperaturen abgestimmte Produkte sollen eine auch bei niedrigen Temperaturen problemlose Verarbeitung sicherstellen. Dabei muss beachtetet werden, dass meist von Umgebungstemperaturen, Haftflächentemperaturen und Materialtemperaturen gesprochen wird. Nur wenn alle Parameter passen, kann das Material verarbeitet werden. Die Temperaturgrenze ist meist aber 0 °C, da sich ab diesem Temperaturpunkt die Gefahr von Eisschichten auf den Oberflächen verstärkt und damit eine Haftung verhindert wird. Gerade bei der Verwendung von Acrylaten ist sicherzustellen, dass auch für die komplette Trockenphase das vorgegebene Temperaturniveau nicht unterschritten wird. Hybrid-Polymere und MS-Polymere sind meist weniger temperaturempfindlich, benötigen aber eine längere Trockenphase, da die zur Trocknung notwendige Feuchtigkeit in der Luft nicht ausreicht.

5. Trennmittel auf Betonschalen können die Haftung von Hochleistungsklebern so stark reduzieren, dass sich die Bauabdichtungsfolie wieder ablöst. Vor allem bei Untergründen, bei denen unklar ist, ob Trennmittel vorhanden sind, müssen Probeklebungen vorgenommen werden.

Abdichtung bereits beim Bau berücksichtigen

Beim Bau von Aluminiumfenster- und -türsystemen sollte auch die entsprechende Abdichtungsvariante berücksichtigt werden. Offene, durchlaufende Pfostenprofile, Verbreiterungen oder Kopplungssysteme können den Monteur dann vor die nahezu unlösbare Aufgabe der umlaufend luftdichten Fugenausbildung stellen. Dann wird meist mit PUR-Dosenschaum oder Styroporstücken und viel „Architektentröster“ (Silikon) eine bauseitige Verbesserung versucht. Die Vielzahl der Abdichtungsvarianten kann auch hier das passende System liefern. Denken Sie daran: Eine Vorbereitung in der Werkstatt ist immer billiger als ein Provisorium auf der Baustelle. So kann z.B. mit Vliesbutylfolien eine Verschließung der offenen Bereiche erfolgen. Mittlerweile stehen zudem auch immer mehr Verschlusskappen aus Kunststoffspritzguss in den Katalogen der Systemgeber.
Die Befestigung an Metallfenstern erfolgt meist an der oder durch die Innenschale. Schnellbauschrauben mit oder ohne Dübel werden zur direkten mechanischen Befestigung genutzt. Egal ob die Abdichtung der Baufuge mit Multifunktionsfugendichtbändern oder Abdichtungsfolien erfolgt, diese Schnittstelle muss man planen. So steht die Entscheidung an, wo die Baufolie geklebt werden kann, um nicht in Konflikt mit der Schraube zu kommen.
Bei Multifunktionsfugendichtbändern wie ISO-BLOCO ONE kann die Verschraubung dann auch in der inneren Abdichtungsmembran oder direkt davor erfolgen. Die Stellschraube ist in diesem Fall die Breite des Multifunktionsfugendichtbandes ISO-BLOCO ONE. Gerade bei Multifunktionsfugendichtbändern ist es wichtig, dass das Expansionsverhalten auch die Montage von großen Elementen zulässt. Speziell dafür wurde ISO-BLOCO ONE so entwickelt, dass mindestens eine halbe Stunde für die Montage verbleibt, und das auch bei normalen Temperaturen. Für ISO-BLOCO ONE stehen Bänder für Profilbreiten bis 250 mm zur Verfügung. Damit können Hebe-Schiebetüren nun auch durchgängig mit einem Multifunktionsfugendichtband abgedichtet werden.

Genauer Plan und Schulungen vorausgesetzt

Besondere Sensibilität ist aber auf die Schulung der Monteure zu legen. Jedes Material ist so entwickelt, dass es in Bezug auf Qualität und Leistungsfähigkeit einen hohen Level erreicht. Wir als Hersteller der Produkte bieten genau aus diesem Grund umfangreiche Trainings zu den Produkten und dem Einbau an —und das nicht nur bei uns im Werk, sondern auch bei Händlern und Verarbeitern und natürlich auch auf der Baustelle selbst.
Saubere Planung, geschulte Monteure und Transparenz sind für eine qualitativ hochwertige Gesamtleistung wichtig. Die verantwortlichen Planer und die Kunden fordern zusätzlich immer mehr Nachweise über die fachgerechte Ausführung.

Fazit

Durch die Entwicklung moderner, hochwärmedämmender Metallfenster ist auch deren Luftdichtheit im Bauteil selbst deutlich angestiegen. Dieser Umstand erfordert jetzt mehr Aufmerksamkeit an die Bauteilfuge. Die Bauteilfuge muss nun auch in puncto Luftdichtheit und zu erwartender Feuchtigkeitsströmungen genauer geplant werden. Nur durch das detailliert abgestimmte Zusammenspiel aller Bauteile können langfristig funktionierende Gebäudehüllen entstehen, die frei von Baumängeln bleiben.⇥red ◊

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